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Ein Flughafen mit zwei Terminals

UKGM-Neujahrsempfang Ein Flughafen mit zwei Terminals

Die Kliniken Gießen und Marburg werden sich in den nächsten Jahren deutlicher voneinander unterscheiden. Beim Neujahrsempfang auf den Lahnbergen war von Schwerpunktbildung ohne Eigeninteressen die Rede.

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 UKGM-Chef Martin Menger sprach vor rund 120 Besuchern des Neujahrsempfangs.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Geschwister, aber keine Zwillinge: Das seien die beiden Uni-Kliniken Gießen und Marburg, sagte die Marburger Uni-Präsidentin Professor Katharina Krause. Geschwister, die je eine eigene Rolle in der Familie haben, aber untrennbar vereint bleiben. Beim gemeinsamen Neujahrsempfang des Fachbereichs Medizin und des Universitätsklinikums Marburg  thematisierte auch die Geschäftsführung der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH die Rolle der beiden Klinik-Standorte. Anlass dafür bietet die Chronik: Vor zehn Jahren fusionierten die beiden Kliniken Gießen und Marburg zum UKGM.

UKGM Neujahrsempfang 2015. Foto: Thorsten Richter (thr)

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Das UKGM ist das erste privatisierte Uni-Klinikum in Deutschland: Das Land Hessen verkaufte 2005 die beiden Klinika in einem Paket an  den Rhön-Konzern. Seitdem rissen regional und landesweit die öffentlichen Debatten über Sinn und Unsinn, Vor- und Nachteil der Privatisierung nicht ab. Martin Menger, Vorsitzender der UKGM-Geschäftsführung,  berichtete auch als Mitglied des Vorstands der Rhön-Klinikum AG, dass der Konzern seit 2006 mehr als eine halbe Milliarde Euro in neue Bauwerke, Maschinen und Instrumente sowie Personal in Mittelhessen investiert habe. Vom Land Hessen und den Politikern forderte Menger, sich stärker zum UKGM zu bekennen sowie mehr finanzielle Beteiligung bei künftigen Investitionen.

Der Staatssekretär im hessischen Wissenschaftsministerium Ingmar Jung konnte den Marburger Medizinern am Mittwoch allerdings keine Finanzspritze versprechen. Unabhängig von der Förderung des Landes ist für Menger klar, dass das UKGM nur als Einheit gesehen werden darf. „Es gibt ein Uniklinikum in Mittelhessen, eine Marke, die an zwei tollen, starken Standorten mit Leben erfüllt wird.“ Patienten beider Häuser müssten erwarten, dass für sie „die geballte medizinische Kompetenz“ zur Verfügung stehe. Wer andere Diskussionen führt oder Gerüchte streut, der schadet dem UKGM“, so Menger vor rund 120 Gästen. Ähnlich äußerte sich auch Medizin-Dekan Professor Helmut Schäfer.

Werner: Vergleiche beider Standorte hinken immer

Deutlicher wurde der Ärztliche Geschäftsführer Professor Jochen A. Werner. Es sei nach zehn Jahren dringend an der Zeit, zu akzeptieren, dass das UKGM eine Einheit ist. Werner sprach von Schwerpunktbildungen, die mit Leben gefüllt werden müssten. „Die immer wieder praktizierte, fast schon wettbewerbsartige Gegenüberstellung zweier grundsätzlich verschiedener Standorte“ müsse gestoppt werden – „im Zweifel auch gegen lokale Widerstände“.

Werner gab damit indirekt den Kurs vor: Beide Kliniken werden sich künftig durch weitere Schwerpunktbildungen voneinander unterscheiden, Vergleiche werden daher immer hinken. Eigeninteressen zurücknehmen und das Ganze sehen: Dafür plädierte Werner. „Erst wenn wir danach handeln, werden wir bundesweit als drittgrößtes Klinikum sichtbar sein, was wir heute nicht sind. Momentan mögen sich manche so fühlen, wahrgenommen aber werden wir so noch nicht. Behindert wird die Sicht durch Nebelschwaden, und dies im Norden Mittelhessens stärker als im Süden.“

Damit griff Werner die – unterschiedlichen – Kritiker aus Marburg an, aber blickte auch selbstkritisch auf das UKGM-Profil: Die Geschäftsführung erwähnt stets, dass das UKGM das drittgrößte Klinikum ist. Werner verglich das UKGM mit einem Flughafen, das zwei Terminals hat und die Chance, ein drittes zu bekommen. „Dies ist ein weit verzweigt angelegtes Terminal, viele kooperierende Praxen und auch Kliniken anbindend.“

Der mittelhessische Flughafen oder das Geschwisterpaar – je nachdem, welche Metapher man bevorzugt – wird ab dem Herbst auch einen Anbau oder Nachwuchs aus Heidelberg bekommen: Der Start des Patientenbetriebs am Partikeltherapiezentrum – ein Thema, das vorherige Neujahrsempfänge prägte – war am Mittwoch Anlass, um positiv in die Zukunft zu blicken.

von Anna Ntemiris

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