Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Ein Eilantrag löst Emotionen aus

Stadtparlament Ein Eilantrag löst Emotionen aus

Ein bisschen Wahlkampf, ein wenig Landespolitik, ein paar Emotionen und ein historischer Moment. Die Marburger Stadtverordnetenversammlung hat einige Überraschungen parat gehabt.

Voriger Artikel
„Jeder Hund hat mehr Recht auf Raum“
Nächster Artikel
Schäfer leitet jetzt CDU-Kreisverband

Die Drei vom Magistrat: (v.l.) Egon Vaupel, Franz Kahle und Kerstin Weinbach sehen sich den Stadtverordneten gegenüber. Da gibt es so manche Aufgabe zu schultern, da ist auch mal ein breites Kreuz gefragt. 

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Was so ein Dringlichkeitsantrag nicht so alles auslösen kann. Da flattert vor Sitzungsbeginn ein orangefarbener Zettel auf die Tische. Matthias Range und Karin Schaffner, beide CDU, fordern die Stadtverordneten auf Druck auf die hessische Landesregierung auszuüben. Die Politik in der Debatte um die Schulformen G8 oder G9 sei fehlgeschlagen. Nun sollen Übergangslösungen für Gymnasien geschaffen werden, die künftig kein Turbo-Abitur nach acht Jahren mehr anbieten. Die jetzigen Fünft- und Sechstklässler sollen spätestens ab Klasse sieben nach G9 beschult werden, heißt es weiter.

Ein Vorstoß der Marburger CDU gegen die schwarz-gelbe Landesregierung, die die Schulreform durchgeboxt haben.

SPD-Fraktionschef Steffen Rink vermutet hinter dem Antrag vor allem eins: Wahlkampf für September, wenn der Landtag neu gewählt wird. Ein Satz, der Marburgs CDU-Chef Philipp Stompfe die Halsschlagader pulsieren ließ. Während Stompfe zunehmend hektischer seinen Kaugummi kaute, machte Rink weiter: „Ich finde den Antrag gut, die Motivation ist mir unklar. Laufen der CDU die Leute weg?“ Der Stand der Marburger CDU im Kreis sei umstritten. Schon bei der Debatte um das UKGM, bei der Marburger Partei gegen den Strom der Kreis-CDU schwamm, habe sich nichts bewegt. „So viel Einfluss können sie dann auch nicht haben.“ Angela Dorn, Stadtverordnete der Grünen, schlug eine ähnliche Richtung ein: „Wenn dieser Antrag Ort für parteiinternes Kräftemessen sein soll, finde ich das schade“, sagt die Spitzenkandidatin für die Landtagswahl. Der Antrag solle nicht nur in Marburg in die Versammlung eingebracht werden. Der Einfluss müsse auch in Wiesbaden geltend gemacht werden.

„An dem Spiel haben wir uns nicht beteiligt“

Das Wort hatte dann der CDU-Chef. „Den Zustand der Kreis-CDU konnten wir in der Zeitung lesen“, beginnt Stompfe. Zum Hintergrund: Die OP hatte ausführlich über Machenschaften im Hintergrund berichtet. „An diesem Spiel haben wir uns nicht beteiligt“, sagt Philipp Stompfe. Vielmehr seien es die Rückmeldungen von Familien, Freunden und Bekannten, die schlechte Erfahrungen mit G8 gemacht hätten, die zu diesem Antrag führten. „G8 ist grundsätzlich nicht falsch. Es wurden handwerkliche Fehler gemacht“, sagt der 28-Jährige. Dieses Thema sei zu wichtig, um damit Wahlkampf zu betreiben.

Mit konkreten Zahlen argumentierte Stadträtin Kerstin Weinbach. Alle drei Marburger Gymnasien hätten sich mehrheitlich dazu entschieden, zur alten Form mit Abitur nach neun Jahren zurückzukehren. „Was wir an Druck in die Familien geben mussten, das war es nicht wert.“ Für Begabte, die die Schule schneller abschließen könnten, gebe es Formen und Lösungen. Mit ein wenig Fantasie könne nun auch die Situation der Fünft- und Sechstklässler gelöst werden. Dem Dringlichkeitsantrag wurde einstimmig zugestimmt.

Bevor die Debatte emotionale Fahrt aufgenommen hatte, gab es einen historischen Moment im Stadtverordnetensaal. Zum ersten Mal sprach der Ausländerbeirat vor den Politikern, ließ ein aufregendes und arbeitsreiches Jahr Revue passieren und stellte seine Aufgaben im Detail vor. So vertritt das 15-köpfige Gremium in Marburg 6000 Ausländer, 2500 von ihnen sind Studenten.

140 verschiedene Sprachen werden in der Universitätsstadt gesprochen. Die Mitarbeiter um die Vorsitzende Goharik Gareyan-Petrosyan helfen Migranten bei Orientierung in einer ungewohnten Umgebung, begreifen Integration als Aufgabe und nicht nur als Wort und schaffen Verbindungen zwischen den Kulturen. „Für uns ist das heute ein wirklich großer Moment“, sagte die Vorsitzende. In einer unserer nächsten Ausgaben lesen Sie mehr über den Ausländerbeirat, seine Aufgaben, seine Ziele und seine Veranstaltungen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr