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Die in den Ferien büffeln müssen

Nachhilfe Die in den Ferien büffeln müssen

Einige Schüler in Marburg und aus dem Landkreis müssen auch in den Sommerferien lernen, um sich für Nachprüfungen oder auf das nächste Schuljahr vorzubereiten.

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Weil der Schulalltag den Schülern immer mehr abverlangt, bleibt oft keine andere Möglichkeit,
als den Lernstoff in den Ferien nachzuholen.

Quelle: Christian Charisius

Marburg. „Wir haben dieses Jahr einen richtigen Ansturm“, sagt Alexandra Lange vom Studienkreis Marburg. Seit neuneinhalb Jahren leitet sie die Nachhilfestelle in der Biegenstraße und weiß: „So viele Anmeldungen hatten wir noch nie.“

60 Kinder und Jugendliche sind es in diesem Sommer. Sie kommen querbeet aus allen Schulformen aus Marburg und dem Landkreis. Manche kommen, um Lernstoff nachzuholen und sich in einem oder mehreren Fächern zu verbessern. Andere kommen, weil sie wegen schlechter Noten nicht versetzt wurden, und sich nun auf ihre Nachprüfungen vorbereiten, die am Ende der Sommerferien stattfinden.

„Das betrifft vor allem die Fächer Deutsch und Latein“, weiß Manfred Grölz, Leiter der „Schülerhilfe“ in Marburg, bei dem sich für die Ferien zwölf zusätzliche Schüler zu den sonst rund 200 aus Marburg und dem Landkreis angemeldet haben.

In der Nachhilfeschule ­„Eselsbrücke“ hingegen ist die Anfrage größer. Rund 100 Schüler ­haben sich zu den Ferien­kursen angemeldet. Zum Vergleich: Im laufenden Schuljahr sind es gerade mal 60 mehr.

Warum ist der Andrang so groß? „Der Schulalltag fordert immer mehr von den Kindern“, sagt Diana Nusko, Leiterin der „Eselsbrücke“. „Die Kinder stehen im Schuljahr mehr unter Druck. Während des Schuljahres kommen immer mehr Termine wie Projekttage, Schulausflüge, Bundesjugendspiele dazu.“ Da bleibe wenig Zeit, um mit dem Lernstoff mitzuhalten. Immer häufiger gehe es bei der Nachhilfe nicht mehr nur darum, was gelernt werden muss, sondern auch wie. „Wie organisiere ich mich? Wie behalte ich den Überblick? All diese Dinge müssen die Kinder lernen, auch um später wieder alleine im Schulalltag zurechtzukommen“, so Nusko. „Früher sind Schüler zu uns gekommen, wenn sie wirklich schlecht in einem Fach waren“, beobachtet Grölz. „Heute kommen vermehrt Schüler zu uns, die eigentlich ganz gut sind und ihre Noten beispielsweise von einer drei auf eine zwei verbessern wollen.“

„Die Kinder nehmen es locker“

„Vielleicht sind es auch die Eltern, die Angst haben“, vermutet Lange hinter dem Ansturm. Angst davor, dass ihr Kind in der Schule nicht mithalten kann. In den Anmeldegesprächen sei es ihr deshalb wichtig, die Motive zu klären. „Wenn ich merke, dass ein Kind zur Nachhilfe gezwungen wird oder es sich nur zu uns quält, dann rate ich auch mal ab.“ Manchmal sei es aber auch nötig, den Schüler zu ermutigen, dass Nachhilfe ihm helfen kann, entspannter ins nächste Schuljahr zu starten. „Lernen kann Spaß machen. Es macht Spaß, sich zu verbessern und bessere Noten zu bekommen“, ist auch Nusko überzeugt.

Dass das für viele Kinder aber eben auch bedeutet, dass sie in den Ferien büffeln müssen, nehmen die Erwachsenen häufig schwerer, als die Kinder selbst. „Die Kinder nehmen es locker. Sie nehmen teilweise ihre Freunde oder Geschwister mit und gehen am Mittag, wenn die Kurse vorbei sind, ins Schwimmbad“, erklärt Lange. Eine möglichst entspannte Atmosphäre sei für die Ferien-Büffler trotzdem wichtig. „Von der Idee, die ganzen Ferien über geöffnet zu haben, davon halte ich nichts“, so Lange. „Die Kinder müssen sich auch erholen, genau wie wir Erwachsene. “

Die „Eselsbrücke“ hat hingegen die ganzen Ferien über geöffnet. „Komplett auf die Ferien zu verzichten tut den Kindern nicht gut“, ist sich aber auch Nusko bewusst. „Wir raten den Familien deshalb davon ab, auf den gemeinsamen Urlaub zu verzichten, weil es weder den Kindern noch den Eltern gut tut und zu Spannungen innerhalb der Familie führen kann.“ Denn eines ist klar: Wenn man erholt und entspannt ist, lässt es sich viel besser lernen.

von Ruth Korte

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