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Dorf-Fans planen Alten-Siedlung

Zukunft der Außenstadtteile Dorf-Fans planen Alten-Siedlung

Horst Wiegand prescht mit einer Idee vor, die in Ginseldorf Zuspruch findet. Mit privaten Investoren will er am Ortsrand eine Wohnanlage für Dorf-Fans aus dem Boden stampfen.

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Auf Suche nach geeignetem Bauland in Ginseldorf: Horst Wiegand will gemeinsam mit anderen Investoren eine Generationen-
Residenz im 830 Einwohner zählenden Ortsteil aus dem Boden stampfen. Mehrere Flächen kommen in Betracht. Foto: Björn Wisker

Ginseldorf. Nach OP-Informationen kommen fünf Grundstücke für das neue Baugebiet in Frage. Darunter eine 10 000 Quadratmeter große Wiese nahe des Gunzelinwegs, eine Fläche an der Kreisstraße direkt vor dem Ortseingang aus Richtung Bauerbach, ein Ex-Bauernhof im Dorfkern am Unteren Ohmweg, eine Trasse in Verlängerung des Schönbacher Wegs sowie ein Gebiet nahe des Enserwegs. Wiegand bestätigt nur, dass „mit mehreren Eigentümern verhandelt wird“. Geschäftemacher, die ihm schon Flächen an den Ortsrändern angeboten haben, weist er zurück. „Zu Millionären können und werden wir keinen machen“, sagt Wiegand. Wie auch diejenigen, die in der neuen Siedlung leben und altern wollen, hoffe er auch bei den Grundstücks-Eigentümern auf ein Herz für die Dorfgemeinschaft.

Acht bis zwölf Wohneinheiten - etwa ein halbes Dutzend Häuser - sollen hochgezogen werden. Alle zwischen 80 und 120 Quadratmetern. Die restliche Fläche soll Bauland für Familien aus dem Ort werden. Sechs Familien haben dafür schon Interesse angemeldet. „Leute, die wichtig für diesen Ort sind, die ich nicht ziehen lassen möchte“, sagt Wiegand ,der auch Ortsvorsteher ist. Zuletzt seien einige in Richtung Ebsdorfergrund abgewandert, damit soll Schluss sein im 830 Einwohner zählenden Ginseldorf. Und die Generationen-Siedlung soll ihren Beitrag dazu leisten, als Pilotprojekt für die anderen Außenstadtteile. Die Stadtverwaltung sendet positive Signale für das Projekt: Im Zuge der Stadtentwicklung sieht sie kaum Probleme auf den in Frage kommenden Flächen.

Projekt-Initiator Wiegand liegt bereits ein Planungs-Angebot eines Architekten aus Schwalmstadt vor. 7000 Euro verlangt dieser für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie - inklusive eines 3D-Modells, um das mögliche Aussehen der Häuser und deren Größe sowie Lage - zeigen. Problem: Die Kosten für diesen Schritt können die Privatleute nicht alleine stemmen. Deshalb hoffen Wiegand und Co. auf die Stadtverwaltung, auf die Kommunalpolitiker. Die Hoffnung ist, dass die 7000 Euro in den Haushalt 2014, der aktuell zur Abstimmung vorbereitet wird, aufgenommen werden und der Betrag für die Studie somit aus der Stadtkasse getragen wird.

Wiegands Vorstoß fußt auf de Ergebnissen einer Umfrage in Ginseldorf, die sich Fragen zur Zukunft des Stadtteils widmete. Wiegand platzierte eine Frage zum Wohnen im Alter in dem Fragenkatalog. Resultat: Die grundsätzliche Akzeptanz für ein Generationen-Wohnprojekt ist vorhanden. 20 Einwohner hätten demnach Interesse angemeldet. Schon jetzt haben sich vier Mitstreiter, die in eine Wohnanlage investieren wollen, gefunden. Acht bis zwölf Kleinfamilien sollen es auf den rund 10 000 Quadratmetern werden.

Wiegand wirbt um Einwohner aus Bauerbach. „Für uns und unsere Nachbarn könnten wir hier etwas für den Eigenbedarf schaffen“. Es gehe bei der Siedlung nicht um eine Vergrößerung des 830 Bewohner zählenden Orts. Die Investoren eine vor allem der Wunsch, im Alter nicht in die Kernstadt gezwungen zu werden. Ginseldorf gehöre immerhin nicht zu den abgehängten Regionen, es lohne sich, dort alt zu werden. Wiegand: „Es gibt einen Dorfladen, also eine Einkaufsmöglichkeit. Die Busanbindung ins Zentrum, einmal in der Stunde, ist in Ordnung.“ Auf den Lahn-bergen, am Klinikum sei man im Nu, was gerade für Ältere wichtig wäre. Und 2014 beginnen die Arbeiten für das Glasfasernetz, um Turbo-Internet in den Ort zu bringen. „Dorf - das ist auch eine Identitätsfrage“, sagt er.

Die Machbarkeitsstudie sei für alle aktuellen sowie zukünftigen Investoren unerlässlich, um über genaue Kosten und Aussehen Bescheid zu wissen. Vorher stocke jede Planung. Auch danach, wie ein Betreuungsangebot, etwa die Pflege organisiert werden könnte. „Die Frage stellt sich aber eh noch nicht, die meisten Interessenten sind um die 60 und noch sehr fit“, sagt Wiegand.

Den Älteren werden die Familienhäuser zu groß

Billig werde der Bau einer neuen Siedlung nicht. Daher gehe es den privaten Investoren vor allem darum, die eigenen großen Häuser loszuwerden. Dutzende haben vor 20, 30 Jahren gebaut - auf 800, 900, 1000 Quadratmetern. Sind die Kinder aus dem Haus, stehen Zimmer leer, die Pflege von Haus und Garten werde Jahr für Jahr anstrengender. „Keinem fällt es leicht, seine eigene Immobilie zu verkaufen, da hängen Erinnerungen, da hängt Leben dran. Aber es wird wohl nur so gehen, um sich in das neue Heim einzukaufen“, sagt Wiegand.

von Björn Wisker

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