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Ein Markt, der seine Besucher bezaubert

Pflanzenbörse Ein Markt, der seine Besucher bezaubert

Es sei der schönste Markt in der Region, sagen viele - und kommen jedes Jahr wieder auf das Anwesen Niebergall in Cyriaxweimar. Es umfängt die Gäste mit dem Charme von Kopfsteinpflaster, Fachwerk und den ältesten Mauern im ganzen Ort.

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Achim Jäger aus Wetter vom Verein zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt stellte bei der Pflanzenbörse alte Tomatensorten vor.

Quelle: Carina Becker

Cyriaxweimar. Rund 40 Aussteller sind auf das Anwesen von Ursula und Gerhard Niebergall nach Cyriaxweimer gekommen - rund 1500 Besucher außerdem. Sie sind zu Gast auf dem ältesten Gehöft des Dorfes, dessen Grundmauern seit hunderten von Jahren stehen. Am ältesten davon sind die Reste einer Wallfahrtskirche, die wohl schon im 13. Jahrhundert errichtet wurde, schätzt Ursula Niebergall.

Im Ambiente eines bäuerlichen Gartens, umgeben von alten Bäumen und von den Ständen, an denen ausschließlich private Anbieter ihre überwiegend selbst gezogenen Pflanzen verkaufen, kann man ein paar sehr angenehme Stunden verleben. „Manche Besucher freuen sich das ganze Jahr auf diesen Tag. Ein Gast hat heute zu mir gesagt, es tut ihm in der Seele gut, hier zu sein“, freut sich die Gastgeberin. Sie gehört der heimischen Aktionsgruppe der „Zaungucker“ an - ein loser Zusammenschluss von ambitionierten Menschen aus der Region, die ihre Gärten besonders gestalten und sie einmal im Jahr für Besucher öffnen. Neue Mitwirkende werden immer gesucht, erklärt Elisabeth Schmitt-Nau von den „Zaunguckern“ und wirbt für die Aktion. „Die Leute sollen sich einfach trauen und uns mal ihre Gärten zeigen“, sagt sie. Interessenten finden alle Infos im Internet unter www.gaerten-fuer-zaungucker.de

Viele Menschen sind an diesem Tag gekommen, um die eine oder andere Rarität für den eigenen Garten mitzunehmen. Bei Norbert Damm aus Buchenau, der viele Pflanzen von seinen Portugal-Reisen mitbringt, gibt es Opuntien, Feigenkakteen, Aloe-vera-Pflanzen und Agaven. „Im Sommer stehen all diese Pflanzen bei mir im Garten, im Winter hole ich sie wieder ins Haus“, erzählt der Hobby-Botaniker, dessen Auto immer vollgepackt ist mit neuen Sorten, wenn er von Süden auf die Heimreise geht.

Selten gewordene Pflänzchen gibt es bei Achim Jäger aus Wetter zu bewundern. Die aufgespießten und beschrifteten Tomaten auf dem Präsentierteller sehen köstlich aus, sollen aber nicht aufgegessen werden. Jäger, der dem Verein zum Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt angehört, stellt die historischen Tomatensorten vor: den gezahnten Bührer-Keel beispielsweise, der einen reichen Ertrag bietet, oder die Sorte Auriga, die früher in Ostdeutschland verbreitet war und ein saftig-süßes Fruchtfleisch hat. „Wir wollen im Sinne der Vielfalt auch die Sorten erhalten, die für die konventionelle Saatgutindustrie keine Rolle spielen“, erklärt Jäger.

Die einen bieten Spezielles an, die anderen suchen Spezielles. Ausstellerin Inge Sturm aus Marburg, die Blutampfer aus ihrem Garten, Strickwaren und farbenfrohe Kissen aus Indien verkauft, berichtet von einem Schäfer, der auf der Suche nach Lichtnelken war, um sie auf seinen Wiesen auszusäen. „Damit die Schafe eine vielseitigere Ernährung bekommen“, erzählt Inge Sturm.

Lichtnelken hatte an diesem Tag leider niemand im Gepäck. Aber dafür gab es noch so viel anderes zu bewundern, auch über die Pflanzen hinaus. Töpfereiwaren von Emily Guillaume aus Stausebach beispielsweise - oder handgefertigten Perlenschmuck vom „Perlhuhn“ Eva Seyer aus Goßfelden.

Dass der Markt einen besonderen Charme verströmt, hat sich jedenfalls herumgesprochen. Das Team der ARD-Sendung „Ratgeber Haus + Garten“ begleitete die Veranstaltung mit der Kamera. Die Sendung wird am Sonntag, 29. September, ab 16.30 Uhr ausgestrahlt.

von Carina Becker

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