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Die vielfräßige Sonnenfreundin

Saisongarten Die vielfräßige Sonnenfreundin

Der Klimawandel arbeitet für die Marburger Tomaten - noch ziehen sie aber ein Gewächshaus dem Gartenbeet vor. Der damit verbundene Aufwand jedoch lohnt sich.

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Auf solche Tomaten dürfen auch Gewächshausbesitzer im Landkreis sicher hoffen.

Quelle: Andrea Warnecke

Marburg. Die mit großem Abstand meisten Tomaten, die hierzulande gegessen werden, kommen aus Spanien. Genauer aus dem Süden Spaniens, dort wo es sehr heiß ist. Das kommt den wärmeliebenden Nachtschattengewächsen entgegen. Allerdings haben die Tomaten auch reichlich Durst, weshalb sie überall angebaut werden dürften, aber nicht im Süden Spaniens, der trockensten Region Europas.

Schon deshalb wäre es viel besser, die Tomaten im eigenen Garten groß zu ziehen. Ohne ein Dach über dem Kopf sind in unseren Breitengraden allerdings die Aussichten auf rote Tomaten eher gering - und bis der Klimawandel daran etwas ändert, dauert es eben noch ein paar Jahre.

Also doch ein Gewächshaus, womit sich der Hobbygärtner die Voraussetzungen schafft, um die komplette Aufzucht, vom Samenkorn bis zur körbeweisen Ernte, übernehmen zu können.

Es geht aber auch eine Nummer kleiner. Im Fachhandel gibt es sogenannte Tomatenhäuser, die sehr viel kleiner und in der Regel auch nur halbe Häuser sind. Sie schirmen die Pflanzen nach drei Seiten gegen den Wind und nach oben gegen den Regen ab. Die offene Seite sollte nach Süden ausgerichtet werden, damit möglichst viel Sonne an die Tomatenpflanzen gelangen kann. Vor einer nach Süden ausgerichteten, geschützten Hauswand wäre ein guter Ort für ein solches Tomatenhaus. Bietet die Südwand des Hauses einen guten Witterungsschutz, könnten die Tomaten hier aber auch in großen Töpfen oder Eimern ein aussichtsreiches Plätzchen finden. So ist auch ein in Teilen überdachter Balkon keine schlechte Adresse für die „mobilen“ Tomaten.

Blätter trocken halten und die Pflanze gut belüften

Den gewaltigen Durst der Paradiesäpfel stillt man am besten mit abgestandenem Regenwasser. Das hat in der Regel schon die Umgebungstemperatur, versetzt vor allem die empfindlichen Jungpflanzen also nicht in einen Schock. Wichtig beim Gießen ist, dass die Blätter möglichst trocken bleiben. Andernfalls droht, vor allem im Gewächshaus, früher oder später die sogenannte Krautfäule. Gegen die Pilzerkrankung hilft vorbeugend eine gute Belüftung - damit die feuchten Blätter zügig abtrocknen können - und behandelnd ein Fungizid, das gespritzt wird.

In jedem Fall müssen die betroffenen Pflanzenteile so schnell wie möglich entfernt werden. Zu erkennen ist dies etwa an welkenden Blättern, die auch nicht auf dem Kompost landen sollten, weil sich der Erreger hier hält und später weiter verbreitet wird. Sind auch Früchte davon betroffen, müssen auch sie entsorgt werden.

Damit der Boden um die Tomaten nicht so schnell austrocknet, empfiehlt sich eine dünne Mulchschicht aus Brennnesselblättern. Die versorgen den Boden, wenn sie langsam verrotten, mit zusätzlichen Nährstoffen.

Deshalb lohnt es sich auch, eine Tonne mit Brennnesseljauche anzusetzen, die mit zehn Teilen Wasser verdünnt ein ausgezeichneter Flüssigdünger ist.

Ansonsten deckt man den Hunger der Tomaten schon vorbeugend mit einer reichlichen Kompostgabe. Auch abgelagerter Pferdemist verleiht den Pflanzen einen richtigen Schub. Aber Achtung! Im Gewächshaus reichen drei Meter Giebelhöhe mitunter nicht aus. Das kann zum einen zu leichten Schwierigkeiten bei der Ernte führen, zum anderen stellt es die Standfestigkeit der Tomaten vor ernste Probleme.

Mit anderen Worten: ohne Stütze geht es nicht. Der Handel bietet dafür spiralig gewundene Metallstäbe, die fest im Boden stecken müssen, weil ansonsten die Tomatenpflanze mit dem Rankstab umkippt. Im Gewächshaus kann diese Stütze auch in Form eines Bindfadens von oben kommen. Der wird innen am Dach befestigt und dann um den Haupttrieb der Tomate gewickelt. Diese Wicklung muss mit zunehmendem Wachstum immer wieder aktualisiert werden, ansonsten knickt der obere Teil später ab, wenn die Früchte schwerer werden.

Nachtfrost ist der Feind

Außer bei Cocktailtomaten werden die in den Blattachseln sich bildenden Seitentriebe ausgebrochen. Dieses Ausgeizen hält die Pflanzen luftig, hilft also auch gegen die Krautfäule.

Das ist auch der Zeitpunkt, an dem die Ernte näher rückt, der wir schon seit Wochen entgegenfiebern. Aber wir widerstehen der Versuchung, die noch gelborange Frucht vom Stengel zu ziehen. Diese Tomate würde nicht anders schmecken als die aus dem Supermarkt. Wir aber wollen den vollen Tomatengeschmack. Den gibt es nur bei vollreifen Früchten.Wer sich nicht die Mühe machen will, die Pflänzchen aus Samen groß zu ziehen, findet im Handel ab April ausreichend junge Pflänzchen. Allerdings ist die Anzahl der Sorten, die hier zu kaufen sind, überschaubar. Wer sich an die Samen gibt, dem steht eine riesige Auswahl offen, die auch farblich nicht auf rot begrenzt ist. Die Tomaten gibt es nämlich auch in gelb und violett.

Wer ausreichend Platz hat, kann sich so eine Auswahl unterschiedlicher Sorten in den Garten holen, zu denen dann auch einige Fleisch- und Cocktailtomaten zählen sollten.

Tomaten lieben aber nicht nur die Wärme, sie vertragen auch keine Kälte. Deshalb sollte mit dem Umzug in den Garten zumindest bis Mitte Mai gewartet werden. Wer seine Pflanzen in Töpfen zieht, kann auch schon früher an die frische Luft mit ihnen, sollte in kälteren Nächten mit Temperaturen unter 5 Grad aber eine Rückkehr ins Haus offen halten. Entsprechendes gilt für den Herbst.

Wenn im Oktober die ersten Nachtfröste anstehen, ist es mit der Tomatenherrlichkeit vorbei. Man kann dann getrost alle Tomaten ernten und die grünen entweder im Haus nachreifen lassen oder eine leckere Marmelade aus ihnen kochen.

von Frank Rademacher

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