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Ebola-Impfstoff: Klinische Studie soll bald starten

Marburger Forscher gegen Ebola-Epidemie Ebola-Impfstoff: Klinische Studie soll bald starten

Unter Marburger Federführung soll ein Ebola-Impfstoff erprobt werden, der bisher nur im Tierversuch getestet wurde. Der Marburger Virologe Professor Stephan Becker hofft im November starten zu können. Genehmigungen und 700000 Euro benötigt.

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Weltweit ist die Ebola-Epidemie ein Thema: Der Transport eines Ebola-Patienten wird hier bei ­diesem Training am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv (Israel) simuliert.

Quelle: dpa

Marburg. „Es geht alles sehr langsam voran“, berichtet der Marburger  Ebola-Forscher Professor Stephan Becker im Gespräch mit der OP. Seit rund zwei Monaten ist er unablässig damit beschäftigt, eine internationale klinische Studie ins Laufen zu bringen, mit der ein bisher nur im Tierversuch getesteter erfolgversprechender Ebola-Impfstoff auf die Anwendung beim Menschen getestet werden könnte.

„Wir hoffen, dass wir im November anfangen können“, sagte Becker der OP, der einer der weltweit anerkannten Experten für Filoviren (Stäbchen­viren) wie den Ebola-Virus oder den Marburg-Virus ist. Die Zeit drängt nicht nur nach Ansicht von Becker. Denn nach dem Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika im Frühjahr jagen sich seit Wochen bedrohliche Meldungen: Es gibt bereits mehrerer Tausend Ebola-Todesfälle in Afrika, und vor einigen Tagen starb auch ein auf die Isolierstation in Leipzig verlegter sudanesischer UN-Mitarbeiter und Ebola-Patient. Handlungsbedarf gibt es also ausreichend, dass möglichst schnell Impfstoffe getestet werden, die dann im Kampf zur Eindämmung gegen die bedrohliche Seuche helfen könnten.

Paul-Ehrlich-Institut muss Studie freigeben

Nach Angaben von Becker wurden zur Finanzierung der Studie insgesamt 700 000 Euro beantragt, und zwar beim „Welcome Trust“, einer internationalen Forschungsagentur, und beim Bundesgesundheitsministerium. Zudem werde der Antrag zur Genehmigung der Studie beim dafür zuständigen Paul-Ehrlich-Institut in einem sogenannten „laufenden Antragsverfahren“ permanent geprüft. Noch fehle jedoch das grüne Licht und es gebe keine endgültige Bewilligung für die Studie, so Becker.

Die von Becker federführend initiierte klinische Studie zur Testung eines von dem ehemaligen Marburger Virologen Heinz Feldmann in Kanada entwickelten Impfstoffs soll nicht in Marburg erfolgen. Getestet werden solle er vielmehr in Genf sowie in Hamburg sowie in Lambarene (Afrika) und in Kenia.

Gar nicht so einfach ist es aber auch, die erforderlichen Impfstoff-Dosen zunächst einmal nach Deutschland zu bekommen, wie Becker erläuterte. Sie waren vor einigen Jahren im Auftrag der kanadischen Regierung hergestellt worden. Damals gab es noch die Idee, dass der Impfstoff möglicherweise im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Bioterrorismus weiterentwickelt werden sollte, was aber nicht erfolgt ist. Aufgrund des Ebola-Ausbruchs in diesem Jahr spendete Kanada den nicht getesteten Impfstoff an die Weltgesundheitsorganisation WHO. Zunächst einmal liegen die Impfstoffdosen aber noch in Kanada.

Die technischen Informationen für die detaillierte Anwendung der Präparate wiederum – beispielsweise bei der jetzt angedachten klinischen Studie – hat eine deutsche Firma, die ein  Patent darauf hat. Es liegt eine ganze Menge an Koordinierungsarbeit hinter Professor Becker und den Forschern, und noch gibt es in Sachen Start der klinischen Studie keine Erfolgsmeldung. Allerdings hofft Becker, dass sich das bald ändert.

von Manfred Hitzeroth

Was ist Ebola, wie kann ich mich dagegen schützen?

Seit dem Beginn der Ebola-Epidemie stellen sich immer mehr Fragen rund um die lebensbedrohliche Virus-Erkrankung.  Antworten auf folgende Fragen werden auf der Homepage des Instituts für Virologie gegeben.

Was ist Ebola?
Das Ebola-Virus gehört zur Familie der Filoviren und wurde vor 40 Jahren während einer Epidemie in Südsudan und dem damaligen Zaire entdeckt. Der Name Ebola stammt von einem Fluss in der Nähe des damaligen Ausbruchsgebietes. Der nächste Verwandte von Ebola ist das Marburg-Virus, das 1967 in Marburg entdeckt wurde. Die Ebola-Virus-Erkrankung verläuft in sehr vielen Fällen tödlich. Ursache dafür ist ein Versagen der inneren Organe, das durch eine Fehl­reaktion des menschlichen Immunsystems ausgelöst wird. Es ist bekannt, dass Ebola-Virus durch Flughunde auf den Menschen übertragen werden kann. Flughunde, die in Zentralafrika auch als Nahrungsmittel dienen, können mit Ebola-Virus infiziert sein, ohne selbst daran zu erkranken.

Was sind die Symptome einer Ebola-Virus-Infektion?
Zwischen sieben und 21 Tagen nach der Ansteckung treten als erste Symptome Fieber, Gliederschmerzen, Halsschmerzen und Bindehautentzündung auf. Diese Symptome sind unspezifisch und können bei einer Vielzahl von Infektionserkrankungen auftreten. In der nächsten Phase der Erkrankung kann es zu Blutungen an Schleimhäuten und in inneren Organen kommen, was zu einem Multi­organversagen und dem Tod des Patienten führen kann. Wegen der geringen Spezifität der Symptome muss die Diagnose der Ebola-Virus-Erkrankung durch labordiagnostische Untersuchungen gestellt werden. n Kann man die Ebola-Virus-Infektion behandeln?
Im Moment gibt es keine zugelassenen Medikamente und auch keine Impfung, sodass bei den Infizierten nur die auftretenden Symptome behandelt werden. Wichtig ist dabei, den durch die Infektion ausgelösten Flüssigkeitsverlust zum Beispiel  durch Infusionen aufzufangen.

Wie ansteckend ist das Ebola-Virus?
Das Ebola-Virus wird nur durch engen körperlichen Kontakt übertragen, wie bei der Pflege von Erkrankten oder bei Totenwaschungen. Auch der Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Erkrankten kann zur Ansteckung führen. Allerdings zeigen die wenigen Erfahrungen mit an Ebola- oder Marburg-Virus erkrankten Reisenden, die nach Deutschland oder in die USA heimkehrten, dass keine der Kontaktpersonen, die auf dem Heimweg mit den Patienten in Kontakt gekommen waren, sich angesteckt haben. Auch eine gemeinsame Übernachtung in einem Hotelzimmer oder Kontakt im Flugzeug führte nicht zur Ansteckung.

Kann es sein, dass sich die Epidemie nach Deutschland ausbreitet?
Es ist möglich, dass Reisende aus West-Afrika, die mit Ebola infiziert sind, nach Deutschland kommen. Eine Ausbreitung der Erkrankung ist jedoch sehr unwahrscheinlich, da der öffentliche Gesundheitsdienst auf Patienten mit solchen Erkrankungen vorbereitet ist und die Isolierung von Patienten die Ausbreitung der Infektion verhindert.

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