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Dorfladen soll Ortsmittelpunkt werden

Michelbach Dorfladen soll Ortsmittelpunkt werden

Seit 2003 gibt es den Dorfladen in Michelbach, seit 2014 wird er von der „Lebensmittelpunkt gGmbH“ betrieben, einer hundertprozentigen Tochter­gesellschaft des Lebens­hilfewerks Marburg-­Biedenkopf.

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Michelbachs Ortsvorsteher Peter Aab (von links), Lebenshilfewerk-Vorstand Roland Wagner und ­Filialleiterin Bettina Bergmoser wollen den Dorfladen weiterentwickeln

Quelle: Till Conrad

Michelbach. Der „Lebensmittelpunkt“ ist Francisenehmer der tegut-Gruppe. Wichtiger aber: Der „Lebensmittelpunkt“ ist eine Integrationsfirma. Sie hat sich verpflichtet, 40 Prozent der Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Sie sind sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, die nach den für alle geltenden Bestimmungen des Arbeitsrechts beschäftigt werden, erläutert Roland Wagner, der Vorstand des Lebenshilfewerks Marburg-Biedenkopf. Auf diese Weise wurden an den beiden Standorten in Michelbach und am Ortenberg im Zentrum für Psychische Gesundheit elf Arbeitsplätze geschaffen. Kommende Woche eröffnet ein dritter Laden am „Platz der Weißen Rose“ im Stadtwald.

Wagner spricht von einem „einzigartigen Unternehmensmodell“: Das Integrationsunternehmen muss sich den Gesetzen des Marktes stellen, ­also marktorientiert handeln, und gleichzeitig seinen inklusiven Kern bewahren. „Und unsere Mitarbeiter empfangen nicht nur Hilfe, sondern arbeiten sozialversicherungspflichtig und engagieren sich für den Erfolg unseres Modells.“

Ende des vergangenen Jahres gab es in Hessen etwa 50 Integrationsunternehmen mit insgesamt etwa 2100 Mitarbeitern mit und ohne Behinderung.

Einen „wichtigen Beitrag zur örtlichen Nahversorgung“ leiste das Dorflädchen in Michelbach, lobt Ortsvorsteher Peter Aab (SPD). Der Ortsbeirat habe sich für den Wechsel des Betreibers (tegut) und der Trägerschaft Lebenshilfewerk eingesetzt, sagt der Ortsvorsteher. Er hofft, dass das Konzept in Michelbach langfristig angenommen wird. „Mit unserem Vollsortiment von fast 4000 Artikeln können wir die meisten Bedürfnisse erfüllen“, glaubt Wagner, der dennoch mit der Resonanz in Michelbach nicht ganz zufrieden ist: „Viele Kunden kommen, um das einzukaufen, was sie woanders vergessen haben.“ Er hofft, dass mehr und mehr Menschen dazu übergehen, auch ihren Wochenendeinkauf in Michelbach zu erledigen. „Bei uns gelten die gleichen Preise wie in allen tegut-Märkten“, sagt Filialleiterin Bettina Bergmoser.

Um attraktiver für die Bevölkerung zu werden, hat das „Lädchen“ seine Öffnungszeiten ausgeweitet, sodass Kunden auch nach Feierabend einkaufen können - bis 19 Uhr.

Wagner verweist auf eine Umfrage der IHK aus dem Jahr 2014, in der festgestellt wurde, dass Dorfläden, wie der in Michelbach, dann gut laufen, wenn auch die Dorfgemeinschaft gut ist.

Daran sollte es in Michelbach nicht scheitern, sagt Ortsvorsteher Aab, der zugleich feststellt, dass der Dorfladen zur Attraktivität Michelbachs als Wohnort beiträgt.

Das Lebenshilfewerk hat ein Drei-Säulen-Konzept erarbeitet, mit dem es die Attraktivität des Ladens noch steigern will:

Kerngeschäft ist natürlich der Verkauf von Lebensmitteln, Drogerieartikeln, Zeitungen und Zeitschriften.

Als besondere Dienstleistung bietet der „Lebensmittelpunkt“ eine Poststation, eine Bäckereifiliale und die Verkaufsstation einer Landmetzgerei an.

Der Dorfladen möchte gerne zum Dorfmittelpunkt werden. „Die Bevölkerung soll hier zwanglos bei einer Tasse Kaffee zusammenkommen“, wünscht sich Wagner. Und Aab ergänzt, dass er Bemühungen unterstütze, im Rahmen der Dorferneuerung die Außenanlage vor dem Lädchen für einen solchen Mittelpunkt attraktiver zu gestalten.

von Till Conrad

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