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Ehrenamtliche fühlen sich ignoriert

Cappeler Camp Ehrenamtliche fühlen sich ignoriert

In einem offenen Brief üben vier Organisatorinnen des Deutschunterrichts für Flüchtlinge ­Kritik an der Schließung des Camps Cappel.

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Dieses Bild stammt aus einem Deutschkurs für Flüchtlinge in Marburg.

Quelle: Archivfoto: Nadine Weigel

Marburg. Der offene Brief, der auch der OP vorliegt, geht unter anderem an Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und die Marburger Stadtverordneten, aber auch an weitere lokale und regionale Politikakteure. Unterzeichnet ist er von Gabriele Borgemeister, Marita Gabrian, Barbara Reißland und Helga von Horlacher. Sie alle haben sich in den vergangenen Monaten als „Multiplikatoren für den Deutschunterricht“ darum gekümmert, dass es Deutschkurse für Flüchtlinge rund um das Camp Cappel im „Portal ­Gisselberg“ gab. Zudem haben sie auch selber Kurse gegeben.

Die am Mittwoch bekanntgewordene plötzliche Entscheidung des hessischen Sozialministeriums, Camp Cappel wie andere hessische Flüchtlingseinrichtungen zu schließen, stößt auf großen Unmut bei den Unterzeichnerinnen.

Portal Gisselberg sei Vorzeige-Erfolgsmodell der Stadt

„Die im zurückliegenden Sommer schnell und unbürokratisch geschaffenen Strukturen werden jetzt als Folge zurückgehender Flüchtlingszahlen nach und nach wieder geschlossen. Im Fall des Camps und des Portals Gisselberg wurde die Nachricht von der Schließung in einer Art und Weise kommuniziert, die den ehrenamtlichen Einsatz vieler Marburger Bürger komplett zu ignorieren schien“, heißt es in dem Offenen Brief.

Im Marburger Stadtteil Cappel seien auf vorbildliche Weise solide Holzhäuser gebaut worden, um bis zu 850 Menschen das Ankommen und das Warten auf neue Lebensgrundlagen zu erleichtern.

So finde bisher im Portal Gisselberg täglich eine rege Interaktion in Form von Sprachunterricht, Alltagstraining, Kinderbetreuung oder vielem anderen mehr statt, heißt es in dem Offenen Brief. Es sei also nicht vermessen, dabei von einem Vorzeige-Erfolgsmodell der Kooperation der Stadt Marburg und der Ehrenamtlichen zu sprechen.

Nun werde diesem allen aber durch den „lapidaren Beschluss der Landesregierung“ der Boden entzogen und das Camp Cappel geschlossen.

Aufforderung zum Engagement in der "Relocation"

Generell verfolgen die Unterzeichnerinnen „seit langer Zeit fassungslos und empört die menschenverachtenden politischen Schachzüge sowie die ­rapide Abnahme der Bereitschaft zur Flüchtlingsaufnahme“, und das auf Europa-, Bundes- und Landesebene. „In nahezu kafkaesken Stil werden Maßnahmen beschlossen und umgesetzt, ohne die Erfahrungen und Ideen anzuhören, geschweige denn einzubeziehen“, beschweren sich die Deutschkurs-Organisatorinnen. Aus ihrer Sicht scheine eine humanitäre Grundhaltung und die Einsicht, dass sozialer Frieden im Füreinander-Einstehen vor Ort gelinge, eher bei den „unkomplizierten, freudig einsatz­bereiten Ehrenamt­lichen“ zu bestehen.

Den Oberbürgermeister und die Stadtverordneten fordern die Unterzeichnerinnen des Briefes jetzt auf, sich in der Frage der „Relocation“ von Flüchtlingen nach Deutschland zu engagieren. Dabei gehe es vor allem darum, den in der Mai-Sitzung des Stadtparlaments gefassten Beschluss einzuhalten, 200 zusätzliche in Griechenland festsitzende Flüchtlinge in Marburg aufzunehmen.

„Wir möchten vor allem, dass man uns Ehrenamtliche einbindet, denn nur so ist es echte Bürgerbeteiligung“, appellieren die Unterzeichnerinnen an die Politiker.

von Manfred Hitzeroth

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