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Ein Blick hinter die Richterbank

Tag der offenen Tür Ein Blick hinter die Richterbank

Am 13. November lädt die Marburger Justiz zum Tag der offenen Tür. Staatsanwaltschaft, Land-, Amts- und Sozialgericht geben Einblicke in die Arbeit der Behörden.

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Am 13. November können die Besucher einen seltenen Blick hinter die Richterbank werfen und bekommen Einblicke in die Arbeit der hessischen Justizbehörden. Dr. Hans Heuser, Direktor des Sozialgerichts Marburg (von links), Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg, Landgerichtspräsident Dr. Frank Oehm und Wolfgang Petri, stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Marburg stellten das Programm vor.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Besucher können an diesem Tag einen informativen Blick hinter die Richterbank oder in die Präsenzzellen des Gerichts werfen, sich über Strafverfolgung, Strafvollstreckung oder moderne Tatmittel wie das Handy informieren. Als Highlight werden zahlreiche Stücke aus der übervollen Asservatenkammer versteigert.

Zwischen neun Uhr morgens und drei Uhr nachmittags laden zahlreiche Programmpunkte zu einem Besuch der Marburger Justiz ein. Neben tatsächlich an diesem Tag stattfindenden Zivil- und Strafsitzungen können die Besucher ein Schauspiel der Marburger Staatsanwaltschaft verfolgen. In diesem wird eine typische Strafsitzung nachgespielt, samt wichtigen Erläuterungen. In mehreren Vorträgen informiert die Behörde zudem über Straftaten per Internet, Cybermobbing und -Grooming, Sexting, Snuff-Videos und rechtliche Konsequenzen. Daneben werden Missbrauch von Alkohol, Drogen und „Legal Highs“, auch Badesalzdrogen genannt, thematisiert.

Rund um das Thema Pflegereform und Pflegeversicherung sowie Hartz IV berichtet das Sozialgericht. Rechtspfleger geben Einblicke in diverse Rechtsbereiche, durchleuchten unter anderem das Erb- oder Vereinsrecht, rechtliche Vertretung und informieren über Zwangsversteigerungen, Grundbuch und Insolvenzverfahren.Verschiedene Beratungs- und Betreuungsvereine, Eingliederungshilfen für Straftäter, der Marburger Anwaltverein sowie die Jugendkonflikthilfe Marburg stellen ihre Arbeit vor. Vor Ort vertreten ist ebenfalls die Polizei Marburg, die über die Aktion „BOB“ gegen Alkohol im Straßenverkehr informiert. Darüber hinaus finden Führungen durch die Präsenzzellen der Behörden und der Gefängnisausstellung statt.

Versteigerung von Beweisstücken

Als Highlight findet zwischen 13 und 15 Uhr eine Versteigerung von ausgewählten Asservaten statt. Die unterschiedlichsten, im Rahmen eines Verfahrens sichergestellten oder beschlagnahmten Gegenstände werden angeboten. Erfahrungsgemäß ein echter Publikumsmagnet für Schnäppchenjäger.

Landesweit werden am 13. November die hessischen Justizbehörden ihre Türen öffnen, auch jene, die normalerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. „Das wird für die Bevölkerung sehr interessant werden“, sagt Dr. Frank Oehm, Präsident des Marburger Landgerichts. In der Regel ziehen vor allem öffentlichkeitswirksame Prozesse aus dem Strafrecht die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf sich und werden medial behandelt – dabei ist die Justiz wesentlich breiter aufgestellt, „was wirklich alles passiert, bekommt der Normalbürger nicht mit, hat zum Teil ein falsches Bild von der Justiz“, sagt Oehm. Einblicke über den normalen öffentlichen Zugang der Rechtsprechung hinaus soll daher der Tag der offenen Tür bieten.

Spektakultärer Fall: „Der Kannibale von Rotenburg"

Bereits im Vorfeld findet als Auftaktveranstaltung am zehnten November ein Vortragsabend über den spektakulären Fall des sogenannten „Kannibalen von Rotenburg“ statt, der in die Kriminal- und Rechtsgeschichte einging. Im März 2001 tötete und zerlegte Armin M. aus Rotenburg-Wüstefeld einen Ingenieur auf dessen eigenen Wunsch, um ihn später zu verzehren. In erster Instanz wurde der Täter wegen Totschlags, in zweiter Instanz rechtskräftig wegen Mordes verurteilt. Im Jahr 2017 steht die Entscheidung über Haftfortdauer oder Strafaussetzung zur Bewährung an. Der damals zuständige Rechtsmediziner Professor Dr. Manfred Riße von der Justus-Liebig-Universität Gießen berichtet über die Tat unter dem Titel „Ein ambivalenter forensischer Fall – Bruch eines letzten Tabus“. Der Vortrag  findet am zehnten November um 19 Uhr im Schwurgerichtssaal des Marburger Landgerichts statt.

Das Programm zum Tag der offenen Tür ist über die Homepage des Marburger Amtsgerichts zu finden.

von Ina Tannert

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