Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Droge und Heilpflanze zugleich

Cannabis Droge und Heilpflanze zugleich

Schmerzpatienten, die eine Therapie mit Cannabis verordnet bekommen, müssen hohe Summen für die Beschaffung ihrer Medikamente zahlen. Eine Petition soll dies nun ändern.

Voriger Artikel
Kandidatin: "Ich hab‘ Nerven wie Drahtseile"
Nächster Artikel
Rotarier unterstützen Waisen-Projekt

Hanf-Pflanzen, ein vielseitiges Kraut, das helfen und süchtig machen kann. Die einen konsumieren es illegal als Droge, die anderen legal zur Schmerztherapie.

Quelle: Oliver Berg

Marburg. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln vom 22. Juli dieses Jahres kann im Einzelfall der Cannabisanbau erlaubt sein. „Jedoch müssen die Voraussetzungen für die Zulassung des Eigenanbaus in jedem Fall eingehend und individuell geprüft werden“, heißt es im Urteil.

Eine Petition soll nun im Deutschen Bundestag für Aufmerksamkeit sorgen - die Unterschriftensammlung läuft bis zum heutigen Tag. Die Petition steht für die Kostenerstattung bei Medikamenten auf Cannabisbasis. Außerdem soll erreicht werden, dass es keine strafrechtliche Verfolgung mehr für Patienten gibt, die ein ärztliches Attest zur Verwendung von Cannabisprodukten vorweisen können.

Innerhalb von 28 Tagen müssen 50000 Unterschriften gesammelt werden, damit der Antrag vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages verhandelt wird.

Die heimische Ärztegenossenschaft „Prima“ hat während ihrer jüngsten Vorstandssitzung das Thema Cannabis als Medizin unkommentiert stehen lassen. „Wir haben es den Ärzten offengelassen, selbst zu entscheiden, ob sie die Petition unterstützen möchten oder nicht“, sagt Dr. Ortwin Schuchardt, Pressesprecher der Ärztegenossenschaft, auf Nachfrage der OP. Er verweists aber darauf, dass das Thema „Cannabis als Medikament“ noch recht frisch sei - und manche Ärzte würden daher jetzt auch noch keine Entscheidung treffen wollen.

Aus Sicht von Simone Söhrich, Leiterin der Suchtberatung Marburg, gestaltet sich das Thema Cannabis als Medizin eher schwierig. „Die Ärzte müssen vor der Verschreibung des Medikaments eine mögliche Sucht abklären“, sagt sie. Abgeklärt werden sollte auch, ob es bei einer entsprechenden Diagnose von Vorteil ist, wenn ein Schmerzpatient mit Cannabisprodukten therapiert wird. „Es bleibt ein sehr ambivalentes Thema“, sagt Söhrich. „Es kristallisiert sich oft eine Polarisierung heraus. Cannabis gilt als leichte Droge und dennoch gibt es auch die andere Seite.“ Dies weiß die Diplom-Sozialarbeiterin aufgrund ihrer Arbeit nur zu gut. Denn es gibt Betroffene, die von Cannabis durchaus abhängig sind und die ein Problem haben, davon loszukommen.

Dr. Winfried Hofmann, Facharzt für Anästhesilogie am Diakonie-Krankenhaus Wehrda, ist für eine neue Regelung in der Kostenübernahme für Medikamente auf Cannabisbasis. „Ich habe viele Schmerzpatienten, denen eine Therapie mit Cannabis gut tun würde“, erläutert Hofmann im Gespräch mit der OP. Der Facharzt für Anästhesilogie musste bereit eine Strafzahlung leisten, da er ohne eine zuvor beantragte Genehmigung einem Patienten eine Therapie mit Cannabis verordnet hatte. „Somit habe ich die Kosten von ungefähr 8500 Euro für die viereinhalb Jahre langen Therapie für den Patienten übernommen“, bemerkt der Anästhesist. Seither unterlässt er eine Verordnung einer Schmerztherapie mit Cannabisprodukten.

„Bisher habe ich nur bei einer Krankenkasse erlebt, dass sie in einem Fall die Kosten für die Cannabismedikamente übernommen hat“, berichtet Hofmann - im Regelfall übernehmen die Krankenkassen diese Kosten nicht.

Generell kann der Anästhesist eine straffreie Verordnung einer Therapie mit Cannabis erreichen. Erst kürzlich hat Hofmann für einen Patienten einen Antrag bei der Bundesopiumstelle gestellt. Grund ist der Eigenanbau von Cannabis durch den Patienten zur Verwendung als Medikament. Seine Patienten leiden meist an schweren Schmerzen und könnten durch eine Therapie mit Cannabis davon befreit werden - beispielsweise Multiple-Sklerose-Patienten. Bei einem anderen Patienten könnte es zur Linderung bei einem Schlaganfall mit Folgen, wie Krämpfen oder Sprachlähmung, kommen.

Dennoch stehen immer wieder die Kosten im Vordergrund, da zugelassene Medikamente aus dem Ausland importiert werden müssen. Viele der Patienten mit chronischen Schmerzen können die Kosten nicht selbst tragen. Zurzeit gibt es nur sehr wenige Alternativtherapien, sagt Hofmann. Daher unterstützt er auch die Petition.

Die Online-Petition kann mitgezeichnet werden.

von Verena Pophanken

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr