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Dr. Stefan Ruppert baut auf das Vertrauen

FDP Neujahrsempfang Dr. Stefan Ruppert baut auf das Vertrauen

Mehr für den eigenen Standpunkt eintreten und weniger analysieren, was andere falsch machen - das war einer der Impulse, die Dr. Stefan Ruppert der heimischen FDP gestern in Marburg gab. Seine Worte kamen an.

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FDP-Landesvorsitzender Dr. Stefan Ruppert sprach am Sonntag im Technologie- und Tagungszentrum in Marburg vor Zuhörern aus der heimischen FDP über Chancen für Deutschland. Rund 50 Liberale und Gäste aus anderen Parteien waren zum Neujahrsempfang gekommen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Die Möglichkeiten sehen statt der Risiken, die Chancen statt der Gefahren, Vertrauen schenken statt Misstrauen zu schüren – beim FDP-Neujahrsempfang am gestrigen Sonntag ging es vor allem um eine positive Grundeinstellung zur Politik und gegenüber den Menschen.

Der Jurist Dr. Stefan Ruppert, der sich selbst als engagierter Christ bezeichnet und zu seinen christlichen Überzeugungen auch immer wieder eine Brücke schlägt, ist neben seiner Arbeit als Geschäftsführer eines weltweit tätigen Unternehmens seit einem Jahr der ehrenamtliche Landesvorsitzende der FDP. In Marburg präsentierte er sich mitreißend in seiner Rede und zugleich sympathisch zurückhaltend. Bei der eher kleinen Zahl von 50 Zuhörer kam er gut an – immer wieder bekam er lauten Applaus für seine Ausführungen.

In seiner Festrede ging es um eine „Republik der Chancen“, um Deutschland, wo Demokratie und Freiheit den Menschen so viele Möglichkeiten böten wie kein anderes System – und wo zugleich viel öfter die Risiken als die Chancen einer freien Gesellschaft im Vordergrund stünden. Viele Menschen schürten in Deutschland die Ängste, statt Mut zu machen, sie bevormundeten, statt Vertrauen zu schenken, sagte Ruppert und hob ein ums andere Mal hervor, wie wichtig Vertrauen sei. Sein Wahlspruch: „Vertraue den Menschen und sie werden es dir danken.“ So auch in Fragen der Integrationspolitik.

„Wir sollten sie fragen, was sie für dieses Land tun wollen, ihnen unsere Sprache beibringen und sie in die Pflicht nehmen – ich bin sicher, dass wir sehr erfreuliche Ergebnisse bekommen“, sagte er zur Flüchtlingsdebatte und forderte eine „gesteuerte Zuwanderung neben dem „politischen Asylrecht“: „Ich will Menschen aus anderen Ländern, die hier ihre Perspektive, ihr Wissen einbringen, Menschen, die wir auf dem Arbeitsmarkt dringend brauchen und die uns helfen, den demografischen Wandel zu meistern.“

„Pessimistisch trotz hervorragender Ausbildung“

Ruppert sprach über eine Wohlstandsgesellschaft, in der ein „diffuses Unbehagen“ herrsche. „Viele Menschen denken nicht mehr in politischen Zusammenhängen, sie lassen sich von rechten Demagogen vereinnahmen, aber sie sind deswegen nicht gleich dumm oder alle Nazis.“ Die Demokraten müssten überzeugender werden in ihren Argumenten und ihre Gemeinsamkeiten betonen – ein anstrengender Dauerlauf stehe bevor, aber sonst träten andere mit ihren einfachen Ideologien an die Stelle der demokratischen Politik. Um Vertrauen geht es nach Rupperts Ansicht auch in der Bildungspolitik. Als Liberaler setze er sich für Schulvielfalt ein und auch für die Privatschulen, den Trend dazu sehe er allerdings kritisch. Wenn nur wenige besonders gefördert werden, dann „wird die Gesellschaft verkasten“.

Das staatliche Schulsystem müsse gerade für die Kinder Leistungsanreize setzen, denen zuhause nicht geholfen werden könne, anstatt sie „als zukünftige Arme zu bevormundend zu umsorgen“. Der Volksmund wisse, dass man aus Niederlagen lerne, das deutsche Schulsystem wolle davon zunehmend weniger wissen.

Ruppert forderte eine neue Diskussion über Qualität und Anspruch der Lehrinhalte statt über Schulformen. Er berichtete eingehend von einem Gespräch mit einer Schülergruppe, „ich war geschockt, wie pessimistisch sie trotz hervorragender Ausbildung in die Zukunft blickten“. In der Diskussion sei es nur um Bedrohungen gegangen, um Nachteile des Wachstums, um Umweltprobleme, Armut und Elend im reichen Deutschland. „Wir müssen aufhören, jungen Menschen schulisch Angst zu machen, ihnen das Vertrauen zu nehmen, durch Anstrengung eine gelingende Zukunft in die eigenen Hände nehmen zu können.“

Ruppert griff viele weitere Themen auf: die Rentenpolitik, die flexiblere Modelle zulassen müsse; das Steuersystem, das das mittlere Einkommen massiv benachteilige – den Menschen müsse mehr von ihrem Verdienst bleiben; den „neuen Antiamerikanismus“, vor dem er, bei aller berechtigter Kritik an der NSA, warnte: „Wir dürfen nicht vergessen, wessen Werte wir teilen.“ Und er ging auf die Herausforderungen ein, vor denen eine klein gewordene FDP steht: Die Partei werde sich davon nicht entmutigen lassen, sondern „mit den Menschen in im Gespräch sein“.

von Carina Becker

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