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Ehrung für Menschen, die sich einmischen

Peter-Becker-Preis für Frieden- und Konfliktforschung Ehrung für Menschen, die sich einmischen

Rechtsanwalt Peter Becker hat den Preis gestiftet, der alle zwei Jahre verliehen wird. Zwei Hauptpreise und ein Nachwuchspreis wurden vergeben.

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Privatdozent Dr. Johannes M. Becker (Vorsitzender der Preiskommission), Professor Christopher Cohrs (Philipps-Universität Marburg), Professorin Susanne Buckley-Zistel (Geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Konfliktforschung), Professor Hans J. Giessmann von der Berghof Foundation, Nachwuchs-Preisträgerin Dr. Özden Melis Ulug (Amherst, USA), Preisträger Clemens Ronnefeldt (Internationaler Versöhnungsbund), der Stifter des Preises Dr. Peter Becker, die Präsidentin der Philipps-Universität Professorin Dr. Katharina Krause und Laudator Professor Ulrich Duchrow (Heidelberg).

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. „Vor dem Hintergrund der schwierigen Zeiten, die wir haben, ist die praktische Arbeit der Friedens- und Konfliktforschung umso relevanter“, sagte Professorin Susanne Buckley-Zistel, Geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Konfliktforschung. Oftmals komme diese jedoch zu kurz. Daher ehre der Peter-Becker-Preis Menschen, die sich „einmischen“, um ein Zeichen zu setzen.

Zwei Hauptpreise und ein Nachwuchspreis wurden am Freitagabend in der Alten Aula der Universität verliehen. Die von Rechtsanwalt Peter Becker gestiftete Auszeichnung wird ­alle zwei Jahre vergeben.

Einen der mit 2500 Euro ­dotierten Hauptpreise erhielt die Berghof Foundation mit Sitz in Berlin. Der Vorsitzende der Preiskommission, Privatdozent Dr. Johannes Becker, las die Laudatio von Professor Herbert Wulf aus Pinneberg vor, der verhindert war. Darin erklärte Wulf, dass die Stiftung sich in ihrer Arbeit nicht auf die Konfliktlösung konzentriere, sondern die Konflikttransformation.

Es gehe daher nicht nur darum, in Konflikten gewaltfreie Lösungen zu finden, sondern auch die Strukturen zu hinterfragen, die zu den Konflikten geführt haben. Dabei sei es das Ziel, solche aufzubauen, die Frieden ermöglichen.

Die Stiftung biete Unterstützung in Situationen, in denen bei den Konfliktpartnern ein Erschöpfungszustand erreicht sei, in dem sie keinen Ausweg mehr sehen würden. Dabei sei das Ziel: „Die vom Konflikt ­Betroffenen sollen ihn auf ihre Art ­lösen.“

Fluchtgründe sind Resultat westlicher Politik

Für diese „wegweisende Arbeit“ ehre der Preis die Berghof Foundation. Professor Hans Giessmann nahm ihn entgegen.

Der zweite Hauptpreis ging an den Theologen Clemens Ronnefeldt, Friedensreferent des ­Internationalen Versöhnungsbundes in Minden. Professor Ulrich Duchrow von der Universität in Heidelberg sagte in seiner Laudatio, es sei mutig, den Preis an einen systemkritisch arbeitenden Friedensforscher zu vergeben. Ronnefeldt habe beispielsweise geschrieben, der öffentliche Diskurs über die Flüchtlingskrise mache Opfer zu Tätern. Dabei seien die Gründe, die Menschen in die Flucht trieben, Konsequenzen westlicher Politik.

Seine politische Mobilisierung, interreligiöse Solidarität­ und mitfühlende Achtsamkeit seien nur einige der Gründe, die Ronnefeldt zu einem würdigen Preisträger machten. Er ­habe beispielsweise im Jugoslawienkrieg gemeinsam mit einer Gruppe von Friedensforschern Soldaten aufgefordert, den Kriegsdienst zu verweigern. Bei seiner Vernetzungs-Arbeit im Nahen und Mittleren Osten, im Kaukasus und auf dem Balkan beziehe er alle Ethnien, Religionen und Kulturen mit ein. Für seine Arbeit ließ er sich auch psychologisch ausbilden.

Den Nachwuchspreis erhielt die Psychologin Özden Melis Ulug von der University of Massachusetts Amherst/USA, die sich in ihrer Dissertation dem Kurdenkonflikt in der Türkei widmete.

Aufgrund der wissenschaftlichen Qualität und der aktuellen und politischen Bedeutung der Arbeit wurde die Psychologin geehrt.

von Freya Altmüller

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