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Dr. Günther Lißmann: Lebensmittel sind bereits jetzt knapp

Argrarflächenverbrauch stoppen Dr. Günther Lißmann: Lebensmittel sind bereits jetzt knapp

Die Regale in den Supermärkten sind zwar voll, trotzdem fährt die Nahrungsmittelerzeugung auf Reserve, und die fruchtbaren Böden leiden darunter. Das muss aufhören, machte Dr. Günther Lißmann deutlich.

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In der Bundesrepublik Deutschland sind in den vergangenen 20 Jahren eine Million Hektar Agrarfläche unwiderruflich verloren­gegangen.

Quelle: Patrick Pleul/dpa

Roth. Verbrauch und Vernichtung von landwirtschaftlichen Flächen war Schwerpunktthema der vierstündigen Jahresmitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes (KBV) Marburg-Kirchhain-Biedenkopf, zu der am Samstagmorgen etwa 100 Teilnehmer im Bürgerhaus gekommen waren. „Wachsende Weltbevölkerung erfordert den konsequenten Schutz der Agrarflächen“ hieß der Vortrag, den Dr. Günther Lißmann, Dezernatsleiter Landwirtschaft beim Regierungspräsidium Kassel, dazu hielt.

Jedes Jahr gingen 7,5 Millionen Hektar und somit ein halbes Prozent der Agrarfläche weltweit verloren, mehr als die Hälfte dessen, was Deutschland zur Verfügung stehe. Schon jetzt liege deshalb und wegen der auf 7,2 Milliarden Menschen gewachsenen Weltbevölkerung die verfügbare Ackerfläche nur noch bei 2000 Quadratmetern pro Person. Auch in Deutschland seien in den vergangenen 20 Jahren eine Million Hektar unwiderruflich verlorengegangen. Ein ausreichendes Problembewusstsein für die immer knapper werdenden Bodenressourcen sei weder in Deutschland noch weltweit vorhanden, um eine Trendwende einleiten zu können, konstatierte Lißmann.

Kaum Lebensmittelreserven

Dabei gebe es bereits heute kaum Lebensmittelreserven. „Wir bewegen uns bei der Nahrungsmittelerzeugung auf einem schmalen Grat. Die niedrigen Lebensmittelpreise heute sind eine Ausnahme. In den vergangenen Jahren gab es gute Ernten“ erläuterte Lißmann (Foto: Schubert). Wenn es aber durch Trockenheiten oder Überschwemmungen zu Missernten käme und beispielsweise Hungersnöten in Afrika, dann würden die heutigen Flüchtlingszahlen nur noch „wie ein laues Lüftchen“ erscheinen, warnte Lißmann.

Deutschland sei, trotz bester Standortbedingungen für die Landwirtschaft, wegen ständig schrumpfender Agrarflächen Nettoimporteur von Agrargütern, also nicht mehr zur Selbstversorgung fähig. Das Problem sei, dass Ackerland relativ günstig zu haben sei und die Bauern finanziell nicht gegen Angebote von Baulandkäufern mithalten könnten. Er machte anhand einiger Beispiele von „Sündenfällen“ wie dem Flughafen Kassel-Calden oder dem Neubau eines Gewerbegebiets in Volkmarsen, obwohl nur vier Kilometer weiter in Breuna Gewerbefläche bereits vorhanden war, die Verschwendung bester Ackerflächen deutlich.

„Gebäude-Abwrackfonds“

Es gebe eine Menge Gewerbe- und Industriebrachen sowie leerstehende Wohngebäude. Mit einem „Gebäude-Abwrackfonds“ sollte deren Abriss und Bebauung dieser Flächen gefördert werden. Der Inanspruchnahme von in landwirtschaftlicher Nutzung befindlichem Acker- und Grünland für Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen sollte nur in unabwendbaren Einzelfällen zugestimmt und solche Flächen mit einer hohen Sonderabgabe belegt werden, schlug Lißmann vor. Er forderte den Schutz des Bodens durch gesetzliche Vorgaben, bisher fehlten solche weitgehend.

„Es muss ein gesamtgesellschaftliches Interesse geben, die Agrarflächen für den mit dem Bevölkerungswachstum wachsenden Nahrungsmittelbedarf umfassend zu schützen. Lebensdienlich ist nicht eine kurzatmige Renditekultur, sondern eine Wirtschaftskultur, die Überlebensfähigkeit auch für Enkel und Urenkel nachhaltig sichern kann. Dazu gehört der konsequente Agrarflächenschutz und eine Mindest-Selbstversorgung im eigenen Land“, schloss Lißmann.

von Manfred Schubert

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