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Eheanbahnung in der Spinnstube

Oberhessischer Heimatabend Eheanbahnung in der Spinnstube

„Krimidinner“, bei denen zwischen kulinarischen Genüssen ein Mord aufgeklärt wird, kennt man mittlerweile. Neu ist ein unterhaltsames „Oberhessendinner“.

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Im Sommer spielt die Szene „Tratsch an der Milchbank“. Wer mit wem, lautet die alles entscheidende Frage.

Quelle: Manfred Schubert

Oberweimar. Ein „Oberhessendinner“, bei dem Speisen und Präsentation aufeinander abgestimmt waren, erlebten 180 Zuschauer bei den ersten beiden Aufführungen des „Oberhessischen Heimatabends“ im Gutsstübchen der Familie Möller.

Die Tanzgruppe der Hessischen Volkskunstgilde spielte, sang und tanzte vier Szenen, die Bräuche und Traditionen der dörflichen Heimat aus der Zeit vor etwa 80 Jahren wiederaufleben ließen. Das Ganze meist auf Platt, dessen Kenntnis unerlässlich war, um alle Feinheiten der oft amüsanten und manchmal auch deftigen Dialoge verfolgen zu können. Aber das war für die meisten Besucher kein Problem, sie merkten auch schnell, dass einige Darsteller nicht aus der näheren Umgebung, sondern beispielsweise aus dem Frankenberger Raum stammten und den hiesigen Dialekt nicht so ganz beherrschten. Für die schwungvolle Begleitung sorgten Brita Fischer, Peter Keller und Stefan Klinge von der Gruppe „LTM – Lauter tolle Musiker“ der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege. In ihren originalen, hauptsächlich Marburger evangelischen und katholischen Trachten, ließen die 25 Akteure in drei Stunden einen ganzen Jahreskreis lebendig werden. Den roten Faden bildete dabei die Geschichte zweier junger Leute – Kathrin (Kathrin Wallon) und Otto (Thorsten Kahler) –, aus denen ein Paar wurde.

Im Winter in der Spinnstube, wo man sich zum Arbeiten, aber auch zum geselligen Beisammensein traf und viele Ehen angebandelt wurden, lernen sich beide kennen. Im Frühling kommen sie sich beim Tanz unter der Linde näher. Im Sommer hört man den Tratsch, den sich die Dorfbewohner an der Milchbank über das Paar erzählen. Im Herbst sieht man die Hochzeitsvorbereitungen und endlich zieht der Brautzug ein.

Zwischen den vier Szenen tischte das Gutsstübchen-Team in der rustikalen Scheune Oberhessische Spezialitäten in drei Gängen auf. Auf Hessen Kir (Apfelwein und Johanisbeerlikör) mit Schmalz und Annodazumal-Brot folgte der Hauptgang mit Graupensuppe, Krautkopf, Rindfleisch mit Meerrettichsoße und Salzkartoffeln. Als Nachtisch gab es Quarkspeise mit Zwetschenkompott.

Die Kombination aus gutem Essen und musicalartiger Darbietung kam bei den Zuschauern gut an – sie klatschten kräftig Beifall. Bei bekannten Liedern wie „Wenn alle Brünnlein fließen“ oder „Muss i denn“ sangen viele mit.

Wie Tanzleiterin Angela Paulus berichtete, sind die vier Szenen im Laufe der vergangenen vier Jahre entstanden und jeweils für sich bei verschiedenen Gelegenheiten aufgeführt worden. Nun wurden sie zu dem abendfüllenden Programm zusammengefasst und um Dialoge, die Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger zusammen mit Rita Reinhard und Angela Paulus schrieben, erweitert. Die Gesangsteile studierte Steffi Holzhausen ein. Weitere Aufführungen sind nicht geplant, aber auch nicht ausgeschlossen.

von Manfred Schubert

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