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"Ein Labor mit vielen Stellschrauben"

Sanktionen gegen den Iran "Ein Labor mit vielen Stellschrauben"

Ein internationales Symposium zu den Auswirkungen der Energie- und Finanzsanktionen auf den Iran fand am Freitag an der Uni Marburg statt.

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Marburg. Der Regierungswechsel im Iran und die jüngst begonnenen politischen Verhandlungen haben das Land in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt. Eine der daraus erwachsenden zentralen Fragen lautet, ob sich an den bestehenden Sanktionen etwas ändern wird. Der Zufall brachte es mit sich, dass die wichtigen internationalen Verhandlungen in Genf am vergangenen Freitag zeitgleich mit dem Marburger Symposium stattfanden, so dass dies Tagung hochaktuell war. In Genf wurde ein Durchbruch erzielt: Ein Bestandteil der Einigung über eine Reduzierung des iranischen Atomprogramms ist es auch, dass die Sanktionen der USA, der Vereinten Nationen und der Europäischen Union gegenüber dem Iran zurückgefahren werden sollen.

Sanktionen in Bereichen Energie und Wirtschaft

Auf dem Marburger Symposium beleuchteten internationale Experten die bisherigen Folgen der Sanktionen auf die iranische Wirtschaft. Iranwissenschaftler sollten durch das Symposium die Möglichkeit erhalten, neue Forschungsthemen zu entwickeln und sich mit anderen Wissenschaftlern zu vernetzen. „Uns geht es dabei nicht um das Nuklearprogramm oder die Frage, ob die internationalen Sanktionen gerechtfertigt sind“, erläuterte Professor Christoph Werner vom Centrum für Nah- und Mitteloststudien Marburg (CNMS), einer der beiden Organisatoren der Tagung, im Gespräch mit der OP.

Vielmehr stehe im Mittelpunkt die exemplarische Frage, was in einem Staat passiere, wenn es wirtschaftliche Sanktionen gebe. „Das ist eine Art großes Labor mit vielen Stellschrauben“, machte Werner deutlich.

Dr. Mohammad Reza Farzanegan, Mitveranstalter vom Centrum für Nah- und Mitteloststudien Marburg, erklärte: „Die Vereinten Nationen, die USA, die Europäische Union und andere Länder haben den Iran in den Bereichen Energie und Wirtschaft mit Sanktionen belegt - mit negativen Folgen für die iranische Wirtschaft im Hinblick auf Wechselkurse, Inflation, Investitionen, Importe, Industrieproduktion und das allgemeine wirtschaftliche Wachstum.“

Sanktionen stärken Schattenwirtschaft

Vor allem durch Einbußen bei den Einnahmen aus Erdöl, dem wichtigsten Wirtschaftsfaktor des Irans, solle Druck auf die Regierung in Teheran ausgeübt werden. Dies habe zunächst auch funktioniert, denn 90 Prozent des Export-Geschäftes des Irans hänge vom Verkauf des Erdöls ab. Aufgrund der Sanktionen habe der Iran einen Teil seines Öl-Marktes verloren, was auch deutliche finanzielle Einbußen mit sich bringe, so Farzanegan. Andererseits könnten die Funktionen auch die wirtschaftliche Eigenständigkeit des Landes fördern, weil es umdenken müsse und sich weniger auf die Ölindustrie verlassen könne.

Die Sanktionen haben aber noch weitere Effekte, wie die Stärkung einer „Schattenwirtschaft“ des Schwarzmarktes im Iran.

Durch den Rückzug der Europäischen Union komme es aber gleichzeitig auch zu einer verstärkten Präsenz von Firmen aus Ländern, die sich nicht an den Sanktionen beteiligt hätten. Dies treffe beispielsweise auf die Vertreter der chinesischen Wirtschaft zu.

von Manfred Hitzeroth

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