Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Gott, der für alle Kinder da ist

Interreligiöser Gottesdienst Ein Gott, der für alle Kinder da ist

Die Erstklässler der Astrid-Lindgren-Schule feierten einen gemeinsamen Gottesdienst für Christen und Muslime zum Schulstart.

Voriger Artikel
„Jetzt kriegen wir hier Basarstimmung“
Nächster Artikel
Kostenlose Energieberatung am Richtsberg

Asim Alquasaibi (von links), Asmah El-Shabassy, Steffi Nawin und Ulrich Kling-Böhm vermittelten mit Handpuppen den Kindern, dass sie keine Angst zu haben brauchen, weil Gott immer bei ihnen sei.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Fröhlich und ohne Berührungsängste ging es beim „Interreligiösen Einschulungsgottesdienst“ zu. Etwa 170 Kinder evangelischer, katholischer sowie muslimischer Religionszugehörigkeit sangen gemeinsam, klatschten dabei in die Hände, hoben und schwenkten sie bei Liedern wie „Gottes Liebe ist so wunderbar“.

Zum Beten des Vaterunser standen allerdings nur die christlichen Kinder auf und sprachen die Worte mit dem evangelischen Pfarrer Ulrich Kling-Böhm und der katholischen Religionslehrerin und Klinikseelsorgerin Jutta Jahn. Die muslimischen Kinder standen danach auf, um mit Asim ­Alquasaibi, Imam der Islamischen Gemeinde, die erste Sure des Koran auf Arabisch aufzusagen.

Zuvor hatte es, nach der Begrüßung durch Schulleiterin Claudia Herwig, ein anschauliches Spiel mit zwei Handpuppen gegeben, die der Situation der Erstklässler nachempfunden war. Asmah El-Shabassy von der islamischen Gemeinde hauchte dem etwas mutigeren Hammo Leben ein, Steffi Nawin der ängstlichen Bille, die sich beispielsweise Gedanken darum machte, ob man sich auf dem großen Schulgelände nicht verirren und den Klassenraum nicht wieder finden könnte.

Pfarrer Kling-Böhm versicherte Bille, dass sie nicht allein sei. Gott sei immer bei ihr, auch auf dem Schulweg, der am Richtsberg schon mal durch den Wald führen könne. Selbst wenn man Gott nicht sehe, so könne man ihn spüren, und Symbole wie Kreuz, Krippe oder Kerzen erinnerten daran, dass Gott da sei. Imam Alquasaibi sagte, im Koran heiße es, Gott sei uns näher als unsere Halsschlagader. Er höre alles, wenn wir ihn rufen, keiner brauche Angst zu haben, weil Gott immer bei uns sei.

Neben den neu eingeschulten Kindern, in diesem Jahr 83, waren auch Zweit- und Viertklässler beim Gottesdienst dabei. An der Astrid-Lindgren-Schule gibt es jahrgangsübergreifende Klassen, die älteren Schüler sind Schulpaten für die Erstklässler. Acht Viertklässler lasen Fürbitten für die Schulanfänger vor, baten beispielsweise darum, dass sie keine Angst haben und schnell Freunde finden sollen. Zum Abschluss des Gottesdienstes erbaten Kling-Böhm, Alquasaibi und Jahn Gottes Segen für die Kinder, die Eltern und die Lehrer. Zur Erinnerung bekamen die Erstklässler die auf Ansteck-Buttons mit dem Schullogo gedruckten Fürbitten geschenkt.

Es war nach der Premiere im Vorjahr der zweite Gottesdienst in dieser Art in Marburg. Das Projekt der Astrid-Lindgren-Schule in Kooperation mit der islamischen Gemeinde und der Thomaskirche, einen gemeinsamen Gottesdienst für Christen und Muslime zum Schulstart unter dem Motto „Ich gehöre mit dazu!“ anzubieten und so kulturellen Austausch und den Abbau von Klischees zu fördern, hatte in diesem Jahr die Jury des sechsten Marburger Integrationswettbewerbs „Move It - Integration bewegt“ überzeugt. Im Juli war es unter acht Projektbeiträgen mit dem mit 600 Euro dotierten ersten Preis ausgezeichnet worden. Fast die Hälfte der Schüler an der Astrid-Lindgren-Schule seien muslimische Kinder, sagte Schulleiterin Herwig.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr