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Ehrung für einen, der „Tacheles redet“

Verdienstorden Ehrung für einen, der „Tacheles redet“

Landesfinanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) und Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) haben die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Heinz Wahlers (SPD) verliehen.

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Heinz Wahlers (Zweiter von rechts) hat die Bundesverdienstmedaille von Oberbürgermeister Egon Vaupel (links) und Finanzminister Thomas Schäfer entgegengenommen. An der Seite des Geehrten: Ehefrau Lisa Wahlers.

Quelle: Sabine Preisler / Stadt Marburg

Marburg. Seit 21 Jahren ist Wahlers Ortsvorsteher von Cappel, jahrelang war er Mitglied des Kreistags, brachte sich in vielen Ausschüssen und Kommissionen ein und initiierte die Gründung der Bürgerinitiative „Aktive Bürgerinnen und Bürger Cappels“ (ABC). All diese Aufgaben und Ämter habe er stets mit Herzblut und Überzeugung ausgefüllt, da ist sich Hessens Finanzminister Dr. Schäfer sicher. Doch Wahlers sei niemand, der Ämter sammle, nur um einmal mehr in der Zeitung zu stehen, sondern ein Mensch, der immer bereit sei, für seine Mitmenschen anzupacken.

„Du bist immer ehrlich. Du bist immer verbindlich. Du stehst immer zu deiner Meinung und redest Tacheles, sprichst unangenehme Dinge an, die andere nicht hören wollen. Dies ist ein Verhalten, das gerade in der Politik nicht alle an den Tag legen“, sagte Schäfer. Und er sei froh, diese Auszeichnung vornehmen zu können. Denn er habe schon als junger CDU-Kreistagsabgeordneter die liebenswürdige Direktheit des damaligen SPD-Kreistagsabgeordneten kennen lernen dürfen, was nicht immer zum politischen Vorteil seiner eigenen Partei gereichte, wie er schmunzelnd anfügte.

Wahlers: „Ich halte nicht viel von Orden“

Während der Vorbereitung auf seine Rede sei sich Schäfer gar nicht sicher gewesen, ob Wahlers den Orden überhaupt annehmen würde. Die Sorge schien nicht ganz unberechtigt, wie ein Gespräch mit Wahlers später zeigte. „Um ehrlich zu sein, ich halte nicht viel von Orden und vor der Verleihung hat mir die Aussicht auf ihn nicht viel bedeutet. Aber nun ist er doch ganz nett. Er ist für mich eine kleine Bestätigung, dass ehrenamtliches Engagement von den Menschen geschätzt wird.“ Wichtig sei es für ihn gewesen, dass der Vorschlag ihn zu ehren von Professor Siegfried Keil, dem Vorsitzenden der ABC-Bürgerinitiative kam.

Ob Wahlers 2016 noch einmal als Ortsvorsteher kandidieren werde, wisse er noch nicht. Dies hänge unter anderem von seiner Gesundheit ab. Spaß habe er aber nach wie vor an seiner Arbeit. Wie an allen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die er in seinem Leben ausgeführt habe. „Ich fand es immer wichtig, mich zu engagieren. Nicht nur in der Politik. Ich war früher Jugendhandballtrainer und habe jede Woche Kindern in der Grundschule vorgelesen. Das hat mir große Freude bereitet.“

Wochenendeinkauf wird zur Bürgersprechstunde

Seine Arbeit mit und für Jugendliche sowie sein Wunsch, Alt und Jung zusammenzuführen, wurde sowohl vom Oberbürgermeister als auch vom Staatsminister hervorgehoben. Als Mitarbeiter der Agentur für Arbeit mit dem Schwerpunkt Berufsorientierung für Jugendliche habe Wahlers viel für die Heranwachsenden getan, so Vaupel. „Als gestandener Mann, der mit dem Maurerhandwerk einen bodenständigen Beruf gelernt und dann als Zeitsoldat gedient hat, konnte Heinz viele Erfahrungen weitergeben und als Vorbild für die Jugendlichen dienen.“ Heute sei unter dem Stichwort demografischer Wandel wiederum soziales Engagement gefragt und auch dort könne man Wahlers wieder als Vorbild nennen.

Die Ortsvorsteher seien laut Vaupel als erste Ansprechpartner der Bürger immens wichtig und damit zusammen mit den Ortsbeiräten für das gute Funktionieren der Marburger Gemeinschaft verantwortlich. Geändert habe sich dieses Amt in den vergangenen 21 Jahren kaum, erklärte Wahlers. „Es ist vielleicht etwas intensiver geworden, weil mich die Leute besser kennen. So wird der Wochenendeinkauf gerne mal zur Bürgersprechstunde. Die Bürger haben immer mal eine Frage.“ Eine Last sei dies natürlich nicht, im Gegenteil, ihn freue das Interesse der Menschen.

Ein besonderes Lob hatten alle Redner für Lisa Wahlers. „Ohne die Familie im Hintergrund ist so ein Engagement überhaupt nicht möglich“, sagte Vaupel. Auch Wahlers selbst bedankte sich bei seiner Frau: „Ohne sie wäre das alles so nicht gekommen.“ Die bezeichnende Situation der Veranstaltung ereignete sich an deren Ende. Als der Applaus der vielen Anwesenden nach der Verleihung und den Grußworten nicht abebbte, schien das dem Geehrten fast schon unangenehm zu sein. Wahlers deutete eifrig in Richtung Sektempfang. Für ihn schien es nicht um den Orden oder die Ehrung seiner Person zu gehen, sondern um die Ehrung von ehrenamtlichem Engagement allgemein.

von Alexander Graf

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