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Ein Hilfstransport für Brillen-Spenden

Vortrag über Afrika-Erlebnisse Ein Hilfstransport für Brillen-Spenden

Seit ihrer ersten Reise nach Afrika 2010 ist Dorothe Hilse engagiert, um den Menschen dort zu helfen. Und seit dem ersten Bericht der OP im vergangenen Jahr unterstützen viele Marburger die Studentin dabei.

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Die Marburger Studentin Dorothe Hilse sammelt Brillen, um sie in Afrika an erkrankte Bedürftige zu verteilen.

Quelle: privat

Marburg. Ein bisschen ergeht es ihr wie dem Zauberlehrling mit den berühmten Geistern, die er rief – und nicht mehr los wird. Im Fall von Dorothe Hilse sind die Geister Brillen. Die nämlich sammelt die 23-Jährige für sogenannte Écoles d’Alphabétisation des Mamans („Mama-Schulen“) im Kongo, wo Frauen eine Schulbildung erhalten. Während eines Besuchs vor fünf Jahren hat sie vor Ort erlebt, dass viele der Frauen schlechte Augen haben und sich oftmals eine ganze Klasse eine einzige Brille teilt.

Nachdem Hilse einen Aufruf im Internet gestartet und die OP danach über sie berichtet hatte, meldeten sich viele Bewohner im Landkreis und wollten helfen. Mails und Anrufe – viel mehr, als die Studentin sich hätte träumen lassen. Die Apotheke in der Nachbarschaft nahm tütenweise Brillen entgegen.

Auch heute, ein Jahr später, lässt die Hilfsbereitschaft in der Region nicht nach. Bei einem Marburger Optiker wartet bereits die zweite große Ladung auf Dorothe. Und auch aus Mardorf kommt jede Menge Nachschub.

Dort hatten der Bürgerverein „Leben und Altwerden in Mardorf und Umgebung“ und der Seniorenbeirat zu Brillenspenden aufgerufen, nachdem Burkhard Wachtel über die OP auf Hilse aufmerksam geworden war.  Er hat die Studentin eingeladen, bei der Übergabe gleich noch einen Vortrag über ihre Erlebnisse in Afrika zu halten (siehe Infokasten). Und so sehr sie sich über die Hilfsbereitschaft freut – momentan steht die Studentin vor dem Problem, die vielen Brillen die rund 10 000 Kilometer zu transportieren.

Weil das Geld dafür fehlt, dient ihre alte Kirchengemeinde in Nordrhein-Westfalen als Zwischenlager. „Wichtiger als weitere Brillen wäre nun erst einmal finanzielle Unterstützung“, sagt Hilse. Ein Sponsoring, um zum Beispiel einen Container anmieten zu können, oder: „Vielleicht weiß auch jemand von einem Transport, der sowieso in nächster Zeit stattfindet, bei dem wir etwas dazupacken könnten?“

Sie denkt über die Gründung eines Vereins nach, um das alles zu kanalisieren. Und damit nicht nur die Region im Kongo, die sie 2010 erstmals besucht hat, von so viel Hilfsbereitschaft profitieren kann – und dort am Ende jeder Einwohner fünf Brillen besitzt, wie sie lachend erklärt, will sie auch ein Projekt in Südafrika unterstützen. Dort hat die Studentin gerade ein halbes Jahr verbracht.

„Ich konnte in Afrika viel mitnehmen“

Einen Monat ist sie gereist und hat Freunde wiedergetroffen, die sie von früheren Besuchen kennt. Den Rest der Zeit hat Hilse ein Praktikum im Referat für Arbeit und Soziales der Deutschen Botschaft in Pretoria absolviert – und unter anderem auch die Wahlbeobachtung in Lesotho mit erlebt und die Besuche von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) in Südafrika mit vorbereitet.

Dort hat sie ein ganz anderes Afrika erlebt als im Kongo, erzählt sie. „Das war auf andere Weise nicht einfach, aber ich konnte viel mitnehmen“, sagt die 23-Jährige. Jetzt ist sie zurück in Marburg, wo sie ihr Studium zu Ende bringen möchte. Wieder einmal mit der Sehnsucht nach Afrika im Herzen, die sie gepackt hat, seit sie vor fünf Jahren mit einer Gruppe ihrer alten Kirchengemeinde zum ersten Mal dort gewesen ist. Damals ohne zu wissen, was wirklich auf sie zukommt. Und ohne zu ahnen, dass diese Reise alles verändern würde, inklusive der beruflichen Zukunft.

Die sieht Hilse nämlich seitdem im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und mit Blick auf den afrikanischen Kontinent. Nach ihrem Studienabschluss im kommenden Jahr will sie noch einen Master machen – und das vielleicht sogar an einer Universität in Südafrika. Was sich dort hinter dem Fach „Development Studies“ verbirgt, unterscheide sich sehr von dem, was an einer deutschen Uni gelehrt werde. In Afrika selbst habe man einen völlig anderen Blick auf die Dinge, sagt Hilse. Und beim Stichwort Blick wären wir wieder bei den Brillen.

  • Kontakt zu der Helferin: dorothe.hilse@web.de
  • Ein öffentlicher Vortrag über ihre Erlebnisse in Afrika im Rahmen der Übergabe der Brillenspenden in Mardorf findet am Donnerstag, 30. Juli, um 13 Uhr im Schwesternhaus des Amöneburger Stadtteils Mardorf in der Marburger Straße 12 statt.

von Nadja Schwarzwäller

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