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„Die reinigende Kraft des Gesprächs“

Verein "Wildwasser" „Die reinigende Kraft des Gesprächs“

„Sexualisierte Gewalt ist noch immer in ganz vielen Formen Teil unserer Gesellschaft“, sagt Lisa Uhlig: eine ungewollte Berührung hier, ein sexuell übergriffiger Kommentar dort und später auch viel Schlimmeres.

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Die Erziehungswissenschaftlerin Lisa Uhlig ist eine von derzeit drei Frauen bei „Wildwasser“, die Kindern und Frauen im Fall von sexueller Belästigung weiterhilft.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Dabei gebe es auch heute hartnäckige Vorurteile, etwa dass die Täter nur Männer wären, oder dass viele Mädchen das ja so wollten. Und natürlich werde auch viel verdrängt oder es gebe Widerstände gegen eine Aufarbeitung, erklärt Lisa Uhlig, die zum Team von „Wildwasser“ gehört, einer Einrichtung, die sich der Opfer, aber auch achtsamer Angehöriger annimmt.

Am Freitag feiert der Verein 30-jähriges Bestehen, und natürlich hat sich seit 1986 viel getan. „Damals arbeiteten sieben selbst betroffene Frauen ehrenamtlich zusammen, um anderen Opfern zu helfen, sie richteten eine Fotoausstellung zum Thema sexueller Missbrauch aus, und daraus entstand dann der Verein ,Wildwasser‘. Der Name steht einerseits für den mitreißenden Strudel aus Angst und Scham, aber andererseits auch für die reinigende Kraft des Gesprächs und die Stärke der Opfer, die sich öffnen“, erklärt Uhlig.

Die Gespräche mit den Erziehungswissenschaftlerinnen und Pädagoginnen sind kostenlos, es geht um Beratung, Aufklärung und natürlich Unterstützung beim weiteren Vorgehen. Kommen darf jede und jeder ab zwölf Jahren, natürlich auch Angehörige oder besorgte Freunde eines potenziellen Opfers. Lediglich erwachsene männliche Betroffene müssen derzeit noch an einen der 130 Ableger in Gießen verwiesen werden, da dort auch männliche Berater tätig sind. „Es soll sich wirklich jeder zunächst in seinen Sorgen ernst genommen fühlen, das kann auch ein Nachbar sein, dem das bedenkliche Verhalten einer Kindergärtnerin aufgefallen ist“, erklärt Uhlig.

In den 30 Jahren gab es natürlich die unterschiedlichsten Fälle. Neben den tragischen Klassikern wie Missbrauch durch Kirchenvertreter oder grapschende Lehrer auch viele zunächst harmloser erscheinende Fälle auf Freizeiten und immer mehr Missbrauch von Bildern in sozialen Netzwerken.

Haltlose Vorwürfe aus niedrigen Beweggründen mussten die Beraterinnen glücklicherweise bis heute nicht erleben. Mittlerweile gibt es bei „Wildwasser“ neben den Gesprächen auch Selbsthilfegruppen, und kürzlich wurde das Programm um das Angebot „Traumasensibles Yoga“ erweitert.

Der Verein kann auf zahlreiche Unterstützer bauen, darunter die Stadt Marburg, das Bistum Fulda, das rigoros auch gegen interne Fälle vorgeht, Spender und natürlich ehrenamtliche Helfer.

von Marcus Hergenhan

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