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Ein Forschungs-Paradies am Fuße der Altstadt

Sprachatlas-Eröffnung Ein Forschungs-Paradies am Fuße der Altstadt

Der Sprachatlas hat eine neue Heimat: Sprachwissenschaftler der Universität Marburg sind dort jetzt vereint.

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Professor Joachim Herrgen (rechts) freute sich mit Professor Jürgen Erich Schmidt (Zweiter von rechts) über ein Geschenk, das Buch „Regionale Variationen des Deutschen“, das die Herausgeber (von links) Professor Alfred Lameli, Professor Roland Kehrein und Professor Jürg Fleischer (nicht im Bild) ihnen widmeten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Aus vier Standorten wurde einer: Der für 10,5 Millionen Euro errichtetet Forschungs-Bau auf den Gelände der ehemaligen Brauerei wurde am Freitag feierlich eröffnet. Finanziert wurde die Errichtung des Gebäudes aus Mitteln des hessischen Hochschulbauförderprogramms Heureka und des Bundes. Es war der erste größere Hochschul-Neubau in der Marburger Innenstadt nach 49 Jahren. Damals, im Jahr 1967, war die Philosophische Fakultät an der Stadtautobahn fertiggestellt worden.

Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause hatte noch einen weiteren Grund zur Freude: Denn erstmals hatte die Marburger Universität im Rahmen der Teilbauautonomie die Bauherreneigenschaft für ein Projekt dieser Größenordnung übernommen.

Wissenschaftsminister Boris Rhein (von links), Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause, Landrätin Kirsten Fründt, Professor Jürgen Erich Schmidt, OB Dr. Thomas Spies und Finanzminister Dr. Thomas Schäfer während der Einweihung.

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Die Präsidentin der Marburger Universität gerät selten ins Schwärmen und auch Lob verteilt sie gar nicht so häufig. Doch am Freitag sprach Professorin Katharina Krause den Marburger Sprachwissenschaftlern im mit bester Akustik ausgestatteten neuen Vortragssaal im Sprachatlas-Gebäude ausdrücklich ihre Glückwünsche für das Erreichte aus. In Anwesenheit von zwei Ministern aus Wiesbaden wurde das neue Gebäude für den Deutschen Sprachatlas eröffnet.

Die Vorplanungen hatten mehrere Jahrzehnte in Anspruch genommen. Es sei vor allem dem Mut und der Beharrlichkeit der beteiligten Wissenschaftler, aber auch der richtigen Förderprogramme sowie einer geschickten Berufungspolitik und eines andauernden Interesses der Studierenden zu danken, dass es nun zu der Einweihung des Baus gekommen sei, sagte Krause.

Die Zeit der feuchten
 Keller ist vorbei

Mit seiner Zustimmung habe der Wissenschaftsrat das am Freitag eingeweihte Gebäude in den „Olymp der Hochschulbauten“ – also in die Kategorie Forschungsbau – gehoben, sagte Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU). Die Bausumme von rund 11 Millionen Euro sei gut angelegtes Geld, betonte Rhein. Gefördert werde damit das älteste sprachwissenschaftliche Forschungszentrum der Welt, das einen exzellenten Ruf genieße. Der Neubau sei für die Hochschule auch deswegen von besonderer Bedeutung, weil er zur nationalen und internationalen Profilbildung der Marburger Universität beitrage.

Vorbei sind nun seit Freitag auch offiziell die Zeiten, in denen die wertvollen Dokumente aus der Zeit des Institutsgründers Georg Wenker (1852 bis 1911) noch in feuchten Kellern im alten Sprachatlas-Haus am Hermann-Jacobsohn-Weg lagerten. Die bisher auf vier Standorte in der Stadt verteilten Sprachwissenschaftler der Universität haben jetzt seit dem Semesterbeginn vor wenigen Wochen ein gemeinsames Haus, in dem sie viel mehr Austausch haben als früher.

So sprach auch Professor Jürgen Erich Schmidt, der Sprachatlas-Direktor, begeistert von einem neuen „Forschungs-Paradies am Fuße der Altstadt“. Für die wissenschaftliche Arbeit in dem Forschungsgebäude gebe es jede Menge an Plänen. So stehe die Sprachwissenschaft an der Schwelle zu einem großen wissenschaftlichen Durchbruch, an dem sich auch die Marburger Forscher entscheidend beteiligen wollten, erläuterte Schmidt. So gehe es in mehreren Forschungsprojekten jetzt darum, noch genauer zu entschlüsseln, wie die menschliche Sprache entstehe und wie es zu Sprachwandel komme.

„Die Forschungsbedingungen könnten nicht besser sein“, freute sich der Sprachatlas-Direktor. Einen kleinen Einblick in die neuen Räume erhielten die geladenen Gäste bei Führungen durch das Haus. Besichtigt werden konnten die hochmoderne neue Bibliothek sowie die großzügig gestalteten Räume, in denen die historischen Materialien wie spezielle Sprachkarten der Marburger Sprachforschung jetzt ihre neue Heimat gefunden haben. Zudem zeigten auch die Neurolinguisten in dem soeben aufgebauten EEG-Labor, wie bei Testpersonen in einer schalldichten Kabine die Hirnströme gemessen werden, während sie Sprachtests bewältigen.

von Manfred Hitzeroth

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