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Effektiver Impfstoff aus Marburg

Ebola Effektiver Impfstoff aus Marburg

Am Freitag verkündete die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation den großen Erfolg bei der Überprüfung des Ebola-Impfstoffes, an dessen Entstehung und Weiterentwicklung Virologen aus Marburg maßgeblich beteiligt waren.

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Die klinische Studie der Phase III fand seit Ende März in Guinea statt.

Quelle: dpa

Marburg. Der Virologe Heinz Feldmann hatte den Impfstoff VSV-ZEBOV Anfang 2000 im Marburger Hochsicherheitslabor der Virologie auf den Lahnbergen entwickelt. Zwischenzeitlich hatte sich der Impfstoff bereits schon bei Tierversuchen als erfolgreich erwiesen. Mittlerweile forscht Feldmann in Kanada, und der in einer hohen Anzahl von Dosen produzierte Impfstoff war Eigentum der kanadischen Regierung.

Der Marburger Virologie-Professor Stephan Becker hatte sich  im vergangenen Jahr angesichts der in drei westafrikanischen Staaten grassierenden Ebola-Epidemie mit Tausenden von Toten maßgeblich dafür eingesetzt, dass VSV-ZEBOV getestet werden sollte und so eine klinische Studie mit auf den Weg gebracht, die die Wirksamkeit des möglichen neuen Ebola-Impfstoffes nachweisen sollte.

Das am Freitag in der britischen medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Zwischenergebnis brachte nun die Erfolgsmeldung, die nicht nur Professor Becker begeistert zur Kenntnis nahm. Die Tests des Impfstoffes zum Schutz gegen Ebola zeigen demnach ein hohes Level an Effektivität. Das hat die Studie an 4000 Menschen in Guinea ergeben, die sich in engem Kontakt mit dem tödlichen Virus befunden haben. Die Tests zeigen, dass VSV-ZEBOV innerhalb von zehn Tagen zu 100 Prozent effektiv ist.

Die Studie der klinischen Phase III hatte am 23. März begonnen. Die Freiwilligen, die den Impfstoff erhielten, kamen aus Gegenden in Guinea, wo es Ebola-Ausbrüche gegeben hatte, und hatten direkten Kontakt zu an dem Virus erkrankten Personen gehabt oder waren zumindest Nachbarn, Klassenkameraden oder im weitesten Sinne Familienmitglieder.

„Das ist der Durchbruch“, ist sich der Marburger Virologe Professor Stephan Becker sicher, nachdem er die im „Lancet“ veröffentlichten Ergebnisse gesehen hatte. „Es sieht so aus, als ob der Impfstoff eingesetzt werden kann und wahrscheinlich in der nächsten Zeit zugelassen wird“, sagte Becker.

Jetzt fehle prinzipiell nur  noch die Zulassung durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA oder die europäische Arzneimittelbehörde EMA. Das könne „relativ schnell gehen“, dabei könne es sich allerdings immer noch um einige Monate handeln.

„Vielversprechende Entwicklung“

„Es hatte keiner mehr zu hoffen gewagt, dass man bei diesem Ausbruch in Westafrika die Wirksamkeit eines Impfstoffes noch überzeugend beweisen kann“, sagte Becker. Bisherige Versuche hätten mit Hilfe von Bluttests lediglich nachgewiesen, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert, „aber ob dies tatsächlich ausreicht, um einen Menschen sicher vor Ebola zu schützen, das konnte man erst jetzt zeigen“.  Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, sprach am Freitag bei einer Pressekonferenz von einer „vielversprechenden Entwicklung“.

„Dies könnte endlich das Ende der Ebola-Epidemie in Westafrika einleiten und auch in Zukunft für die Bekämpfung dieser Krankheit nützlich sein“, sagte Ko-Autor Matthias Egger vom Institut für ­Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern (ISPM).

„Nachdem ich die verheerenden Auswirkungen von Ebola auf Städte und ganze Länder selbst gesehen habe, macht diese Nachricht Mut“, sagte der norwegische Außenminister Børge Brende. Das Land hatte sich ebenso wie Kanada und Guinea an der Studie beteiligt. „Dieser neue Impfstoff könnte die Königswaffe gegen Ebola werden.“ Allerdings könnte der Einsatz des Impfstoffes in der Region problematisch sein, da das Mittel kalt gelagert werden muss.

