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„Ein Hobby der Völkerverständigung“

Faszination Amateurfunk „Ein Hobby der Völkerverständigung“

Weltweit vernetzt sind die Vertreter eines beliebten und äußerst kommunikativen Hobbys unter Technikfans: dem Amateurfunk. Auch aus Marburg senden zahlreiche, ortsansässige Amateurfunker in alle Welt – neuerdings auch digital.

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Von seinem „Arbeitsplatz“ aus funkt der Marburger Amateurfunker Uwe Nößler analog oder digital in alle Welt.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Es kratzt und rauscht aus dem stets griffbereiten Funkgerät – Stimmenfetzen und ein Ruf sind zu hören – Uwe Nößler erhält einen „CQ“, einen allgemeinen Anruf. Es ist ein Bekannter, der gerade gemütlich im Frankfurter Stau steht und ein Schwätzchen halten möchte.

Der Marburger funkt kurz zurück, meldet sich mit seinem persönlichen Rufzeichen „dg9fdm“, nennt ordnungsgemäß Standort und Namen. Entweder man kennt ihn als Uwe oder unter seiner offiziellen Kennung, die aus einer einmaligen Kombination aus Zahlen und Buchstaben zur weltweiten Identifikation besteht. „Das ist wichtig, man muss sich als Amateurfunkstelle einfach identifizieren“, erklärt der 49-Jährige.

Seit seiner Kindheit beschäftigt er sich mit der drahtlosen Nachrichtenübertragung, mit Antennen, Messgeräten, der Wellenausbreitung und dem Bau und Betrieb von Sendern und Empfängern. Das Funkgerät ist ständig auf Empfang. Alle paar Minuten schallt es aus dem Mikrofon, Grüße der Kollegen gehen hin und her, Neuigkeiten werden ausgetauscht.

Beim Großvater im Lkw „infiziert“

Wo er auch geht und steht – seit Jahren „piept und funkt es im Alltag“ des begeisterten Technikfans. Im heimischen Wohnzimmer, im Arbeitsbereich, im Auto – überall wartet griffbereit ein Funkgerät. Mal über UKW, mal über Kurzwelle oder digital funkt er fast täglich in alle Welt.

Er ist Amateurfunker aus Leidenschaft, sitzt am Funkgerät seit er zwölf Jahre alt war, sein erster Kontakt war noch der CB-Funk in einem Lkw – „da war ich sofort infiziert – und das ist nicht mehr heilbar“, witzelt der Justizbeamte.

Seit langem ist er Mitglied der Ortsgruppe F15 Marburg, einer von mehr als 1100 Ortsverbänden des Deutschen Amateur-Radio-Clubs. Wie seine Kollegen beschäftigt er sich täglich mit dem Funkbetrieb, hält Kontakte zu Funkern auf der ganzen Welt, baut und bastelt regelmäßig an seiner eigenen Ausrüstung.

Und davon kommt im Laufe eines Funkerlebens so einiges zusammen: Heute nennt der bekennende „Funk-Messi“ rund 50 Funkgeräte sein Eigen, bastelt teils monatelang an neuen elektronischen Kreationen, bis diese perfekt laufen. „Dabei entspanne ich am besten – ich schalte ab, wenn ich das Gerät anschalte“, sagt er.

Weltweit gibt es etwa zwei Millionen Amateurfunker

Und worüber unterhält man sich so über Funk? „Über Gott und die Welt, das gemeinsame Hobby, einfach alles.“ Nößler hat Funkerfreunde auf der ganzen Welt, trifft sich regelmäßig mit Kollegen und Verbandsmitgliedern. „Es ist ein Hobby der Völkerverständigung, man lernt die Leute auch mal real kennen“, erzählt er.

Der Amateurfunkdienst, übrigens nicht zu verwechseln mit dem öffentlichen CB-Funk, ist ein eigenständiger Funkdienst mit eigenen Gesetzen. Und den gibt es seit gut 100 Jahren, er ist der älteste Funkdienst Deutschlands und bis heute ein beliebtes Hobby unter Technikfans. Weltweit gibt es etwa zwei Millionen Amateurfunker, davon etwa 70.000 allein in Deutschland.

