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Die neue Generation mischt mit

Ostermarsch Die neue Generation mischt mit

Die Redner der Marburger Osterdemonstration machten den Westen für die Eskalation des Konflikts in der Ukraine verantwortlich. Aber auch lokale Themen standen am Ostermontag im Mittelpunkt der Kundgebungen.

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Fast 150 Osterspaziergänger demonstrierten für Frieden und gegen Militarismus. Einer davon war Dr. Friedrich Martin Balzer (rechtes Bild), er war viele Jahre das Gesicht der Marburger Friedensbewegung. Balzer sprach über die „Expansion des Westens“, warnte vor einer neuen brandgefährlichen Situation in Europa.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg . Klara Kirchner hält das Mikrofon nicht nah genug an ihren Mund. Sie solle lauter reden, fordern einige der fast 150 Teilnehmer des „Osterspaziergangs“. Für Klara Kirchner ist die Veranstaltung eine doppelte Premiere: Zum ersten Mal nimmt die 22-Jährige, die im zweiten Semester Politikwissenschaft studiert, an einem Ostermarsch teil, zum ersten Mal hält sie eine Rede vor einem Publikum von teils älteren, erfahrenen Friedensaktivisten. Die junge Frau fordert vor dem Hörsaalgebäude - der ersten Station des Osterspaziergangs - eine Selbstverpflichtung der Philipps-Universität für friedliche und zivile Forschung durch die Einrichtung einer Zivilklausel. „Forschungsergebnisse dürfen nicht für Rüstungszwecke genutzt werden“, sagt sie.

Westliche Haltung kritisiert

Seitdem bekannt wurde, dass das US-Verteidigungsministerium auch an die Marburger Universität Forschungsgeld zahlte, gibt es an der Hochschule eine Debatte über die Einführung einer Zivilklausel. Die Luftwaffe förderte ein Grundlagenforschungsprojekt, in dem es unter anderem um Navigationsfähigkeiten von ­fliegenden Insekten ging. Die Auftraggeber erhofften sich von dem Projekt ­Erkenntnisse über die bessere Lenkung von Drohnen, was aber letztlich nicht der Fall war (die OP berichtete). „Drittmittel dürfen nicht für kriegstreibende Wissenschaft verwendet werden“, sagte Matthias Schröder, ebenfalls Politik-Student. Auch er sprach zum ersten Mal auf einem Ostermarsch. Ob er sich als Pazifist bezeichnet? Im Gespräch mit der OP erklärte der 24-Jährige: „Sozialist trifft es besser. Es ist besser, die sozialen Verhältnisse zu ändern, als zu sagen, dass sich alle lieb haben sollen“, sagte er. Weit kämpferischer zeigte sich Dr. Friedrich Martin Balzer, der langjährige Sprecher des Marburger Friedensforums. Er rückte vor allem die Krise in der Ukraine in den Mittelpunkt seiner Rede. Balzer begann mit der Reichspogromnacht und warnte vor einem neuen Weltkrieg. Vor allem aber kritisierte er die westliche Haltung zur Krise in der Ukraine. Angesichts der „expansiven Politik des Westens“ sei Wladimir Putins Haltung verständlich. Russland sehe dies als Bedrohung.

Rund 150 Menschen schlossen sich am Ostermontag dem Friedensmarsch durch die Marburger Innenstadt an. Treffpunkt war am Bahnhof. Danach ging es weiter zur E-Kirche, durch die Biegenstraße und schließlich zum Hörsaalgebäude, wo die erste Kundgebung stattfand (Fotos: Michael Hoffsteter)

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„Legt den Brandstiftern in den USA das Handwerk (...). Stellt Euch auf die Seite der diskriminierten Russen und anderer Minderheiten in der Ukraine“, sagte Balzer. „Wir haben die Nase voll von Krim‘s Märchen.“ Mitorganisator Pit Metz vom Marburger Bündnis „Nein zum Krieg“ verlangte von der Bundesregierung den „aktiven Einsatz für Frieden und Abrüstung“. Wer die pazifistische Grundeinstellung als naiv und blauäugig belächle, dem stelle er die Gegenfrage: „Habt ihr denn die Politik friedlicher gemacht mit eurer Politik der Härte?“ Auch Metz warf einen Blick auf die Situation in der Ukraine und forderte diplomatische Verhandlungstaktik statt „Panzerkettenrasseln“. „Auch Putin sollte unterstellt werden, dass er kein Interesse an einer militärischen Eskalation hegt“.

Erneut forderten die Osterspaziergänger den Abbau des Denkmals der Kameradschaft Marburger Jäger, das auf einem Privat-Grundstück in Bortshausen steht. Im Schülerpark sollte eine Erinnerungstafel für die Opfer der Marburger Jäger aufgestellt werden, forderte Metz. Dort sprachen auch Karsten Engewald von der „Bürgerinitiative gegen das Kriegsdenkmal in Bortshausen“ und der Bundestagsabgeordnete der Linke Wolfgang Gehrcke.

Einer, der seit rund 40 Jahren regelmäßig an Ostermärschen teilnimmt, ist Robert Sabo (60). Dass diesmal so viele Studenten und damit junge Menschen an der Veranstaltung teilnahmen, freute ihn ebenso wie Metz.

von Anna Ntemiris

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