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Dr.-Sommer-Team für Sorgen von Jungs

Neues Angebot Dr.-Sommer-Team für Sorgen von Jungs

Am Universitäts­klinikum Gießen-Marburg (UKGM) gibt es ab sofort eine "Jungensprechstunde". Urologen widmen sich darin Sexualitäts- und Pubertätsfragen von Heranwachsenden.

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Welche Penisgröße ist normal? Wie benutzt man Kondome? Wie verändert sich der männliche Körper? Die Urologen Dr. Fabian Brüning (rechts) und Professor Axel ­Hegele haben am Universitätsklinikum eine Sprechstunde für jugendliche Männer zu Sexual- und Pubertätsaufklärung eingerichtet.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Professor Axel Hegele und Dr. Fabian Brüning wollen ihr Fachgebiet in Mittelhessen als „eine Art Gynäkologie für Männer“ etablieren. Die Mediziner erkennen bei Männern einen Informationsmangel rund um Gesundheitsthemen - die Folge: Kaum Bereitschaft für Vorsorgeuntersuchungen, einhergehend mit einem höheren Risiko, bisweilen folgenschwere Krankheiten über Jahre unerkannt in sich zu tragen. „Wir wollen für Männer die ärztlichen Begleiter werden, die Frauen schon längst haben“, sagt Hegele, stellvertretender Urologie-Chef am UKGM.

„Nach dem Wegfall der Musterung - Stichwort Hodenabtasten - gibt es für junge Männer keine routinemäßige urologische Untersuchung mehr“, ergänzt Brüning. Im Endeffekt stünden viele Patienten nicht mehr im Jugend- sondern erst im Alter von 50 Jahren in einer Facharztpraxis. Für die männlichen Patienten sei schon die Untersuchung an sich etwas „total Neues“ - und wenn sie dann eine Schocknachricht, etwa Hoden- oder Prostatakrebs ereile, „trifft sie das noch schlimmer, wirft sie das oft noch mehr aus der Bahn als ohnehin schon“, sagt Hegele.

Nicht zuletzt die Heilungschancen von Krankheiten hängen von der Früherkennung, von der Selbstverständlichkeit regelmäßiger Arztbesuche ab. Denn das, was für Frauen ab der Jugend Routine ist - wiederkehrende Untersuchungen beim Frauenarzt - gibt es in Mittelhessen für Jungen bisher nicht. Hegele und Brüning ändern das jetzt: In ihrer „Jungensprechstunde“, die für den Altersbereich zwischen 14 und 20 abgekoppelt von den schon existierenden Kinder- und Erwachsenensprechstunden ist, soll es um alle Facetten der Pubertät, zentral um Sexualfragen gehen. Die „schwierige Zeit vor dem Mannwerden“, wie Hegele sagt, müsse mehr Beachtung finden.

Untersuchungen würden Hemmung erhöhen

Denn: „Aufklärung geht an Jungs total vorbei.“ Für Mädchen und junge Frauen gebe es eine Fülle an Angeboten, aber Anlaufstellen für junge Männer, wo mit ihnen über Pickel, Schwitzen, Schamhaare, Unfruchtbarkeit durch Anabolikakonsum, gar über Penislänge und -breite oder den bevorstehenden ersten Geschlechtsverkehr geredet wird? „Fehlanzeige, Jungs werden mit allem alleine gelassen. Das sorgt letztlich für erschreckende Lücken schon beim Basiswissen wie Verhütung oder Geschlechtskrankheiten.“ Die Ärzte wollen mit Jungs Dinge aus dem sexuellen Alltag besprechen, mit ihnen etwa das Kondomaufziehen auf Bananen üben, Orientierungshilfen zur Geschlechtsteilgröße geben oder ihnen erklären, auf welche Auffälligkeiten sie beim Hodenabtasten unter der Dusche achten sollten.

Untersuchungen seien „keinesfalls das Primärziel“ der Sprechstunde. „Das würde ohne­hin nur Hemmungen erhöhen“, sagt Hegele. Es solle bei Gesprächen, Informationen, Beratung bleiben. „Alleine das, die Beantwortung von Fragen durch Menschen mit Fachkompetenz statt das Suchen im Internet oder Halbwissen von Schulhofgesprächen, ist ein wichtiger Schritt zur Krankheitsprävention, sensibilisiert für Früherkennung.“ Klingt alles weniger nach Arzt-Aufgaben, nach Medizin, als vielmehr nach Pädagogik? Brüning und Hegele nicken, doch soll die Sprechstunde in der Region das Fundament dafür legen, dass sich Männer perspektivisch verstärkt um Früherkennung kümmern.

Der Urologie hafte zwar das „für alte Leute-Image“ an, sagt Brüning, doch setze die Disziplin viel früher an. Ein Beispiel ist das medizinische Fernziel der Marburger: Sie wollen, wie in Sachsen bereits empfohlen, verstärkt Impfungen gegen humane Papillomviren (HPV) vor dem ersten Sex durchführen. Diese Viren können bei Frauen unter anderem Gebärmutterhalskrebs und Feigwarzen auslösen - und wird vor allem von jungen Männern beim Sexualkontakt, auch mit Kondom, übertragen.

von Björn Wisker

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