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Ehrenamtler mit Justiz-Begeisterung

Willi Becker bleibt Ortsgerichtsschöffe Ehrenamtler mit Justiz-Begeisterung

Der Hermershäuser Ortsvorsteher Willi Becker ist seit über 30 Jahren ehrenamtlich für die Marburger Justiz tätig – ans Aufhören scheint er nicht zu denken.

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Cai Adrian Boesken (rechts) führte Willi Becker in sein Amt als Ortsgerichtsschöffe ein.

Quelle: Yannic Bakhtari

Marburg. „Ich bin zehn Jahre 
bei der Marine zur See gefahren, das war eine tolle Zeit, aber Interesse an der Justiz hatte ich auch“, offenbarte Willi Becker. Er ist einer von 80 Ehrenamtlern in den Ortsgerichten der Universitätsstadt. Seine Vita: 1952 in Marburg geboren, selbstständig als Inhaber eines Elektrogeschäfts, verheiratet und zwei erwachsene Kinder.

Zwar habe er in jungen Jahren noch kein sonderliches Interesse an Gerichten verspürt, doch durch lange Zeit als Mitglied im Ortsbeirat von Hermershausen und viele Jahre als Ortsvorsteher des Marburger Stadtteils habe seine Begeisterung für Justiz-Angelegenheiten begonnen. So war Becker unter anderem „lange als ehrenamtlicher Richter am Marburger Sozialgericht tätig“.

Gelebte Solidarität

Als Ortsgerichtsschöffe wurde er auf Vorschlag der Ortsbeiräte seines Bezirks von der Marburger Stadtverordnetenversammlung wiedergewählt. Beckers Verantwortungsbereich umfasst zusammengefasst die Marburger Stadtteile Cyriaxweimar, Dilschhausen, Elnhausen, Haddamshausen, Hermershausen und Wehrshausen.

„Solidarität, Verantwortungsbewusstsein für eine Gesellschaft nicht nur zeigen, sondern auch leben“: Das zeichne Becker aus, erläuterte Cai Adrian Boesken, Direktor des Amtsgerichts, bei dessen Einführung als Ortsgerichts-Schöffe.
Weit mehr als das
 Beglaubigen von Urkunden

Denn das Engagement im Ortsgericht gehe über das simple Beglaubigen von Urkunden weit hinaus, so Boesken. „Auch anspruchsvolle Tätigkeiten wie das Schätzen von Häusern und das Bewältigen von Erbschaftsproblemen“ fallen in den Aufgabenbereich von Ortsgerichtsschöffen und den weiteren Ehrenamtlern. „Das Ehrenamt in den Ortsgerichten ist auch deshalb so besonders, weil man für Fehler unmittelbar zur Rechenschaft gezogen werden kann“, ergänzte Boesken.

16 Ortsgerichte in Marburg

Aktuell können wegen vieler „alteingesessener Ehrenamtler“ noch alle Stellen besetzt werden, doch die Zukunft könnte 
unsicher werden. „Selbstverwirklichung in Arbeit und Leben wird heutzutage oft dem Ehrenamt vorgezogen“, so zumindest Boeskens Eindruck.

Ortsgerichte gibt es nur in Hessen, seit am 1. Januar 1953 das Ortsgerichtsgesetz in Kraft getreten ist. Die Struktur der 900 über das Bundesland verteilten Ortsgerichte ist bis heute geblieben, sagte Boesken. In Marburg gibt es 16 an der Zahl.

Für Boesken gehöre zu der „beachtenswerten“ hessischen Besonderheit dazu, dass die Ortsgerichte flexibel und in Notfällen auch kurzfristig agieren könnten. Regelmäßige Sprechzeiten dafür gebe es im Bürgerhaus des Marburger Stadtteils Elnhausen.

von Yannic Bakhtari

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