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Eifersuchtsdrama endet mit einem milden Urteil

Aus dem Amtsgericht Eifersuchtsdrama endet mit einem milden Urteil

Aus Eifersucht setzte ein junger Mann seine Ex-Freundin und deren neuen Partner unter Druck, bedrohte, beleidigte und verfolgte das Paar, griff die Ex mehrfach an.

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Trotz Annäherungsverbot belästigte der Angeklagte seine Ex-Freundin und deren neuen Partner ­unter anderem am Telefon – wie hier auf diesem gestellten Foto.

Quelle: Tobias Hirsch (Archiv)

Marburg. Gleich wegen mehrerer Straftaten hatte sich der 30 Jahre alte Angeklagte zu verantworten. Er wurde wegen Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Verhandlung vor dem Marburger Strafgericht war der nachträgliche Höhepunkt eines anhaltenden Eifersuchtsdramas, das erst vor wenigen Monaten scheinbar zur Ruhe gekommen war. Nach der Trennung des Angeklagten von der Geschädigten im Frühling vergangenen Jahres kochten dagegen die verletzten Gefühle mehr als hoch: Nachdem er Nachrichten eines anderen Mannes in ihrem Handy gefunden hatte, griff der Angeklagte seine damalige Freundin wutentbrannt an. Mit den Worten „ich bringe Dich um, Du Hure“ zerrte er die schlafende junge Frau aus dem Bett, zerbrach ihr Handy und stieß sie durch die gemeinsame Wohnung.

Vor den Augen der gemeinsamen Tochter ergriff er zwei lange Küchenmesser, drohte der Mutter, sich an ihr und dem neuen Freund zu rächen.

Mit einem Schlagstock im Gepäck begab sich der aufgebrachte Mann sodann zur Marburger Wohnung des vermeintlichen Nebenbuhlers, der die Polizei verständigte.

Auch in den folgenden Wochen tauchte der Angeklagte unerwünscht bei beiden auf, wurde teils handgreiflich und bedrohte das Paar, folgte ihm provozierend mit dem Auto. Gegen das zeitweise gegen ihn verhängte Annäherungsverbot verstieß er, rief mehrfach an und beleidigte beide weiterhin am Telefon.

Vor dem Marburger Strafgericht gab der Mann den Großteil der Vorwürfe zu, nicht ohne einen Teil der Schuld auf das Paar abzuwälzen. Nicht nur er, auch die Ex habe sich nach der Trennung telefonisch gemeldet, sei zudem fremdgegangen, was ihn letztendlich zu den Taten bewegte, so der Beschuldigte. Eine klare Erinnerung an einzelne Übergriffe habe er nicht mehr, „es kann sein, dass ich das getan und gesagt habe - ich war in Rage, es war mir einfach zu viel“, gab der 30-Jährige schlicht zu.

„Er hat sich gebessert, ich kann ihn etwas verstehen“

Über Monate hinweg ließ er nicht von seinem Handeln ab, konnte die Sache scheinbar nicht auf sich beruhen lassen, verfolgte und drohte dem neuen Partner mehrfach mit dem Tod, wie dieser vor Gericht bestätigte. „Das war schon Telefonterror, ständig wurde ich beleidigt“, teilte der Zeuge mit. Doch mittlerweile habe der Angeklagte sein zerstörerisches Verhalten eingestellt, das Verhältnis sei heute friedlicher. „Er hat sich gebessert, ich kann ihn schon etwas verstehen“, zeigte der Zeuge Verständnis.

Dies bestätigte auch die junge Frau, die durch das gemeinsame Kind in regelmäßigem, meist friedlichen Kontakt mit dem Ex steht.

Die glaubhaften Aussagen der Geschädigten zugunsten des Täters stimmten auch Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer milde.

So einige Beteuerungen des Angeklagten über diverse gewalttätige Auseinandersetzungen konnte er nicht glauben, sah dabei jedoch auch „keine erheblichen Tatfolgen“.

Der gehörnte junge Mann sei regelrecht „übergekocht“, hinter seinen Taten stand „eine besondere Beziehungssituation“, so der Anklagevertreter, der sich für eine Geldstrafe für den nicht vorbestraften Mann aussprach.

„Seit über einem Vierteljahr ist Ruhe“, berief sich auch Verteidiger Thomas Strecker auf die mildernden Aussagen der Zeugen. Mit der Ex habe sich sein Mandant über das Sorgerecht geeinigt, die regelmäßigen Besuche verliefen normal, „die Situation ist befriedet“, betonte der Rechtsanwalt.

Strafrichterin Katharina Blumentritt folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Mann zu 80 Tagessätzen à 33 Euro. Für das Mitführen des Schlagstocks als Ordnungswidrigkeit hat er zusätzlich 500 Euro als Geldbuße zu zahlen.

„Ihre Gefühle sind übergekocht, das war zu viel von allen Seiten“, gestand die Richterin ihm zu. Auch aus diesem Grund sei eine Strafe „mit deutlichem Abschlag“ angebracht. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

von Ina Tannert

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