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Ehemalige erinnern sich an Schulzeit

Gesamtschuljubiläum Ehemalige erinnern sich an Schulzeit

Seit 40 Jahren besteht die Richtsberg-Gesamtschule. Seit der Anfangszeit hat sich einiges geändert, aber "das Miteinander passt immer noch", findet Wolfgang Pohlmann.

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Stefan Reichert (von links), Wolfgang Pohlmann, Julianna Musch und Susanna Vago zeigen alte Jahrgangs-Zeitschriften aus ihrer Schulzeit. Foto: Peter Gassner

Marburg. Pohlmann gehörte zum dritten Jahrgang, der auf die damals neue Schule ging. 1979 beendete er dort die zehnte Klasse. „Als das Gebäude gebaut wurde, hatten wir zunächst noch Unterricht in Räumen ohne Fenster“, erinnert er sich. „Nach und nach sind damals erst die anderen Teile der Schule hinzu gekommen.“ Unter anderem der Biologie-Trakt und die Sporthalle waren zu Beginn seiner Schulzeit noch nicht fertiggestellt.

Daher „haben wir auch im Winter immer draußen Sport gemacht“, erzählt Pohlmann. Überhaupt habe viel mehr Unterricht an der freien Luft stattgefunden, als heute. „Wir waren viel draußen“, bestätigt auch Julianna Musch. Sie ging bereits seit 1969 auf die benachbarte Grundschule und verließ die Richtsbergschule 1978 nach der neunten Klasse. Oft habe es spontane Ausflüge zu lokalen Firmen oder auch Wandertage gegeben. „Und da wurde gelaufen, auch wenn es geregnet hat“, berichtet sie. Allgemein, so sind sie sich einig, waren noch viele Dinge möglich, die aufgrund der heutigen Reglementierung nicht mehr denkbar wären. „Es kam vor, dass uns der Lehrer im Gesellschaftslehre-Unterricht einfach mal in die Stadt geschickt hat. Da haben wir dann Interviews mit den Leuten gemacht oder Verkehrszählungen vorgenommen“, schildert Pohlmann die damaligen Lehrmethoden.

„Es war autoritärer, da hatte man Respekt“

Dennoch seien die Schüler immer wieder pünktlich zurück gewesen und hätten ihre Aufgaben erledigt. Das lag an der damaligen Erziehung und der Persönlichkeit der Lehrer, wie Pohlmanns frühere Klassenkameradin Susanna Vago weiß. „Es war alles noch viel autoritärer, da hatte man automatisch Respekt“, erklärt sie die Gehorsamkeit ihrer Generation.

Doch auch früher taten die Schüler hin und wieder verbotene Dinge, wie die Ehemaligen zugeben. „Beim Supermarkt gegenüber gab es Mohrenkopfbrötchen. Da haben wir uns in der Pause manchmal hingeschlichen“, erinnert sich Musch.

Unter den Schülern habe es eine gute Gemeinschaft gegeben. Zwar seien die Dorfkinder, von denen viele aus Schröck, Ginseldorf und Bauerbach auf die Schule kamen, anfangs „anders behandelt worden“, sagt Vago, aber „später haben wir uns alle sehr gut verstanden“, pflichtet Pohlmann ihr bei. Selbst mit den Lehrern sei das Verhältnis harmonisch gewesen. Diese hätten die Schüler zum Teil nach Hause eingeladen und Klassenfeten mit ihnen veranstaltet. Heute sei das wahrscheinlich nicht mehr denkbar.

Auch in den Unterrichtsfächern habe sich einiges verändert. In der sogenannten Polytechnik lernten die Schüler früher zum Beispiel kochen oder nähen. In seinem Jahrgang, so sagt Pohlmann, war er der einzige Junge im Nähkurs. Auch wenn er manchmal aufgezogen worden sei, habe es ihm Spaß bereitet. Einmal habe einer der Lehrer Nachwuchs bekommen und die Schüler Babyklamotten stricken lassen, erzählt er schmunzelnd. Auch dies belege den Unterschied zur heutigen Zeit. Den sieht auch Stefan Reichert, der im Jahr 1992 seine Schullaufbahn beendete. Auch zu seiner Zeit habe die Schule noch viel mehr Platz gehabt und sich besonders durch die Sportanlagen ausgezeichnet. Unter anderem gab es eine Laufbahn, einen Tennisplatz, einen Basketballplatz und einen Fußballplatz.

Außerdem sei man als Schüler immer sehr stark eingebunden gewesen - etwa in der Bibliothek oder in der Biologiesammlung, wo Schüler für die Verwaltung der Gegenstände zuständig gewesen seien.

Negativ sieht er wie die anderen drei auch die Veränderung, die im Viertel rund um die Schule stattfindet. Diese sei „erschreckend zu sehen“. Positiv sei aber, so resümieren die Ehemaligen, dass Integration an der Richtsbergschule groß geschrieben werde. Trotz des sozialen Brennpunkts, sei es eine Schule, an der keine Gewalt stattfände. Zudem gebe es derzeit wieder ein junges Lehrerteam, das gut auf die Schüler eingehe. Pohlmann hat selbst zwei Töchter, die auf die Schule gingen, und befand sie dort für gut aufgehoben. Denn „das Miteinander passt immer noch“, findet er.

Am Freitag, 27. September, findet ab 16 Uhr ein „Treffen der Generationen“ im Forum der Richtsbergschule statt. Um 20 Uhr wird es ein abschließendes Konzert geben.

von Peter Gassner

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