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Dritte Alarmstufe ausgerufen

Hochwasser Dritte Alarmstufe ausgerufen

Trotz teilweise hoher Pegelstände kam der Landkreis Marburg-Biedenkopf am Wochenende beim ersten Hochwasser des Jahres glimpflich davon.

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Mit vereinten Kräften bauten am späten Sonntagnachmittag Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Weimar bei Roth ein Behelfsbecken aus Sandsäcken.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Das am Sonntag mit neun Millionen Kubikmetern Wasser angestaute Ohm-Rückhaltebecken verhinderte insbesondere am Unterlauf der Ohm und entlang der Lahn Schlimmeres. Vielerorts mussten die Feuerwehren und das Technische Hilfswerk Marburg mit Sandsäcken aushelfen, einige Straßen wurden wegen Überflutung gesperrt.

Einen Großeinsatz gab es gestern bei Roth, wo Wasser aus der Lahn durch einen alten defekten Abfluss wild in das neue Becken der Parallna floss. Laut Experten hat das Hochwasser im Lahngebiet mittlerweile seinen vorläufigen Scheitelpunkt erreicht. In Marburg wurden in der Nacht auf Montag 5,04 Meter als Höchststand gemessen. Hessen- und bundesweit kam es zu massiven Hochwasserschäden.

Lahn-Pegelstand kratzt an der Fünf-Meter-Marke

Der große Regen blieb glücklicherweise am ­Wochenende so gut wie aus, so dass die Hochwassersituation im Landkreis nicht noch zusätzlich von „oben“ verschärft wurde.

Am Samstagmittag lag der Pegelstand in Marburg noch bei 4,30 Meter, gegen 17 Uhr bereits bei 4,62 Meter.

Oberbürgermeister Egon Vaupel sagte, dass die von der Stadt geschaffenen Retentionsflächen in Wehrda den Pegel noch etwas zurückhalten konnten. Am Sonntag musste jedoch auch in Marburg die Warnstufe 3 gemeldet werden, die ab einem Pegelstand von 4,80 Meter gilt. Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie informiert auf seiner Homepage im Internet über die aktuellen Pegelstände. Danach kratzte die Lahn gestern an der Fünf-Meter-Marke, doch erwarten die Experten für heute keine merklichen Steigerungen mehr.

Auch wenn die Marken der schlimmsten Hochwasser in Marburg (siehe Hintergrund) nicht erreicht wurden, waren zahlreiche Feuerwehrleute im Landkreis am Samstag und Sonntag im Einsatz.

So unter anderem am Samstagnachmittag an der Dammühle. Während im Restaurant gemütlich gegessen wurde, pumpten Feuerwehrleute den übergelaufenen Teich ab und legten nach Angaben von Kreisbrandinspektor Lars Schäfer Sandsäcke aus. In der Lahnstraße in Marburg schwammen zwei Baucontainer, einer davon war mit Bauschutt beladen, weg. Die Polizei bat die DLRG um Unterstützung, die die Container an einen Baum anband. Zahlreiche Wehren wie in Amönau, Goßfelden und Wetter waren damit beschäftigt, Sandsäcke zu füllen, um diese entweder selbst zu verlegen oder Bürgern zur Verfügung zu stellen.

Einen Großeinsatz bewältigten die Feuerwehren aus Wenkbach, Roth, Argenstein und Wolfshausen als sie unterstützt vom Technischen Hilfswerk Marburg an einem Deich vor Roth ein Behelfsbecken aus Sandsäcken bauten. Ein Abfluss, der normalerweise das Wasser von den Feldern in die Lahn leitet, funktionierte nicht mehr. Daraus resultierte, dass das Wasser von der Lahn durch den Abfluss auf die Felder beziehungsweise in das gerade neu geschaffene Bett der Parallna. „Weil wir nicht abschätzen können, wohin sich das Wasser wendet, wenn das Bett vollgelaufen ist, haben wir uns entschlossen, etwas gegen diesen wilden Zufluss zu unternehmen“, sagt Feuerwehrsprecher Stephan Schienbein. Das Behelfsbecken aus Sandsäcken sollte auf dem Niveau der Lahn gebracht werden, um so einen Druckausgleich im Abflussrohr zu schaffen und den Zufluss zu stoppen. Am frühen Abend mussten sich Feuerwehrkameraden in Wehrda um einen ganz anderen Einsatz verdient machen. Dort wurde eine tote Kuh aus der Lahn gezogen.

