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Die "letzten Zeugen" einer schweren Zeit

Klassentreffen zum 70-jährigen Schulabschluss Die "letzten Zeugen" einer schweren Zeit

70 Jahre ist es her, dass die Schüler von Klassenlehrer Obermann ihren Volksschulabschluss machten. Noch heute treffen sie sich an ihrer alten Schule.

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Die Absolventen der „Klasse Obermann“ trafen sich samt Frauen 70 Jahre nach ihrem Schulabschluss mit Schulleiter Claus Schäfer (hinten links) und Stadträtin Kerstin Weinbach (hinten, 2. von rechts) an ihrer alten Schule.

Quelle: Till Conrad

Marburg. Marburg, Frühjahr 1944: Im vorletzten Kriegsjahr ist der Marburger Hauptbahnhof zerstört worden, die Innenstadt von Frankfurt wurde bei einem alliierten Bombenangriff zerstört - und die Klasse von Lehrer Obermann an der Franz-Schlageter-Schule wurde nach dem Abschluss der Volksschule ins raue Leben entlassen.

„Immer wenn Bombenalarm war, mussten wir rüber in die Adolf-Hitler-Schule, um uns in Sicherheit zu bringen“, erinnert sich Ernst Muth noch heute. Die Adolf-Hitler-Schule heißt heute Martin-Luther-Schule, die Franz-Schlageter-Schule wurde nach dem Krieg in Friedrich-Ebert-Schule umbenannt. 70 Jahre nach dem Volksschulabschluss trifft sich die alte Schulklasse noch immer alle fünf Jahre. Von den gut 30 Klassenkameraden sind 20 inzwischen gestorben, andere sind krank und derzeit nicht meh rmobil - die übrig gebliebenen trafen sich jetzt, um sich zum 70. Jahrestag ihres Schulabschlusses gemeinsam ihrer Schulzeit zu erinnern.

„Sie sind die letzten Zeugen dieser schweren Zeit“, sagte Claus Schäfer, Schulleiter der neuen Verbundschule, in die die Friedrich-Ebert-Schule aufgegangenen ist, als Gastgeber und forderte die Mittachtziger auf, nach Kräften dabei zu helfen, die Geschichte zu bewahren und weiterzugeben.

Die erinnerten sich auch daran, dass ihre alte „Penne“ zeitweise ein Lazarett war. Der Weltkrieg forderte in seinen letzten Jahren immer mehr Verletzte. Unterricht fand dann in den Räumen der heutigen Martin-Luther-Schule statt.

Wenn es denn Kohlen gab. Das war am Schluss längst nicht immer der Fall. Kohlen waren wichtiges Gut. Fehlten sie in der Schule, gab es „Kohleferien“ - der Unterricht fiel schlicht aus.

Das alles änderte nichts daran, dass die Mittachtziger damals ganz normale Jugendliche waren: Die Klassen waren nach Jungen und Mädchen getrennt, Mädchen und Jungen hatten getrennte Schulhöfe. An der Mauer zwischen bei Höfen haben die Jungen damals gestanden und versucht, einen Blick auf das „schöne Geschlecht“ zu erhaschen.

Wer es übertrieb, der bekam - wenn er Glück hatte - eine Backpfeife vom Lehrer, ansonsten setzte es Hiebe auf den Hintern.

Die gemeinsame Schulzeit verband die Jungen in der Klasse von Lehrer Obermann. Alle fünf Jahre treffen sie sich seit 1974, um an ihre Schulzeit gemeinsam zu denken. Zum 70-jährigen waren es immerhin noch fünf der Klassenkameraden: Heinz Arnold, Karl-Peter König, Ernst Muth, Helmut Noll und Herbert Behre.

Neben Schulleiter Schäfer nahm auch Marburgs Schuldezernentin Kerstin Weinbach an dem Treffen teil.

von Till Conrad

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