Ebenfalls begeistert vom Zwischenerfolg zeigte sich Dr. Sakoba Keita, der nationale Koordinator für den Kampf gegen Ebola aus Guinea. „Das ist Guineas Geschenk an Westafrika und die Welt“, sagte Keita. „Tausende von Freiwilligen aus Guinea, aber auch viele Ärzte, Datenmanager und Gemeinde-Mitarbeiter aus Guinea haben dazu beigetragen, eine Verteidigungslinie gegen die schreckliche Krankheit zu finden.“

Obwohl die Neuansteckungen in Guinea, Liberia und Sierra Leone seit Jahresbeginn stark zurückgegangen sind, ist das Virus noch nicht besiegt. In Westafrika wurden bereits mehr als 11.200 Ebola-Tote registriert, die meisten in den drei genannten Ländern.

von Manfred Hitzeroth
und unserer Agentur

  • Hintergrund:  Im September vergangenen Jahres hatte die OP darüber berichtet, dass der Marburger Virologe Professor Becker eine klinische Studie auf den Weg bringen will, um den Impfstoff VSV-ZEBOV auf die Wirksamkeit bei der Anwendung zu überprüfen. Dabei hatte er für seine Pläne auch bald viele internationale Partner. Relativ schnell gab es grünes Licht durch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Impfstoff-Studie in Guinea geht zurück auf die kombinierten Anstrengungen einer Reihe von internationalen Organisationen, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag mit.
  • Implementiert wurde die Studie vom Gesundheitsministerium in Guinea, der WHO, der Gruppe Médecins sans Frontières (MSF, Ärzte ohne Grenzen), der Gruppe „EPICENTRE“ und dem norwegischen Gesundheitsinstitut.
  • Die Studie wurde finanziert unter anderem von der WHO, mit Unterstützung des  Wellcome Trusts, des „United Kingdom Department for International Development“, dem norwegischen Forschungskonzil, der öffentlichen Gesundheitsorganisation aus Kanada, und dem kanadischen Gesundheitsinstitut. Das Team, das die klinische Studie der Phase III in Guinea durchführte, umfasste nach WHO-Darstellung  Experten der Universitäten Bern, der „University of Florida“, der „London School of Hygiene and Tropical Medicine“ sowie von mobilen europäischen Laboratorien.

Ebola-Forschung ist lebenswichtig

Auf der Pressekonferenz der Weltgesundheitsorganisation am Freitag über die sehr erfreulichen Zwischenergebnisse der klinischen Studie zum potenziellen Ebola-Impfstoff VSV-ZEBOV wurde die Uni Marburg zwar nicht erwähnt. Stattdessen wurde eine große Zahl von internationalen Kooperationspartnern – vom britischen „Wellcome Trust“ über die kanadische Regierung bis hin zu zwei weltweit operierenden Pharmafirmen, als Motoren der höchstwahrscheinlich erfolgreichen Impfstoff-Entwicklung genannt.

Einen nicht unwesentlichen Anteil am Durchbruch in Sachen Ebola-Impfstoff haben aber auch die Virologen der Uni Marburg, Schließlich wurde der potenzielle Impfstoff vor etlichen Jahren im Hochsicherheitslabor auf den Lahnbergen entwickelt. Und man sollte auch die Rolle von Professor Stephan Becker, dem aktuellen Labor-Leiter, beim Anschieben der klinischen Studie hervorheben.

Doch natürlich ist ein funktionierendes internationales Netzwerk auf jeden Fall entscheidend für die Umsetzung der lebenswichtigen Ideen. Gut ist es aber auch, dass das Marburger Labor nun sogar von der hessischen Landesregierung als Sondertatbestand anerkannt wird und dafür pro Jahr 600.000 Euro erhält. Denn ein gut ausgestattetes Virologie-Labor wird wohl im Kampf gegen weltweite Epidemien auch weiterhin dringend benötigt.

von Manfred Hitzeroth

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Ebola

Ein Durchbruch für den Ebola-Impfstoff, den der Marburger Virologe Professor Stephan Becker ininitiert hat, zeichnet sich nach der Phase 3 der klinischen Studien.

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