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Drei Kandidaten, drei Internet-Kampagnen

Landratswahl Drei Kandidaten, drei Internet-Kampagnen

Es ist Wahlkampf in einer neuen Dimension. Erstmals könnte durch Facebook mit beeinflusst werden, wer der neue Landrat für Marburg-Biedenkopf wird. Die OP hat sich durch die Profile der drei Kandidaten geklickt.

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Marburg. Zunächst ist er auf seiner persönlichen Facebook-Seite als Bewerber unterwegs, seit dem 6. April gibt‘s eine separate Seite für seine Kandidatur mit dem Titel „Landrat für Marburg-Biedenkopf“. Besucher erfahren dort Michael Richter-Plettenbergs Wahlslogan, den er in direkter Anlehnung und wohl nicht frei von Satire an das Motto seines CDU-Konkurrenten Marian Zachow gewählt hat. „Kommunen vor - Kreisumlage runter - politische Kultur rauf“ heißt es bei Richter-Plettenberg, während es Zachow mit „Menschen vor, Schulden runter, Ideen rauf“ versucht.

Zu Richter-Plettenbergs Kandidaten-Auftritt bei Facebook. Es geht um die Energiewende, um die „Gleichstellung von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“, um die Struktur des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes, um den Öffentlichen Personennahverkehr oder Breitband. Richter-Plettenberg setzt auf Inhalte. Bislang haben 88 Facebook-Nutzer auf seiner Landratsseite den „Gefällt-mir“-Button geklickt und bekommen die Beiträge von dieser Seite nun auf ihre Pinnwand. Ungünstig für den Kandidaten: Seine Landratsseite lässt sich über die Suchfunktion nicht mit dem Namen Richter-Plettenberg finden, sondern nur unter der Eingabe „Landrat für Marburg-Biedenkopf“. Ein selbstbewusster Titel übrigens, mit dem man sich besser erst schmückt, wenn man ihn auch errungen hat.

Facebook-Posts verlinken aufs Blog

Auf der Landratsseite von Richter-Plettenberg reicht die Chronik zurück bis zu seiner Kandidatenkür im Dezember 2012. Politische Beiträge wechseln sich ab mit Impressionen aus Richter-Plettenbergs Privatleben. Der Kandidat schreibt über einen Konzertbesuch oder aber über die „Zentralisierungspläne der Kassenärtzlichen Vereinigung“ - oft gibt‘s dazu Links zum Blog des Kandidaten unter www.richter-plettenberg.blogspot.de, wo der 47-Jährige seine Meinung ausführt. Manchmal kurz und knapp, manchmal eingehender, wie beispielsweise zum Thema Homo-Ehe. In diesem Beitrag nimmt Richter-Plettenberg Bezug auf ein Interview in der OP und fragt in Richtung des hessischen CDU-Fraktionsvorsitzenden: „Herr Dr. Wagner sind Sie eigentlich noch verfassungstreu?“

In Richter-Plettenbergs Blog gibt‘s es aus dem vergangenen Jahr 34 Beiträge und bereits 26 von Januar bis zum jetzigen Zeitpunkt. Zusätzlich zum Blog bietet der Kandidat eine eigene Homepage an. Sie ist übersichtlich gestaltet und bietet viele Informationen zur Person Richter-Plettenbergs, verlinkt zu allen weiteren Online-Aktivitäten des Bewerbers. Richter-Plettenberg präsentiert sich online insgesamt offen und transparent, über Facebook kommt man an Adresse und Telefonnummer, wenn man persönlichen Kontakt zum Kandidaten aufnehmen will.

Dr. Karsten McGovern will der erste grüne Landrat Deutschlands werden, doch erfährt das aus dem öffentlich zugänglichen Teil seines privaten Facebook-Auftritts niemand. Hingegen kann unter dem Datum vom 22. März jedermann lesen, dass McGovern gerade Fußballländerspiel schaut und seine Grippeerscheinungen kuriert. Aus der Chronik oder unter der Rubrik Info können Besucher, wenn sie sich Zeit nehmen zum Klicken und Lesen, zwar erfahren, dass McGovern bereits Erster Kreisbeigeordneter für Marburg-Biedenkopf ist, doch sie lesen zunächst nichts über seine weiterführenden Ambitionen.

Nur wer mit McGovern auf Facebook „befreundet“ ist, bekommt den Link zur Facebook-Kandidatenseite. Wer das Suchfeld nutzt, kommt nur auf McGoverns Kandidatenseite, wenn er sich alle Suchergebnisse anschaut oder mit dem Nachnamen zuerst sucht.

Eine Herausforderung für den Orientierungssinn

Bereits 77 Facebook-Nutzer haben angegeben, dass ihnen die Seite „Karsten Mc Govern - unser nächster Landrat“ gefällt. McGovern präsentiert in seinem Kandidatenauftritt vorwiegend die Arbeit des Landkreises und weniger die Rolle, die er dabei einnimmt.

Da der Kandidat darauf verzichtet, auf einen Blog zu verweisen, geht er auf Facebook eingehend auf verschiedenene Themen ein - manche Beiträge geraten dabei recht lang. McGovern greift Themen wie die Flüchtlingsdebatte, Kinderschutz oder den Strukturwandel in der Landwirtschaft auf und berichtet den Besuchern der Seite in Wort und Bild von Terminen, an denen er teilgenommen hat. Pressemeldungen aus dem Kreishaus sowie eigene Beiträge präsentiert McGovern zudem auf seiner Homepage www.mcgovern.de.

Diese Seite ist mit einer eher undurchsichtigen Struktur eine kleine Herausforderung für den Orientierungssinn der Besucher und lässt die Vernetzung mit anderen Netzwerken vermissen.

Zachow, der Grillmeister

CDU-Kandidat Marian Zachow ist auf Facebook mit seinem persönlichen Account vertreten, der zugleich seine Landratsseite ist. Zudem wurde von einem Unterstützer Zachows eine Veranstaltungsseite unter dem Titel „Wir wählen Marian Zachow - Landrat für unser Marburg-Biedenkopf“ erstellt. 42 Personen haben dort bislang zugesagt, Marian Zachow am 8. September als Landrat zu wählen.

Zachow präsentiert sich bei Facebook beim Grillen von Würstchen und im Ägypten-Urlaub, beim Fußballturnier und beim Strandspaziergang. Inhaltlich geht‘s beispielsweise um den Nationalpreis für Jugendfeuerwehren oder um das Projekt „Helfende Hände vom Berg“ auf dem Richtsberg Marburg. Es ist ein volkstümlicher Auftritt, der noch ein bisschen Tiefgang und ein breiteres Themenspektrum vertragen könnte.

Von seiner Facebook-Seite verlinkt Zachow auf seine Homepage unter www.marian-zachow.de. Dort geht‘s mehr zur Sache - und wer sich online einen Eindruck von den Ansichten des Kandidaten verschaffen will, bekommt an dieser Stelle mehr „Futter“. Zachow bietet einige Themen an und beleuchtet ausgiebig seinen Wahlkampf-Slogan. Zachows Homepage bietet zwar die Möglichkeit, Inhalte auf anderen Online-Angeboten wie Facebook oder Twitter zu teilen, eigene Accounts hat er aber nicht verlinkt. Auf Twitter ist er nicht zu finden.

Fazit: Richter-Plettenberg beweist bislang das beste Händchen für seinen Kandidaten-Auftritt online. Alles passt zusammen, die verschiedenen Angebote ergänzen einander sinnvoll. Bei McGovern fehlt es an Ordnung und Übersichtlichkeit, bei Zachow an Inhalten.

von Carina Becker

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