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Ein Einkommen zum Auskommen

Pleitegeschäft Milch Ein Einkommen zum Auskommen

Die heimischen Milchviehhalter bangen weiter um ihre Existenz. Der Grundpreis pro Kilogramm Milch hat mit 21 Cent seinen seit über zwei Jahrzehnten tiefsten Stand erreicht.

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Heimische Erzeuger wollen vom Milchverkauf wieder leben können – vor der Marburger Traditionsmolkerei trafen sich 30 Milchviehhalter aus dem Landkreis, um den bundesweiten Molkereiaktionstag zu unterstützen.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Zurzeit laufen Preisverhandlungen auf dem Milchmarkt, Grund für einen bundesweiten Aktionstag – auch in Marburg. Dieser fand am Dienstagabend fast unbemerkt von der Öffentlichkeit im Dunkeln statt – nach getaner Feld- und Stallarbeit, vor der Marburger Traditionsmolkerei in der Frauenbergstraße.

Lediglich ein paar brennende Fackeln wiesen darauf hin, dass sich die 30 Männer und Frauen vor dem Gebäude an einer Aktion beteiligten, zu der der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) bundesweite aufgerufen hatte. Anlass waren die derzeit laufenden Kontraktverhandlungen der Molkereien mit dem Lebensmitteleinzelhandel. „Einerseits wollen wir die Molkereien dabei unterstützen, andererseits aber auch dazu auffordern, erzielte Mehrerlöse auch vollständig an die Milchviehhalter weiterzugeben“, erklärte Dieter Müller, stellvertretender BDM-Landesvorsitzender aus Marburg.

Hilfsprogramm für die Milchviehhalter

Hintergrund ist, dass nach dem Wegfall der Milchquoten, die von den Erzeugern befürchteten Übermengen, den Preisverfall am Markt bewirkten. Auf Druck der Milchviehhalter wurde im Sommer ein europaweites Hilfsprogramm aufgelegt. Seit dem 1. Oktober werden Milchviehhalter entschädigt, die auf Antrag ihre Milchmengen reduzieren. Die Beteiligung ist hoch, das Programm nahezu ausgeschöpft. Somit hat sich die Marktlage aus Erzeugersicht verbessert.

Mindestens 40 Cent pro Kilogramm Milch fordert der BDM seit Jahren, um überhaupt in die Gewinnzone zu kommen. Selbst dann würde es noch Jahre dauern, um die bisherigen Verluste der Milchbauern auszugleichen, sagte Stefan Mann, stellvertretender Bundesvorsitzende des BDM aus Ebsdorfergrund. Davon ist man weit entfernt, stattdessen steigen die Anforderungen bezüglich Tierwohl, Umweltschutz oder Gentechnikfreiheit an die Milchviehhalter ständig, ohne dass die Mehrkosten ausgeglichen werden.

Zahl der Viehhalter von 356 auf 154 gesunken

Insbesondere die oft noch familiären, kleineren Betriebe im Landkreis bringt das in Schwierigkeiten. „Seit dem Streik von 2008 hat sich die Zahl der Milchviehhalter im Kreis von 356 auf 154 verringert. Von diesen haben nur noch 15 einen Nachfolger, der unter 30 Jahren alt ist und im Vollerwerb weitermachen will“, verdeutlichte Müller. Derzeit stünden die Pachtzahlungen an. Mittlerweile seien Milchbauern bei den Banken im Rating ganz nach unten gerutscht, sie erhielten selbst dann keine Kredite, wenn die Rückzahlung in Kürze gesichert sei.

„Es muss ein für alle anständiges Einkommen erreichbar sein, und das ist auch möglich. Milch und Milchprodukte sind auch nicht in dem Maße für Verbraucher billiger geworden, wie der Erzeugerpreis gesunken ist“, stellte Mann fest und machte deutlich, dass an anderer Stelle Gewinnvermehrung auf Kosten der Milchviehhalter und der Verbraucher stattfindet.

Am 10. Oktober wollen die Milchviehhalter im zweiten Schritt Geschäfte besuchen, die stellvertretend für die Handelsketten als Verhandlungspartner der Molkereien stehen.

von Manfred Schubert

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