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Drogensüchtiger muss ins Gefängnis

Zwei Jahre und drei Monate Haft Drogensüchtiger muss ins Gefängnis

Nach der Verurteilung für den Erwerb und Besitz von Drogen, Körperverletzung und Freiheitsberaubung ergibt sich jetzt für einen beschuldigten, langjährigen Drogenabhängigen die Möglichkeit zu einem einschneidenden Lebenswandel.

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Weil er Drogen besessen und konsumiert hat sowie wegen Körperverletzung ist ein 35-Jähriger verurteilt worden.

Quelle: Archiv

Marburg. Vor dem Marburger Amtsgericht waren der 35-jährige Angeklagte und sein Pflichtverteidiger, Rechtsanwalt Frank Richtberg aus Gießen, erschienen. Zunächst wurden die
Anklagepunkte verlesen, darunter der sechsmalige Erwerb von Marihuana und Amphetaminen  in unterschiedlichen Mengen sowie der unerlaubte Besitz von Betäubungsmittel, die bei zwei Hausdurchsuchungen eingezogen wurden. Im Anschluss wurde die Sitzung für ein rechtliches Gespräch längere Zeit unterbrochen. Hintergrund dieser Verhandlungspause war eine weitere inzwischen hinzugekommene Anklageschrift mit dem Straftatbestand der vierfachen Körperverletzung sowie Freiheitsberaubung.

Stammten die Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz allesamt aus dem Jahre 2013, in dem der angeklagte Hilfsarbeiter mit seiner Freundin in einem Marburger Außenstadtteil wohnte, ereigneten sich die Akte der körperlichen Gewalt in den ersten vier Monaten dieses Jahres.

Anwalt: Angeklagter will reinen Tisch machen

Die kurze Beratung erbrachte, dass wegen der Geständigkeit des Angeklagten auch in diesen Fällen keine Zeugen benötigt und die Anklagepunkte mitverhandelt werden konnten. Der Beschuldigte wolle endlich reinen Tisch machen – einen Schlussstrich unter die Drogenkarriere ziehen, so Verteidiger Richtberg über seinen Mandanten und dessen Straftaten.

Über seinen Lebenslauf berichtete der Angeklagte selbst, dass er in Wetzlar mit Bruder in elterlicher Wohnung aufgewachsen sei. Nach Trennung der Eltern habe er bei seiner Mutter gelebt und sei frühzeitig in „schlechte Kreise“ geraten.

Dort habe er auch mit zwölf Jahren bereits erste Erfahrungen mit Drogen gemacht.

Von seinem 14. bis 18. Lebensjahr lebte er in einem christlichen Jugenddorfheim im Wittgensteiner Land und habe dort den Hauptschulabschluss absolviert. Eine begonnene Lehre zum Koch und später zum Schreiner habe er abgebrochen und von Gelegenheitsjobs gelebt.

Dass er mit Drogen gedealt habe, sei unzweifelhaft, meinte Staatsanwalt Oliver Rust, da man schließlich neben den Drogen bei einer der Hausdurchsuchungen auch 2 200 Euro in „branchenüblicher Stückelung“ gefunden habe.

Die Nachfrage, ob er denn noch immer drogenabhängig sei, verneinte der Angeklagte, der während des gesamten Prozesses ruhig und gelassen wirkte. Zur Verwunderung aller Anwesenden verkündete er, dass er seit Januar auch ohne Entzug von seiner Abhängigkeit losgekommen sei.

Die angezeigten vier Körperverletzungsdelikte, allesamt gegen seine Freundin, die mit blauen Flecken, Platzwunde am Handgelenk, Fingerbruch, Rückenbruch und Freiheitsberaubung endeten, gab der heute in Lich lebende Mann unumwunden zu.

Auf Rückfrage der Staatsanwaltschaft berichtete er, dass es sich bei den Streitfällen um Eifersüchteleien und Nichtigkeiten gehandelt habe. Im Übrigen lebe er nach Aussprache jetzt wieder mit der Freundin zusammen.

Richterin: Geständnis wirkt strafmildernd

Aufgrund des umfangreichen Vorstrafenregisters mit zahlreichen Verurteilungen zu Geld- und Bewährungsstrafen, errechnete Staatsanwalt Rust eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren.
Nach Sitzungsunterbrechung und Beratung bestätigten Richterin Nadine Bernshausen und die beiden ehrenamtlichen Beisitzer mit einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten dieses Strafmaß im Wesentlichen. Bernshausen erklärte, dass die Geständigkeit des Angeklagten sich strafmindernd ausgewirkt habe und empfahl dringend einen Drogenentzug. Von den zuvor noch mit 15 000 Euro Wertersatzverfall errechneten Einnahmen aus dem Drogenverkauf, war im Urteil dann keine Rede mehr.

von Heinz-Dieter Henkel

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