Land unter an Ohm und Wohra

Kirchhain und Amöneburg standen am Wochenende im Ostkreis im Zentrum des Hochwassergeschehens. Trotz einiger extremer Pegelstände gab es keine großen Schäden.

Der Wohra-Pegel bewegte sich zeitweise jenseits der rekordverdächtigen Drei-Meter-Marke, und an der Hainmühle bei Betziesdorf überschritt der Ohm-Pegel gestern früh mit 4,02 Metern die Hochwassermeldestufe 3. Trotz der Wassermassen, denen Kirchhain gleich von zwei Seiten ausgesetzt war, kam die Stadt praktisch unbeschadet davon. Die Feuerwehr rückte nur zu zwei kleinen Einsätzen in Betziesdorf und in der Kernstadt aus, um Gullis für einen besseren Ablauf zu öffnen. Wie Feuerwehr-Sprecher Gordon Schneider berichtete, beobachtete die Feuerwehr ständig die Entwicklung, besonders an den beiden neuralgischen Punkten: Am hochwassergefährdeten Fasanenweg und am undichten Wohra-Deich, der trotz seiner Durchlässigkeit eine Überflutung der Firmengelände von Solar Wagner und Emco verhinderte.

Amöneburg war zu zwei Dritteln vom Wasser umgeben. DieFreiwilligen Feuerwehren füllten vorsorglich palettenweise Sandsäcke. Allein die Dämme von Kreisstraßen und Ohmtalbahn durchschnitten die bizarre Seenlandschaft am Fuße der Stadt. Auch hier blieb das Wasser, wo es sein sollte: In den Auen von Ohm, Rulfbach und Klein. Allein die Brücker Mühle erwischte das Hochwasser einmal mehr mit ganzer Härte: Das Gebäude war trockenen Fußes nicht zu erreichen.

Im Rauschenberger Stadtteil Ernsthausen sorgten die reißenden Fluten des Hatzbachs am Samstag für einen größeren Einsatz von Feuerwehr und THW. Ein Baum war in den Bach gestürzt und staute diesen auf. Der Erdtank am Sportheim des TSV Ernsthausen drohte aufzuschwimmen. „Wir haben vom Bauhof 200 Sandsäcke geholt und den Heizöltank umbaut. Das THW Marburg hat uns weitere 500 Sandsäcke gebracht, mit denen wir das Sportheim sicherten“, berichtete Torsten Schäfer für die beteiligten Feuerwehren Ernsthausen und Rauschenberg. Mit Hilfe eines Lkw-Kranes gelang es, den Baum aus dem Wasser zu ziehen.

Gut zu tun hatten die Stadtallendorfer Feuerwehren, die schon am Donnerstagabend einsturzgefährdete Dächer in Hatzbach und in der Kernstadt vom Schnee befreiten. Ein vollgelaufenes Haus beschäftigte früh am Samstag die Wehren volle sechs Stunden. 500 Sandsäcke wurden verbaut, das Gebäude leergepumpt. Am Nachmittag pumpten die Wehren den vollgelaufenen Keller in einem Hatzbacher Ausflugslokal leer und sicherten den Heizungsraum mit 200 Sandsäcken. Wie Sebastian Bleser mitteilte, waren die Wehren aus Hatzbach, Wolferode, Schweinsberg und der Kernstadt im Einsatz.

von Götz Schaub, Anna Ntemiris und Matthias Mayer

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