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Ein Ort der Trauer um Puschel und Lola

Tierbestattung Ein Ort der Trauer um Puschel und Lola

Wenn ein geliebtes Haustier stirbt, hat nicht jeder die Möglichkeit, es im eigenen Garten zu begraben. Ein Ort für eine Bestattung ist der Tierfriedhof hoch oben am Rotenberg.

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Der Tierfriedhof auf dem Rotenberg bietet viel Platz. Hunde, Katzen und Kleintiere finden dort in Einzelgräbern oder anonymen Gräbern ihre letzte Ruhe. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Sie sind treue Begleiter, Freunde und oft auch Ersatz für Kinder oder einen Partner. Wenn ein geliebtes Haustier stirbt, stellt sich für Herrchen oder Frauchen oft die Frage, wo sie es begraben. Nicht jeder verfügt über einen eigenen Garten. Und nur dort dürfen Tiere bis zu 20 Kilo begraben werden.

In Marburg gibt es seit gut vier Jahren einen Tierfriedhof, den die gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft Praxis GmbH betreibt.Von der Straße aus ist es nicht zu sehen: Das idyllische Grundstück, wo Mieze und Co ihre letzte Ruhe finden liegt hoch oben am Rotenberg. Es ist ein großes Areal, von dem sich ein weiter Blick in die Natur bietet. Kurz nach dem Eingang zieren Blumen den Wegesrand und auf der Wiese steht eine Esskastanie. „Anfangs war das Grundstück ziemlich öde, aber dann haben wir es bepflanzt“, erzählt Susann Rusteberg, die für die Tierbestattung zuständig ist.

Die Einzelgräber für Hunde, Katzen und Kleintiere befinden sich weiter oben auf dem Gelände. Figuren, Bilder, Grabsteine mit Namenseingravierungen wie Puschel, Lola oder Butch, Laternen und Blumen zieren die einzelnen Gräber, die sehr individuell gestaltet sind. Die einen haben eine Holzeinfassung, andere Steine und wieder andere sind ganz natürlich gehalten.

„Wie das Grab gestaltet wird, bleibt jedem selbst überlassen“, sagt Susann Rusteberg. Richtlinien gibt es allerdings dafür, in welchem Behältnis das Tier begraben wird. „Wir setzen auf Natur und dürfen keine künstlichen Materialien in die Erde einbringen“, sagt die Tierbestatterin. Neben den Einzelgräbern gibt es auch die Möglichkeit einer anonymen Bestattung. Die Fläche, auf der ein Tier neben dem anderen begraben wird, liegt ein wenig abseits und ist mit Wildblumen bepflanzt. Auch dort zieren Kreuze und Gedenksteine die Ruhestätte.

„Wir bieten mit dem Tierfriedhof einen Ort für Trauer“, erzählt Susann Rusteberg. Bei den Bestattungen hat sie interessante Erfahrungen gemacht, sagt sie. „Wir halten ja keine Grabreden, aber wenn es die Trauernden wünschen, stehen wir für Gespräche bereit. Das ist oft sehr emotional und sie und ihr Kollege erfahren viel über das Zusammenleben von Mensch und Tier.

„Es ist nicht einfach, wenn plötzlich der Hund zum Gassi gehen fehlt, oder der Kater einem nicht mehr ums Bein streicht.“ Und es sind nicht nur ältere einsame Menschen, die eine enge Bindung zu ihrem Tier hatten, sondern ebenso auch junge Leute, so die Erfahrung der Tierbestatterin.

Einmal habe eine spirituell veranlagte Frau erzählt, dass sie sich mit ihrem toten Hund unterhalten habe, um zu erfahren in welche Richtung er gebettet werden möchte.Es gab auch schon Anfragen, ob man bei einer Bestattung zu zuschauen kann, aber das lehnte Susann Rusteberg mit Rücksicht auf die Trauernden ab.

Manchmal kommt zur Bestattungen eine ganze Trauergemeinde aus Familie, Nachbarn und Arbeitskollegen, ein anderes Mal ist es eine einzelne Person. „Es kam auch schon vor, dass mir jemand eine Schachtel ‚zum Verbuddeln‘ in die Hand drückte und dann verschwand.“ Es kommt auch vor, dass sich auf dem Friedhof Menschen begegnen, die sich schon häufiger beim Gassi gehen auf den Lahnwiesen gesehen haben und sich nun näher kennenlernen.

Von Zerstörungen blieb der Friedhof bisher verschont, obwohl er nicht abgeschlossen und für jeden zugänglich ist. „Im Winter springen manchmal Rehe über den Zaun, da kann mal auf einem Grab etwas umfallen“, sagt Susann Rusteberg. Mehr hat sie aber nicht zu beklagen.

von Heke Horst

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