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Diebe verschonen Kinderräder nicht

Kriminalität Diebe verschonen Kinderräder nicht

Diebe klauen einem Jungen (2) und Mädchen (10) die Fahrräder. Die Familien sind bestürzt darüber, dass Verbrecher nicht mal mehr Kinder verschonen. Marburgs Polizei jagt jährlich Dutzende Täter.

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Der Bolzenschneider dient beim Fahrraddiebstahl als Schloss-Knack

Quelle: Archivfoto

Marburg. An die Trauer in Lukas‘ Gesicht erinnert sich seine Oma Irmgard Küster (80) genau. Der Zweijährige hat seinen besten Freund verloren. Lukas wurde Opfer von Verbrechern. Nachdem er auf einem Spielplatz tobte, klauten ihm Diebe sein Lieblingsspielzeug, das neue Laufrad der Marke „Best Friend“. Irritation, Trauer, Ärger herrschen bei der Familie. „Wer beklaut denn ein kleines Kind? Das ist absolut dreist“, sagt Küster. Sie kann es nicht fassen, dass Kriminelle nicht mal mehr vor Kindern Halt zu machen scheinen. Die 80-Jährige begleitet Lukas stets zum Spielplatz, weiß, wie vernarrt er in das blaue Laufrad war. Und wie traurig er über den Verlust ist. Ähnlich wie Lukuas und Familie Küster geht es einem zehnjährigen Mädchen vom Ortenberg. Unkekannte klauten ihr an der Brüder-Grimm-Schule den silbernen City-Roller - sie knackten das massive Spiralschloss, das an einem Abstellbügel festgekettet war.

164 angezeigte Fahrraddiebstähle in 2012

Keine Einzelfälle: Jedes Jahr werden die Räder Dutzender Marburger geklaut. Die Polizei treibt das Thema seit Jahren um. 164 Anzeigen wegen Fahrraddiebstahls gingen im vergangenen Jahr bei den Sicherheits-behörden ein. 2011 waren es 217 und weitere 155 ein Jahr zuvor. Zwischen zwei und drei Prozent aller Straftaten in Stadt und Landkreis entfallen auf den Diebstahl von Zweirädern. In Studentenstädten sind Fahrräder seit jeher besonders beliebte Diebesgüter. In Fahrradhochburgen wie Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) oder Münster (Nordrhein-Westfalen) verzeichnen die Behörden noch deutlich mehr Vorfälle, bundesweit ist jeder siebte Diebstahl einer von Fahrrädern. Besonders beliebt bei Dieben seien Abstellplätze an den Bahnhöfen, am Aquamar oder Sportstätten. Oder Seitenstraßen und Hofeinfahrten, wie Küster weiß: „In der Uferstraße wurden in den letzten Jahren immer wieder viele gestohlen, uns alleine vier, fünf Stück“.

Um Verbrechern ihr Handwerk zu erschweren, werben Polizei und Radverbände daher für eine flächendeckende Codierung. „Ein Dieb scheut vor allem einen hohen Zeitaufwand bei der Tat und individuelle Erkennungsmerkmale“, sagt Martin Ahlich, Polizeisprecher. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Hessen setzt mittlerweile auf ein neues Codierungs-System: Ein sogenannter QR-Code wird auf den Rahmen gestanzt, der per Smartphone gescannt werden kann. Ist das Rad gestohlen gemeldet, schlägt ein Programm Alarm. Zudem hilft ein neues Internetportal den Verbrechensopfern beim Wiederfinden der Fahrzeuge. Der Name: Fahrradjäger.de. Derzeit sind dort in und um Marburg zwei Mountainbikes mit Foto und Detailbeschreibungen als gestohlen eingetragen.

Aufklärungsqoute ist gering

Die Chance, dass die Räder wieder auftauchen oder von der Polizei gefunden werden, ist gering. Das belegen die Aufklärungsquoten. „Wenn wir Räder überprüfen ist es schwierig festzustellen, ob es sich dabei um gestohlene handelt, da keine individuellen Fahndungsmerkmale bereit stehen“, sagt Ahlich. Um einen Dieb zu erwischen, benötigt die Polizei spezielle Angaben, etwa die Gestellnummer. Im Internet auf www.polizei-beratung.de können Radfahrer eine digitale Broschüre herunterladen, um sich weitere Sicherheitstipps zu holen.

Lukas versucht sich mittlerweile auf einem alten, notdürftig geflickten Ersatzrad, Mit diesem kommt er kaum zurecht. Küster hofft, dass die Diebe doch ein Herz haben und Lukas das Rad zurückgeben.

von Björn Wisker

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