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Ein Film über die Schrecken Marburgs

Die Hebamme Ein Film über die Schrecken Marburgs

Deutsche Fernsehfilme erzählen meist Geschichten aus Berlin, München oder Hamburg. Nicht so „Die Hebamme“. Der Spielfilm, der im kommenden Frühjahr im Fernsehen läuft, spielt in Marburg.

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Josefine Preuß ist mit der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ bekannt geworden. In „Die Hebamme“ spielt sie die junge Gesa im Marburg des Jahres 1799.

Quelle: Sebastian Kahnert

Marburg. Es ist das Jahr 1799. Gesa, 19 Jahre alt, kommt aus einem kleinen Dorf nach Marburg, um hier ihre Ausbildung zur Hebamme abzuschließen. Doch statt den Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern die Geburt so angenehm wie möglich zu machen, wird Gesa mit den Schrecken der medizinischen Forschung an der Schwelle zum 19. Jahrhundert konfrontiert. Im Gebärhaus der Stadt erlebt sie, wie der Professor seine Studenten an den lebenden Objekten unterrichtet - brutal, rücksichtslos und menschenunwürdig.

Autorin Kerstin Cantz mag Marburg sehr

Der Film „Die Hebamme“, der voraussichtlich im März auf Sat.1 ausgestrahlt wird, basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Kerstin Cantz (Foto: Agentur Scenario). Erschienen ist er im Jahr 2007. Cantz war damals auf die Habilitation der Marburger Volkskundlerin Marita Metz-Becker („Der verwaltete Körper“) gestoßen, die sich mit dem Geschehen im Marburger Gebärhaus und mit der Geburtsmedizin des 19. Jahrhunderts befasst. „Bis dahin hatte ich von der Existenz dieser Gebärhäuser noch nie gehört und fand das Thema sehr inspirierend“, erzählt Cantz. So kam es, dass Marburg zum Handlungsort von Cantz‘ Roman wurde.

Seitdem ist Cantz auch selbst hin und wieder zu Besuch in Marburg. „Im Zuge meiner Recherche war ich schon damals einige Male bei Prof. Metz-Becker. Ich habe von ihr viele wertvolle Informationen über die Geschichte der Stadt bekommen und da wir inzwischen gut befreundet sind, bin ich immer mal wieder in Marburg“, sagt Cantz, die heute in München lebt. „Ich mag die Stadt sehr gern und natürlich verbindet sie mich stets aufs Neue mit meinem ersten Roman.“

Elisabethkirche war ein sehr emotionales Motiv

Dass ihr Roman jetzt fürs Fernsehen verfilmt wird, darüber freut sich Cantz natürlich sehr. „Das ist ein großes Kompliment.“

Doch auch wenn der Film in Marburg spielt - gedreht wurde er hauptsächlich in Prag. „Das ist ganz normal“, bestätigt eine Sprecherin von ProSiebenSat.1. Filme würden sehr häufig nicht dort gedreht, wo sie spielten. „Prag wird als Drehort vor allem für historische Filme sehr gerne genommen“, sagt die Sprecherin. Daneben wurden einzelne Szenen auch in Bayern gedreht. Möglich sei jedoch, dass in der Produktion allgemeine Bilder und Einstellungen von Marburg reingeschnitten würden.

Cantz vermutet, dass die Entscheidung für Prag als Drehort eine Frage der Produktionskosten war. „Natürlich hätten mir bestimmte Szenen an Originalschauplätzen gefallen - die Elisabethkirche war für mich beim Schreiben ein sehr emotionales Motiv. Manches Andere allerdings existiert ja auch nicht mehr oder hat sich verändert. Das „Haus am Grün“ etwa, das erste Marburger Gebärhaus, das im Roman vorkommt, ist schon vor langer Zeit abgerissen worden.“ Ähnlich wie die Sat.1-Sprecherin ist auch Cantz aber davon überzeugt, dass Prag ein passender Marburg-Ersatz ist: „Ich bin überzeugt, dass es gut funktionieren wird.“

Aus 400 Seiten werden 90 Minuten Film

Obwohl Cantz auch selbst Drehbücher schreibt - in diesem Fall hat sie sich dagegen entschieden, am Drehbuch mitzuwirken. „Ich habe das Drehbuch nie gelesen - ich will mich von der anderen Sicht auf die Geschichte überraschen lassen“, erklärt sie. Natürlich fände sie es schön, den Kern dessen, was sie erzählen wollte, wiederzuerkennen. Sie wisse aber auch, dass viele radikale Entscheidungen getroffen werden müssten, um einen 400-Seiten-Roman auf 90 Minuten Film einzudampfen.

Insgesamt vier Millionen Euro soll die Produktion kosten. Dafür wartet sie auch mit bekannten Gesichtern auf: Neben Josefine Preuß - bekannt aus der ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ -, die die Hauptrolle übernimmt, ist auch Axel Milberg zu sehen. Milberg, den meisten Fernsehzuschauern als Tatort-Kommissar Klaus Borowski bekannt, schlüpft hier in die Rolle des skrupellosen Marburger Medizin-Professors Kilian. Produzent ist Oliver Berben, Regie führt Hannu Salonen.

von Maren Schultz

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