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Ein Hospital für Goliama-Jeliasna

Schenkung Ein Hospital für Goliama-Jeliasna

Die Marburgerin Marga Stafunsky hat das Wohnhaus ihres verstorbenen Mannes Dr. Simeon Stafunsky der Gemeinde ­Goliama-Jeliasna in Bul­garien geschenkt. In der OP erklärt sie den Hintergrund der Schenkung.

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Das frühere Wohnhaus von Dr. Mircea Stafunsky in Goloma-Jelezna soll zu einem kleinen Spital umgebaut werden.

Quelle: privat

Marburg. Goliama-Jeliasna, das Heimatdorf meines verstorbenen Mannes, befindet sich im Nordwesten Bulgariens an den Ausläufern des Balkan-Gebirges (Stara planina).

Es besteht aus dem eigentlichen Ortskern mit einer zwei Kilometer langen Hauptstraße, an der zu beiden Seiten wunderschöne Häuser stehen mit großen Gärten, wo Gemüse und Obst in großen Mengen wachsen und vor denen fast das ganze Jahr alle Arten der buntesten Blumen blühen. Autos kommen dort keine vorbei, nur regelmäßig der Bus, der durch andere größere Dörfer in die nächste Stadt fährt, die 30 Kilometer entfernt liegt.

Das nächste Krankenhaus ist 30 Kilometer entfernt

Die Hauptstraße, die bergan führt, endet am großen Dorfplatz, wo Poststelle, Schule, zwei Geschäfte für alles, Bürgermeisteramt, ein großes modernes Dorfgemeinschaftshaus, eine kleine Gaststätte und die ganz alte kleine Kirche stehen. Eine kleine Grünanlage verschönert den Platz. Hier ist auch Start- und Endstation für den Bus, dessen Fahrgäste immer die neuesten Ereignisse aus der Stadt mitbringen. Von hier aus führen viele kleinere Wege, die nicht alle gepflastert sind und allmählich in Wiesen- und Feldwege übergehen, mal bergauf, mal bergab zu den umliegenden Dorfvierteln.

Die bestehen jeweils aus mehreren sehr alten Häusern, die noch aus Stein und Lehm gebaut und von großen Wiesen umgeben sind, auf denen neben Büffeln und Schafen auch Hühner, Gänse und Enten grasen. Aber auch sehr viele Pflaumenbäume gibt es hier, weil in jedem Haus der bekannte „Slivovitz“ hergestellt wird.

Nach drei bis vier Kilometern, es geht nur querfeldein, kommt man zum nächsten Viertel. Hier stehen noch vier bis fünf „Koliba‘s“ (das bedeutet „alte Häuser“) und so geht das immer weiter über Hügel und Täler, kilometerweit im Umkreis von etwa 8 bis 10 Kilometern. In jedem Viertel wohnen nur Verwandte zusammen und nach deren Nachname wird das ganze Viertel auch benannt.

Trotz des guten Klimas und sehr gesunder Ernährung treten immer wieder Krankheiten bei Mensch und Tier auf. Vieles wird mit alten Hausmitteln selbst kuriert, doch dies gelingt nicht immer und Telefone gibt es kaum. So muss jemand zu Fuß ins Dorf gehen und versuchen, einen Arzt zu verständigen.

Im Dorf selbst gab es in zwei kleinen Räumen einen sogenannten Gesundheits-Stützpunkt in spärlichster Ausstattung für leichtere Behandlungsfälle. Das nächste Krankenhaus in Trojan, was ständig überfüllt ist, liegt circa 30 Kilometer entfernt und ist nur mit dem Bus zu erreichen, der noch durch vier andere Dörfer fahren muss. Dort werden nur die dringendsten Fälle behandelt.

Kranke versuchen, sich selbst zu kurieren

Dazu gehörte leider auch mal bei einem unserer Besuche dort meine Tochter - Pilzvergiftung. Mithilfe mehrerer äußerst hilfreicher Menschen kamen wir während eines schweren Gewitters im Krankenhaus an, der Strom war ausgefallen, meine Tochter bewusstlos, es war die Osternacht, die in der orthodoxen Kirche besonders feierlich begangen wird. Zwei Ärzte und Schwestern wurden zur Unterstützung des diensthabenden Arztes aus der Kirche geholt, meine Tochter wurde unter schwierigen äußeren Umständen gerettet und mich nahmen fremde Frauen in den Arm und sagten: Wir beten für ihre Tochter.

Während meiner Aufenthalte in Bulgarien habe ich einige Male erlebt, dass Menschen sich so lange versuchten selbst zu kurieren, bis es zu spät war. Denn nicht immer gab es einen Arzt im Dorf, oft nur stunden- oder tageweise, ansonsten schaute schon mal die Hebamme oder eine medizinische Hilfskraft nach leichteren Fällen. Viele scheuten auch die Busfahrt zum Krankenhaus und dort stundenlangen Wartezeiten, weil sie ihre Tiere nicht alleine lassen konnten.

So erlebte ich zum Beispiel einmal, dass ein älterer Mann sich einen Nagel in den Fuß getreten hatte. Er versuchte, sich selbst zu behandeln. Eine Blutvergiftung war die Folge, daran starb er. Den weiten Weg zum nächsten Krankenhaus und die dortigen langen Wartezeiten wollte er nicht riskieren, da er seinen Büffel nicht alleine lassen wollte und konnte. Dieser war oft aggressiv und ließ sich von keinem Fremden versorgen. Ähnliche Fälle, wo Menschen zu Schaden kamen, weil kein Arzt Erste Hilfe leisten konnte, habe ich leider selbst miterlebt - wie auch die Notwendigkeit, dass kleinere Not-Eingriffe gleich an Ort und Stelle unter schwierigsten Bedingungen vorgenommen werden mussten.

So viele tapfere und gastfreundliche Menschen

Da tritt dann der einmal geleistete Eid voll in Kraft. Ich bin bei meinen Besuchen in diesem wunderschönen Balkandorf so vielen tapferen, hilfsbereiten, gastfreundlichen Menschen begegnet, die uns herzlichst in ihrer Mitte aufgenommen und in fröhlichen Stunden aber auch in Krankheitstagen zur Seite gestanden haben. Nicht zu vergessen die idealistischen Ärzte, die uns halfen. Allen möchte ich mit dieser Schenkung meinen Dank sagen.

von Marga Stafunsky

Medizinisches Gerät gesucht
Marga Stafunsky hat dem Dorf das an der „Hauptstraße“ stehende Wohnhaus per Schenkung übertragen, unter der Voraussetzung, dass darin eine Poliklinik errichtet wird, in welcher Tag und Nacht ein Arzt erreichbar ist und neben den verschiedenen ärztlichen Behandlungen auch kleinere Operationen möglich sein müssen. Marga Stafunsky sucht nun Spender für medizinische Geräte und Ausstattung – Utensilien, die in hiesigen Praxen nicht mehr gebraucht werden, aber in Bulgarien noch Gutes tun können. Wer solches Gerät zur Verfügung stellen kann wird gebeten, sich mit Marga Stafunsky, 06421/44111 in Verbindung zu setzen.
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