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Ein Hauch des Rebellischen bleibt

Serie "Körperkulte", Teil 3 Ein Hauch des Rebellischen bleibt

Die bunte, vielfältige Körpermodifikation ist im Mainstream angekommen und erfreut sich großer Beliebtheit als Ausdruck der Selbstdarstellung und eigenen Originalität.

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Sebastian Habura ist stolz auf seine Tattoos.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Die Begeisterung für die vielfältigen, teils schreiend bunten, ausgefallenen oder kuriosen Motive als dauerhafter Körperschmuck hat nur wenig abgenommen. Dafür legen sich Fans gerne unter die schmerzhafte Nadel, sind Tattoos doch auch individualisierbares Mittel, aus dem Mode-Mainstream hervorzustechen.

Eben das möchte auch Tattoo-Fan Sebastian Habura aus Stadtallendorf: „Ich stehe gerne im Mittelpunkt, und Tattoos fallen eben auf, aber ästhetisch müssen sie schon sein“, erklärt der 36-Jährige offen.

Dabei wird der abwechslungsreiche Körperschmuck immer salonfähiger, hat sein „Bad-Boy-Image“ verloren - „nur Seemann oder Knast ist nicht mehr“, weiß er.

Doch ein Hauch des Rebellischen, des kleinen Wilden, der sich mit einem individuellen Motiv hervorhebt, ist noch vorhanden. „Ich war immer jemand, der nicht mit dem Strom schwimmen will - ein Tattoo ist einzigartig, persönlich und einfach etwas anderes.“

Vor 15 Jahren entdeckte Sebastian seine Begeisterung für den farbenfrohen Hautschmuck, hat diese bis heute nicht verloren. An Armen und Beinen zieren zahlreiche farbige Sterne, eine kunstvolle Schneeflocke und ein breites Tribal seinen Körper. Jedes Bild hat eine eigene Bedeutung, eine eigene Geschichte für den Träger.

Liebevoll betrachtet Sebastian die Namen seiner beiden Söhne Elias und Noah am Oberarm, blickt stolz auf die besonders aufwendig gestalteten Stamm-Motive aus der Symbolik des Maori-Volkes.

Zahlreiche Stunden hat er dafür bereits unter der Nadel verbracht - mit sich fertig ist er dabei noch lange nicht, „auf dem Arm ist noch viel Platz“, stellt er mit einem Grinsen fest. Auch der Oberkörper ist bereits verplant, weitere Hautpartien können gerne folgen.

„Ich mache dasvor allem für mich selbst“

Doch sich zu vorschnell stechen lassen, will er nicht, „ich überlege mir die Motive ganz genau, ich bin gerne ein Blickfang, aber mache das vor allem für mich selbst“, erklärt er. Die Schneeflocke hat Sebastian gemeinsam mit seiner Schwester konzipiert, sie erinnert ihn immer an sie. Das verschlungene Tribal ist gezielt auf seiner linken Wade platziert - das ist das Sprungbein des begeisterten Basketballers, fand daher „als Ritual und Glücksbringer“ diesen besonderen Platz. Es war sein erstes Tattoo, schnell wurde Sebastian klar, dass dieses nicht reicht. „Es ist eine große Leidenschaft, wenn du einmal eins hast, willst du entweder mehr oder hörst ganz auf.“

Für Sebastian ist die tätowierte Haut „ein Schönheitsideal, es ist eine Kunst, spiegelt den Charakter wider und einfach ein bequemer Körperschmuck“. Schließlich muss man die Farbe in der mittleren Hautschicht nicht weiter pflegen.

Im Gegensatz zu eher konservativen Arbeitsbereichen kommen seine Tattoos ihm auch beruflich ein wenig zugute: Sebastian ist Streetworker in Stadtallendorf, betreut und kümmert sich um zahlreiche Jugendliche ohne Perspektive in Beruf oder Alltag. Sein auffälliger Körperschmuck kommt dabei besonders gut an bei der jungen Generation, verschafft ihm zum Teil einen besseren Zugang und Kontakt zu seinen Jungs und Mädels, weckt erste Aufmerksamkeit. Darauf zielt er zwar nicht ab, aber es ist „ein netter Nebeneffekt“.

„Gesicht, Halsund Hände sind tabu“

Anders reagieren da wiederum manche Eltern, mit ein Grund warum Sebastian alltagstauglich bleibt, stets sichtbare Körperbereiche lieber auslässt. „Gesicht, Hals und Hände sind tabu, das ist zu auffällig und provokativ“, erklärt er. Im Gegensatz zu so manchen Tattoo-Fans, die sich teils den gesamten Körper mit den verschiedensten Motiven bestechen lassen, soll es für ihn „nicht ausarten und noch ästhetisch aussehen“. Bei allem Kultstatus ist ihm die Flexibilität wichtig: „ich bin nach außen geschmückt - aber wenn ich es will“.

von Ina Tannert

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