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Ein Feuerwerk aus kosmischem Staub

Sternschnuppen in der Perseiden-Nacht Ein Feuerwerk aus kosmischem Staub

Die Volkssternwarte Marburg, der Verein „Parallaxe und Sternzeit“ sowie Astronomen der Uni Marburg laden heute ab 21.30 Uhr auf die Burgruine Frauenberg ein zur Beobachtung eines beeindruckenden Naturschauspiels.

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Der Meteorstrom Perseiden erreicht heute Nacht seine höchste Aktivität.

Quelle: Jan Loske

Frauenberg. Schon seit 2000 Jahren betritt im August das alljährliche Naturschauspiel die Bühne des Himmels. In der Nacht vom 12. auf den 13. August, also zwei Tage nach dem Augustvollmond, erreicht der wohl bekannteste Meteorstrom, die Perseiden, seine höchste Aktivität. In den Nachtstunden kann man dann mehrere Dutzend Sternschnuppen pro Stunde beobachten, die ihren vermeintlichen Ursprung im Sternbild „Perseus“ haben. Aufgrund dieses Ursprungsortes am Himmel - auch als Radiant bezeichnet - erhielt dieser Strom den Namen „Perseiden“ und ist jährlich zwischen dem 17. Juli und dem 24. August beobachtbar.

Im Volksmund sind die Perseiden auch als „Laurentiustränen“ bekannt, so benannt nach dem Märtyrer Laurentius, der am 10. August 258 durch Folter zu Tode kam.

Zu Beginn des jährlichen Perseidenschauers sind nur vereinzelte Meteore und Sternschnuppen pro Stunde aus der Richtung des Radianten zu sehen, wobei sich ihre Anzahl bis um den 12. August deutlich erhöht und danach wieder abnimmt. In einer mondlosen Nacht kann die Maximalrate der Sternschnuppen, die man schon mit dem bloßen Auge gut erkennen kann, dann bei bis zu 100 Meteore pro Stunde liegen, so die Internationale Meteor-Gesellschaft. Da aber dieses Jahr die Nacht des Aktivitätsmaximums vom gerade abnehmenden Mond dominiert wird, schätzen die Astronomen 30 gut sichtbare Sternschnuppen pro Stunde.

Die Meteore der Perseiden sind kleine Staubpartikel, die mit Geschwindigkeiten von bis zu 59 Kilometern pro Sekundee unterwegs sind - das sind unglaubliche 212400 Stundenkilometer. Ein so schnelles Teilchen benötigt also knapp 11,5 Minuten, um die Erde zu umrunden und um von außen in die Erdatmosphäre einzudringen. Dabei leuchtet es - und dieses Leuchten nehmen die Menschen als Sternschnuppe wahr.

Zur Zeit der Perseiden dringt besonders viel Staub in die Erdatmosphäre ein - die Erde muss entlang ihrer Bahn eine sehr staubreiche Region durchqueren. Die Herkunft dieses Staubes wurde schon 1866 von dem italienischen Astronomen Giovanni Schiparelli mit dem nur vier Jahre zuvor entdeckten Kometen 109P/Swift-Tuttle erfolgreich in Verbindung gebracht. Dieser kurzperiodische Komet umläuft die Sonne. Sein sonnennaher Umkehrpunkt (Perihel) liegt dicht an der Erdbahn und sein sonnenferner Umkehrpunkt (Aphel) liegt sogar noch hinter der Bahn des Kleinplaneten Pluto.

Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er 133 Jahre - die Erdbahn kreuzte er zuletzt im Jahr 1992. Bei solch einer Kreuzung hinterlässt der Komet die Staubpartikelregion, die für die Perseiden verantwortlich ist und jährlich von der Erde im August „durchpflügt“ wird.

Das nächste Mal kreuzt 109P/Swift-Tuttle erst wieder im Jahre 2125 die Erdbahn und bis dahin wird die jährliche Maximalrate der Perseiden kontinuierlich abnehmen.

Hier der heutige Termin für alle Sternengucker noch einmal in Kürze: Die Mitglieder des Marburger Vereins „Parallaxe und Sternzeit“, der Volkssternwarte Marburg sowie Astronomen der Universität Marburg laden am heutigen Dienstag, 12. August, ab 21.30 Uhr auf die Ruine Frauenberg ein, um gemeinsam die Perseiden zu bestaunen. Mit verschiedenen astronomischen Instrumenten und Beobachtungsmethoden bringen die Fachleute den Besuchern den Meteorstrom und den nördlichen Sommernachthimmel näher. Die Teilnehmer sollten sich mit einer Jacke gegen die Nachtkälte rüsten. Bei Bedarf leistet eine Decke gute Dienste, um im Gras sitzend den Sternenhimmel zu genießen.

Weitere Infos gibt es im Internet unter: www.parallaxe-sternzeit.de

von Jan Loske

Unser Gastautor ist Mitglied der Astronomiegruppe an der Marburger Universität.

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