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Ehefrau: „Ich habe Angst vor ihm“

Aus dem Gericht Ehefrau: „Ich habe Angst vor ihm“

Weil er seine Noch-Ehefrau und den neuen Partner bedroht und angegriffen hatte, musste sich der wütende „Ex“ vor Gericht verantworten. Er muss wegen Körperverletzung und Beleidigung eine Geldstrafe zahlen.

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Die Verhandlung fand vor dem Amtsgericht Marburg statt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Während eines lautstarken Streits mit seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau vor einem Jahr soll der Angeklagte deren neuen Partner mehrfach geschlagen und auch der Ex-Frau gegenüber aggressiv geworden sein.

Die drei trafen in der Nacht am Pilgrimstein aufeinander, ein beliebter Treffpunkt für Marburger Nachtschwärmer nach einer Feiertour durch die Oberstadt. Auch die beiden Geschädigten kehrten angetrunken von einer Feier zurück. Der angeklagte Taxifahrer soll sich aus seinem Wagen heraus auf das Paar gestürzt haben. Mit den Worten „du Hurensohn, ich bringe dich um“ griff er laut Anklage den neuen Freund der künftigen Ex-Frau an, schlug ihm mehrmals mit der Faust ins Gesicht und stieß die zur Hilfe eilenden Frau gegen eine Wand. Erst nach einer kurzen Verfolgungsjagd die Mühltreppe hinauf rettete sich der Geschädigte in eine nahe Kneipe. Einige Wochen später wurde der eifersüchtige Ex erneut ausfällig, drohte angeblich dem Mann samt dessen Kindern mit dem Tode.

Vor dem Strafgericht bestritt der Beschuldigte die Vorwürfe, gab lediglich eine Beleidigung zu, die er in Rage dem neuen Partner an den Kopf geworfen hatte. Außer einer kurzen verbalen Auseinandersetzung, bei der alle Seiten Beleidigungen untereinander austauschten, sei nichts weiter geschehen, beteuerte der 34-Jährige. Auch danach habe er keine Drohungen gegen das Paar ausgestoßen, lediglich das gemeinsame Kind nach einem Besuch friedlich zurück zur Mutter gebracht. Als Grund für die angeblich falschen Vorwürfe der Ex vermutete er einen Streit ums Sorgerecht.

Die aufgewühlte Situation in der Tatnacht stellte das neue Paar ganz anders dar. Nach einem kurzen Gespräch mit seiner Frau sei der aufgebrachte Angeklagte direkt auf ihn los gegangen, habe zugeschlagen und ihn zu Boden geworfen, gab der Geschädigte an. „Ich wusste gar nicht, was Sache ist, ich kannte ihn nicht“, sagte der Zeuge. Er erlitt eine blutende Nase und diverse Prellungen. Erst durch den Vorfall erfuhr er, dass seine Freundin noch nicht geschieden war.

Angeklagter „fing sofortan zu brüllen und griff an“

Schon die Trennung des ehemaligen Paares hatte laut Ehefrau ebenfalls gewalttätige Hintergründe. Bei dem erneuten Treffen „fing er sofort an zu brüllen und griff an“, berichtete die Zeugin. Während der Auseinandersetzung verlor sie beide Männer aus den Augen, sah den Ex später auf ihren neuen Freund einschlagen. Wochen nach der Prügelei kam es erneut zum Streit über die mittlerweile laufende Strafanzeige. Der Ex soll gedroht haben, den Kindern des Geschädigten etwas anzutun. „Wir nehmen das schon ernst, ich habe Angst vor ihm“, sagte die Zeugin. Weitere Zeugen konnten nur wenig zur Aufklärung der Sache beitragen, lediglich an ein lautes Wortgefecht erinnerte sich einer der Anwesenden, eine Schlägerei habe er nicht gesehen.

Die Verteidigung wertete das Ganze als wütenden Familienstreit des ehemaligen Paares, jedoch ohne Einsatz von Gewalt. Die Beleidigung sei unstrittig, die Körperverletzung dagegen nicht nachweisbar. „Wir wissen nicht genau, was passiert ist, die Geschichten passen nicht zusammen“, sagte Verteidiger Gunther Specht, der einen Freispruch seines Mandanten anregte.

Dem schloss sich die Staatsanwaltschaft nicht an, beschränkte die Anklage jedoch auf den ersten Fall. Den Angriff des eifersüchtigen Ex sah Rechtsreferendarin Schmied als erwiesen an - „das passt zu den Verletzungen“, erklärte die Anklagevertreterin.

Dies sah Strafrichterin Katharina Blumentritt ebenso, die keine Anhaltspunkte für eine Falschaussage der Hauptzeugen fand. Viel eher habe die Ex-Frau die Situation zugunsten des Angeklagten heruntergespielt. Die Aussagen erschienen „authentisch und ohne Belastungstendenz“. Gleichwohl fielen die Verletzungen vergleichsweise gering aus. Der Angeklagte wurde wegen Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt.

von Ina Tannert

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