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Ein „Fundamental-Theologe“ im besten Sinne

Professor Joachim Negel Ein „Fundamental-Theologe“ im besten Sinne

Professor Joachim Negel hat sich am Sonntag in der überfüllten Kugelkirche von seiner Gemeinde verabschiedet. Negel ist an die renommierte Theologische Fakultät der Universität Fribourg/Schweiz berufen worden.

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Joachim Negel und die Künstlerin Ursula Dorn, Vorsitzende des Kugelkirchen-Pfarrgemeinderates.

Quelle: privat

Marburg. Professor Negel war als Dozent für Fundamental-Theologie und Religionsphilosophie 2009 nach Marburg gekommen und hatte durch seine fundierte und inspirierte Lehre viele begeisterte Hörer gewonnen. „Kaum weniger begeisternd waren seine Predigten, die ihm neben hoher Aufmerksamkeit auch eine außergewöhnlich große Anerkennung verschafften“, schreibt Dr. Klaus Dorn vom Katholisch-Theologischen Seminar der Philipps-Universität in seiner Laudatio.

In seiner Auslegung der Bibel gelang es ihm, neue Horizonte zu öffnen. Er verstand es, Philosophie, Literatur und Kunst mit der Theologie ins Gespräch zu bringen, ohne dabei die Lebenswirklichkeit aus dem Blick zu verlieren: „Die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt“ - dieses Wort von Joseph Beuys, das Negel in einer seiner Predigten zitierte, war ihm mehr als ein Bonmot. Vielmehr suchte er eine spirituelle Dimension in den alltäglichen Lebensvollzügen sichtbar zu machen und sie zu befragen auf den „unergründlichen Grund hin, auf dem alles Leben beruht“.

Mit seiner eindringlichen und zugleich glaubwürdigen Art, die Liturgie zu feiern und zu predigen, hat er das geistliche Leben der Gemeinden, in denen er tätig war, entscheidend mitgeprägt - neben der Kugelkirchengemeinde wirkte er auch in Frohnhausen und Lohra.

Ökumene-Dezernent

Fundament und Quelle seines seelsorgerischen Wirkens waren seine ambitionierten und intensiv betriebenen wissenschaftlichen Forschungen. Seine Arbeit zur Hermeneutik der Offenbarung, mit der er sich an der Universität Münster habilitiert hatte, fand nicht nur in der Theologie, sondern auch interdisziplinär eine breite Rezeption und hohes Lob. Die Weite seiner wissenschaftlichen und literarischen Interessen befähigten ihn in besonderer Weise zum Austausch mit anderen Fächern und zum Dialog mit anderen Konfessionen.

Seit 2010 war Negel Ökumene-Dezernent und Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Diözese Fulda und seit 2012 Vorsitzender der Gemeinsamen Konferenz der Catholica-Beauftragten der Evangelischen Landeskirchen Hessens und der Ökumene-Referenten der Hessischen Bistümer. Mit dem Fachbereich Evangelische Theologie der Philipps-Universität veranstaltete er gemeinsame Projekte, unter anderem eine hochkarätig besetzte Vorlesungsreihe „Urkatastrophen“, die nach den Folgen des Ersten Weltkriegs für die Theologie fragte. Professor Negel habe in Marburg als „Fundamental-Theologe“ im besten Sinn gewirkt, ob in Hörsälen oder Kirchen, in Pfadfinderlagern als Kurat oder in Kneipen, schreibt Dr. Dorn: „In den Gemeinden ebenso wie in der Theologie gibt es viel Dankbarkeit dafür, ihn als Lehrer, Kollegen, Seelsorger und Freund erlebt zu haben, aber auch ein großes Bedauern darüber, dass es nicht möglich war, ihn der Marburger Theologie zu erhalten.“

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