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Ein Happy End für Mario und Daisy

Super Mario für Spätzocker Ein Happy End für Mario und Daisy

Eine ganze Kindheit ohne Gameboy? Da gibt es einiges nachzuholen. Unsere Redakteurin hat es versucht - mit knapp 30 Jahren will sie den Klassiker Super Mario Land einmal komplett durchspielen.

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Ist es möglich, Super Mario Land ganz durchzuspielen – auch wenn man als Kind keinen Gameboy hatte? OP-Redakteurin hat es versucht... und war am Ende so besessen von ihrem Ziel, dass sie sogar von Mario träumte.

Quelle: Montage: Pavlenko

Marburg. Ich springe auf einen Kamin, weiche einem Geschoss aus, hüpfe auf einen Pilz und sammle die Münzen über mir ein. „Diesmal klappt es“, denke ich. „Diesmal habe ich einen Lauf.“ Ich trage eine blaue Latzhose, eine rote Schirmmütze und einen Schnäuzer. Ich bin Super Mario und kämpfe mich im gleichnamigen Spiel durch Level sieben.

Mit knapp 30 habe ich mir zum ersten Mal in meinem Leben einen Gameboy gekauft und versuche jetzt, „Super Mario Land“ wenigstens einmal bis zum Ende durchzuspielen. Zwölf Level, vier Endgegner, unzählige Feinde und ein Ziel: Prinzessin Daisy aus den Klauen des Außerirdischen Tatanga zu befreien.

In den 80er- und 90er-Jahren wuchsen ganze Generationen mit dem Gameboy von Nintendo auf - nur ich nicht. „Warum hatte ich eigentlich nie einen Gameboy?“, frage ich meine Mutter. „Wir haben bewusst versucht, elektronisches Spielzeug von dir und deiner Schwester fern zu halten“, sagt sie. „Aber ihr habt euch auch nie einen Gameboy gewünscht.“

Bisheriger Rekord: Level 3

Dann muss ich das jetzt eben nachholen. Für heutige Maßstäbe ist der graue Gameboy ein richtiges Ungetüm. Ein Klotz. Doch als ich ihn das erste Mal anschalte, das Nintendo-Logo erscheint und ein leises „Pling“ ertönt, werden sofort Kindheitserinnerungen wach. Denn natürlich habe ich damals nach der Schule bei einer Freundin auch Gameboy gespielt. Weiter als bis ins dritte Level habe ich es mit Mario aber nie geschafft.

Erstaunlicherweise scheinen sich meine Finger auch nach 20 Jahren noch an die Tastenkombinationen zu erinnern. Schnell habe ich wieder raus, wie ich springe und mich ducke, wie ich auf Gegner schieße und dabei so viele Punkte wie möglich sammele. Die ersten Level stellen keine große Herausforderung dar. Erst am Ende von Level drei wird es das erste Mal knifflig - den ersten sogenannten Endgegner habe ich als Kind nie bezwungen. Und auch diesmal fällt es mir schwer: Ich kann ihn einfach nicht besiegen. Erst nach zwei Tagen habe ich es raus, wenigstens unter ihm durchzurennen und das Level so zu beenden.

Die nächsten Level sind mal leichter, mal schwieriger. Manchmal hänge ich tagelang an ein und derselben Stelle fest, doch stets ist zumindest ein kleiner Fortschritt zu erkennen. Bis ich Level zehn erreiche. An einer Stelle komme ich einfach nicht weiter. Mehr als eine Woche lang versuche ich es. Vergeblich.

Hilfe vom Profi

Ich rufe den Gameboy-Experten Kevin Jensen an. Der 30-Jährige arbeitet heute bei einem Elektronikunternehmen in Jena. Als Student hat er mit Freunden die Internetseite planetgameboy.de aufgebaut - ein Netzwerk für Gameboy-Spieler und Fans. „Der Frust-Faktor kann enorm hoch sein“, gibt er zu, „gerade beim Gameboy der ersten Generation, bei dem man das Spiel nicht zwischendurch abspeichern kann, und immer wieder von vorne beginnen muss. Ich habe das immer als Herausforderung gesehen und gedacht: Wenn andere das können, muss ich es doch auch mal schaffen.“

Und was mache ich jetzt, um diese knifflige Stelle zu knacken? „Versuchen Sie es nicht auf Teufel komm raus. Wenn man festhängt, ist man oft viel zu fixiert und verbissen. Da hilft nur, den Gameboy auszuschalten, Sport zu machen oder ein Buch zu lesen, und es später noch einmal zu probieren.“ Und wenn das auch nicht hilft? „Dann können Sie sich immer noch auf Youtube anschauen, wie man an der Stelle weiterkommt“, sagt Jensen und lacht. „Je mehr Sie spielen, desto besser werden Sie aber auch“, macht er mir Mut.

Das also ist Frust

Nach diesem Gespräch bin ich so entspannt und unverkrampft wie möglich - und mache so viele Fehler, wie noch nie. Ich denke: „Klappt ja prima“ - und habe mich trotzdem irgendwann bis ans Ende gespielt. Doch der letzte Endgegner - eine Wolke - hat es in sich. Hier gehen fast alle meine Leben drauf, bis ich ihn irgendwann besiege. „Das war’s?“, denke ich. „Fertig?“ Weit gefehlt. Plötzlich taucht Tatanga in seinem Raumschiff vor mir auf, und schießt gleich mehrere Feuerbälle auf mich. Schon der erste Ball trifft mich. Gegenwehr? Fehlanzeige. Und es kommt noch schlimmer. Es war mein letztes Leben. Game Over. Das also ist der Frust, von dem Jensen gesprochen hat. Ich werde es nie schaffen.

Doch schon am nächsten Tag die Wende: Ich schaffe es nahezu problemlos bis zur Wolke und habe genug Leben, um auch sie irgendwann zu erledigen. Und dann? Entweder bin ich entspannt genug, vielleicht hat die Pause über Nacht geholfen. Vielleicht rechne ich aber auch einfach nicht damit, Tatanga tatsächlich zu besiegen. Wie auch immer: Gleich im ersten Anlauf gelingt es mir. Tatanga verzieht sich, Mario und Daisy fallen sich in die Arme. Während ich mit zitternden Händen mein Handy hole, um ein Beweisfoto zu schießen, und einen Freund anrufe, um ihm „Ich habe es geschafft!“ ins Ohr zu schreien, erscheinen auf dem Display die Worte, auf die ich so lange hingespielt habe: „The End“.

Hintergrund
Super Mario Land ist neben Tetris der Klassiker unter den Gameboy-Spielen. Ziel des Spiels ist es, die entführte Prinzessin Daisy zu befreien. Dazu muss Mario zwölf Level durchlaufen, alle lauernden Gefahren und Gegner bezwingen und am Ende jedes dritten Levels auch noch den sogenannten Endgegner besiegen. Dabei kann Mario außerdem Münzen, Pilze und Blumen einsammeln, die ihm zusätzliche Leben oder besondere Fähigkeiten verleihen. Der Gameboy kam 1989 in Japan auf den Markt, er war die erste tragbare Spielekonsole. Heute hat er sich über 100 Millionen Mal verkauft. (mar)

von Maren Schultz

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