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EAM: 109 Kommunen kaufen 35 Prozent

Beteiligung EAM: 109 Kommunen kaufen 35 Prozent

Von 127 Interessenten sind 109 Städte und Gemeinden übriggeblieben, die sich an der neuen EAMbeteiligen. Die Landkreise, seit vergangenem Jahr ­Alleineigentümer des Versorgers, behalten vorerst mehr Anteile als gedacht.

Marburg. Vor ziemlich genau einem Jahr übernahmen die Landkreise im Netzgebiet und die Stadt Göttingen in Niedersachsen vom Eon-Konzern die gut 73 Prozent der damaligen Eon Mitte AG. Seitdem sind sie alleinige Eigentümer des inzwischen in EAM („Energie aus der Mitte“) umbenannten Unternehmen mit Sitz in Kassel.

Im Zuge dieser Rekommunalisierung war von Anfang an geplant, im zweiten Schritt bis zu 49,9 Prozent der Anteile an der EAM an Städte und Gemeinden im Netzgebiet weiterzuverkaufen. Letztlich entschieden die kommunalen Altaktionäre, dass diese Möglichkeit nur Städte und Gemeinden bekommen sollten, die auch ihre Strom- oder Gaskonzessionen an die Eon Mitte AG/EAM vergeben hatten.

Dieser Kreis von Kommunen hat nun seine Entscheidung getroffen, von insgesamt rund 200 Kommunen im Geschäftsgebiet des Konzerns hatten 127 ihr grundsätzliches Interesse an einer Beteiligung bekundet. Am Ende des Verkaufsprozesses sind 109 Kommunen übrig­geblieben, die mit insgesamt 35,3 Prozent einsteigen, also ein gutes Drittel des Unternehmens übernehmen wollen.

Neun heimische Kommunen kaufen sich bei EAM ein

Im Kreistagsausschuss hatte EAM-Vertreter Jörg Hartmann vor einem Monat noch davon gesprochen, dass von den Altaktionären wohl „mehr als 40 Prozent“ verkauft werden würden. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind im zweiten Schritt neun Kommunen neu im EAM-Boot: die Hinterlandkommunen Angelburg, Bad Endbach, Biedenkopf, Breidenbach, Dautphetal, Gladenbach und Steffenberg sowie die Ostkreisstädte Neustadt und Stadtallendorf. Diese halten künftig zusammen rund 3,4 Prozent an der EAM.

Alle anderen Städte und Gemeinden im Landkreis hatten sich bei der Neuvergabe der Konzessionen für die Stadtwerke Marburg beziehungsweise die gemeinsame Netzgesellschaft Energie Marburg-Biedenkopf entschieden. Sie waren deshalb gar nicht in den Kreis der möglichen Aktionäre aufgenommen worden. Ob sie nun gefragt werden, sich an den noch verfügbaren knapp 14,7 Prozent zu beteiligen, ist offen. EAM-Sprecher Steffen Schulze teilt mit, die Anteilseigner seien „sich einig, dass weiteren Kommunen, mit denen die EAM bereits zusammenarbeitet, die Möglichkeit einer Beteiligung eingeräumt werden soll“. Details und ein Zeitrahmen für ein neues Beteiligungs-Verfahren stünden jedoch noch nicht fest. Es sei aber nicht vorgesehen, dass andere Stadtwerke oder kommunale Stromversorger Anteile an der EAM erwerben können. Schulze: „Allerdings besteht für die Stadtwerke aus der Region die Möglichkeit, sich mit bis zu 15 Prozent an der Vertriebsgesellschaft EAM Energie GmbH zu beteiligen.“

Finanziert wird der Kaufpreis von den Kommunen über langfristige Kredite, die aus den prognostizierten Gewinnanteilen aus dem Netz- und Vertriebsgeschäft der EAM bedient werden sollen. Dieses Modell war vorab mit den zuständigen Kommunalaufsichten abgestimmt worden, sowohl die Kreistage der Altaktionäre als auch die Parlamente der neuen Anteilseigner haben dem Geschäft zugestimmt, das nach Unterzeichnung aller Verträge bis zum 19. Dezember vollständig abgewickelt sein soll.

Die neuen Partner müssen für ihren Anteil zum jetzigen Zeitpunkt zehn Prozent des Eigenkapitals einbringen. Zins, Tilgung und der Erwerb der restlichen 90 Prozent der Anteile (bis 2034) werden aus Gewinnausschüttungen der EAM an die Kommunen genommen, sodass die Haushalte der Städte und Gemeinden nicht zusätzlich belastet werden sollen. Dafür übernehmen diese Kommunen ihrerseits Bürgschaften. Im Gegenzug können die Altaktionäre im gleichen Maß, wie sie EAM-Anteile abgeben, ihre eigenen beim Kauf der Eon Mitte gestellten Bürgschaften reduzieren.

von Michael Agricola

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