Das Hobby unterliegt strengen Regeln, was genau, wie und wohin gefunkt wird. Etwa dürfen Amateurfunker nur mit Ihresgleichen in Kontakt treten. Mal eben auf die Polizeifrequenz oder die Seefunkdienste wechseln und Guten Tag sagen – das ist streng verboten. „Die Funkdienste untereinander dürfen nicht kommunizieren“, erzählt Nößler.

Technische Ausrichtung wird ständig weiterentwickelt

Eine Ausnahme bildet dabei der Katastrophenbereich, bei dem die weltweit vernetzten Funkamateure regelmäßig in Aktion treten. Sie ergänzen die Arbeit der Offiziellen im Ernstfall, helfen bei Naturkatastrophen bei der lebensrettenden Kommunikation und koordinieren Hilfsaktionen. So geschehen etwa bei vergangenen Katas­trophen wie dem Erdbeben in Haiti oder dem Reaktorunglück in Fukushima. „Amateurfunker leisten wichtige technische Hilfe“, sagt Nößler.

Auch wenn die „Amateure“ im Regelfall unter sich zu bleiben haben, ihnen ist es dafür erlaubt, ihr Equipment selbst zu bauen und eigenständig weiterzuentwickeln. Der Begriff klassifiziert die spezielle Funkergemeinschaft, was deren Wissensstand angeht wirkt er hingegen fast schon fehl am Platz.

Amateurfunker haben nicht nur weitreichende Kenntnis rund um das Funkwesen, sie müssen auch verpflichtend ein umfangreiches Regelwerk rund um ihr Hobby kennen und einen sechsmonatigen Lehrgang absolvieren. Die Prüfung erfolgt vor der Bundesnetzagentur als zuständige Behörde, die ebenfalls die jeweiligen Frequenzen vergibt.

„Funker sind Sammler, sie sammeln Länder“

Zum Aufgabenbereich eines waschechten Amateurfunkers gehören neben dem privaten Austausch ebenso regelmäßige 
 Funkwettbewerbe, das Amateurfunkpeilen, auch Fuchsjagd genannt, sowie die Ausbildung des Nachwuchses. „Wir sind ein experimenteller Funkdienst und probieren immer gerne Neues aus“, erzählt Kollege Norbert Frommknecht.

Ebenfalls eine beliebte Beschäftigung ist das Sammeln von Staaten, in denen man ansässige Kollegen schon einmal angefunkt hat. „Funker sind Sammler, sie sammeln Länder“, sagt Frommknecht.

Seit neuestem sendet die Marburger Ortsgruppe auch digital in die ganze Welt. Im Februar hat der Verband auf den Lahnbergen ein neues, selbst entwickeltes Digital-Relais aufgebaut, das erste überhaupt in Marburg, berichten die Amateurfunker. Das hat eine mittelgroße Reichweite von rund 25 Kilometern, gefunkt wird störungsfrei über das Netzwerk HamNet (Highspeed Amateurradio Multimedia Network), und das digital, lokal und weltweit.

von Ina Tannert

 
Kurse

Um auf Amateurfunkfrequenzen senden zu dürfen, muss eine Amateurfunkprüfung bei der Bundesnetzagentur 
erfolgreich abgelegt werden. 
Ab September bieten die 
heimischen Ortsverbände des Deutschen Amateur Radio Clubs wieder Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Prüfung an. Der Unterricht findet an circa 20 Abenden montags im Rosengärtchen in den Clubräumen der Wetzlarer Funkamateure in der Freilichtbühne (Zugang über Hauser Gasse) in Wetzlar statt.

Amateurfunk live erleben (und mitmachen!) kann man während der praktischen Ausbildung an den Clubstationen in Wetzlar, Gießen, Marburg und dem Dillkreis. Die heimischen Ortsverbände des Deutschen Amateur Radio Clubs laden zum Informationsabend am Montag, 28. August, um ab 20 Uhr ins Rosengärtchen ein.

  • Weitere Infos unter www.darc.de/f19
 
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