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Diebes-Sextett geht auf Langfingertour

Aus dem Landgericht Diebes-Sextett geht auf Langfingertour

Über mehrere Monate sollen sechs polizeibekannte Diebe in Firmen und Privathäuser eingebrochen sein und tausende Euro zusammengestohlen haben. Gestern begann der Prozess vor dem Marburger Landgericht.

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Sechs Angeklagte standen wegen mehreren Einbrüchen vor dem Landgericht Marburg.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es wurde eng am vergangenen Mittwoch im Schwurgerichtssaal des Landgerichts: Sechs Angeklagte und sieben Verteidiger füllten die Anklagebänke – ganze Aktenberge den Richtertisch.

Über ein Dutzend Fälle von Bandendiebstahl, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung und weiterer Straftaten wirft die Staatsanwaltschaft den Männern vor. Die sechs Angeklagten, alle zwischen 32 und 72 Jahre alt, stammen aus Offenbach, Mainz, Dortmund und Frankfurt, sind zum Teil miteinander verwandt.

Einbrüche in Wetter und Biedenkopf

Regelmäßig sollen sie zwischen Juli und November 2013 an unterschiedlichen Orten in Hessen und Rheinland-Pfalz mit weiteren, noch unbekannten Komplizen auf Diebestour gegangen sein – darunter die Städte Wetter und Biedenkopf.

Die Einbrüche verliefen dabei stets ähnlich: während ein Beschuldigter als Fahrer fungierte, die Kumpane zu dem zuvor ausgekundschafteten Objekt brachte und planmäßig im Fluchtwagen wartete, sicherten andere Mitglieder der Bande die Umgebung ab.

Alarmanlagen ausgeschaltet

Weitere Täter hebelten mit diversen mitgeführten Werkzeugen – Stemmeisen, Winkelschleifer oder Schraubendrehern – die Fenster der Gebäude auf. Im Inneren stellten sie die Einrichtung auf den Kopf, durchsuchten die Räume, brachen Tresore, Stahlschränke und -türen auf und demolierten das Mobiliar. Alarmanlagen und Bewegungsmelder schalteten sie vorher aus, verständigten sich mit mitgebrachten Funkgeräten.

Auf diese Weise erbeuteten sie mal geringere, mal erhebliche Summen Bargeld sowie Schmuck, wertvolle Taschen, Schreibsätze oder Digitalkameras. Nachdem die Polizei der Bande auf die Schliche kam, die Telefone der Mitglieder abhörte, GPS und Kommunikation verfolgte, konnten die Männer überführt werden. Diese sind zum Teil keine Unbekannten vor Gericht und haben bereits einschlägige Vorstrafen.

Während einer vorangehenden Verständigung, eine gängige Verfahrensweise vor Gericht über den vermutlichen Prozessausgang, kamen die Beteiligten bereits zu dem Schluss, dass für einige der Beschuldigten eine Bewährungsstrafe wahrscheinlich „nicht mehr möglich sei“, teilte der Vorsitzende Richter Gernot Christ mit.

Bewährungsstrafe nach Geständnis

Diese Chance haben lediglich drei der Angeklagten, für diese stellte die Kammer nach Zustimmung der Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen in Aussicht. Jedoch nur, „wenn sie Ross und Reiter nennen“, gegen ein „qualifiziertes, glaubhaftes Geständnis“ als Strafmilderungsgrund. Den Deal nahmen die drei gerne an, die folgenden Aussagen kamen jedoch eher stockend daher.

Ein Konsens der geständigen Täter: zu den Einbrüchen sahen sie sich aufgrund finanzieller Probleme gezwungen, machten mit, „um die Finanzen aufzubessern“. Die Diebestouren wurden jedoch angeblich nicht von langer Hand und nicht direkt von ihnen selber geplant. Vor jedem Einbruch wurden sie von wieder anderen Bekannten angesprochen, ob sie „mithelfen“.

Der unbekannte Dritte zieht die Fäden

Den Großteil der Organisation übernahm dabei „ein Anderer“, dessen Namen er nicht kenne, teilte unter anderem der 32-Jährige mit. Der unbekannte Dritte hatte die Fäden in der Hand, „er war der Handlanger“, betonte auch Verteidiger Axel Kollbach. Die Planung und Rekrutierung von Helfern fand scheinbar in einem bekannten Café in Offenbach statt.

Meist wurde ein großer, kräftiger Komplize gesucht, „der was tragen kann“. Während der oft mehrstündigen Fahrten zum nächsten Objekt wurden weitere Mitglieder eingesammelt, die jeweiligen Aufgaben vor Ort besprochen, und die Beute wurde in der Regel während der Rückfahrt aufgeteilt.

Drei der Täter legten umfassende Geständnisse ab. Eventuell werden ihre Verfahren von denen der angeblichen Komplizen abgespalten und zügig beendet. Der vierte Mann bestritt einen Teil der Taten, zwei der älteren Angeklagten äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

Die ersten Zeugen in dem umfangreichen Prozess sollen am 18. März gehört werden.

von Ina Tannert

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