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Die halbe Stadt wird Umweltzone

Zahlreiche Ausnahmen Die halbe Stadt wird Umweltzone

Ab Freitag hat auch Marburg eine Umweltzone. Fahrzeuge, die keine ­grüne Umweltplakette haben, dürfen in der ­Innenstadt nicht fahren. Aber es gibt zahlreiche Ausnahmen.

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Dieses Schild weist auf die Umweltzone hin.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das für Marburg gefährlichste Umweltgift ist Stickstoffdioxid. Die zulässige Höchstmenge wurde bei den letzten Messungen zu oft überschritten.

Der Gesetzgeber hat nun gehandelt und angeordnet, dass Marburg ab 1. April, also ab morgen, Umweltzone ist. Innerhalb der Umweltzone dürfen Pkw fahren, die mit der grünen Umweltplakette ausgestattet sind (die OP berichtete).

Über die Sinnhaftigkeit der Anordnung gibt es im Grunde keinen Streit. „Stickoxide“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), „können bei Kindern schwere Asthmaerkrankungen auslösen und haben schädliche Auswirkungen auf die Lungenfunktion“.

Spies weiß aber auch, dass es bei der Einrichtung von Umweltzonen einen Zielkonflikt gibt: Das Ziel, Dreckschleudern aus den Innenstädten zu verbannen, beißt sich mit der Notwendigkeit für manchen Auto­besitzer, ältere Fahrzeuge zu fahren: Sie können sich schlicht kein neueres leisten. „Wir hätten deshalb einen sanfteren Übergang bevorzugt“, sagt Spies. Ursprüngliche Idee der Stadt war, ab 1. April Schilder aufzustellen, die auf die Einrichtung der Umweltzone ab 1. Januar 2017 hinweisen.

Das habe das Hessische Umweltministerium anders angeordnet. Wer also ab morgen ohne grüne Plakette die Umweltzone befährt und erwischt wird, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 80 Euro. Punkte in Flensburg gibt es allerdings nicht.
Spies verspricht aber, die Stadt werde von sich aus zumindest bis Jahresende keine „offen­siven“ Kontrollen über das Vorhandensein der grünen Umweltplakette durchführen. „Wenn ein Autofahrer allerdings aus einem anderen Grunde ­angehalten wird und dann keine grüne Plakette hat, können wir das auch nicht ignorieren“, stellt das Stadtoberhaupt fest. Ab Januar 2017 soll dann konsequent kontrolliert werden.

Wo gilt die Umweltzone?

Die Umweltzone umfasst die gesamte Innenstadt einschließlich der Stadtteile Wehrda, Ockershausen und Marbach. Die Stadtautobahn bleibt für alle Fahrzeuge frei befahrbar. Auch alle größeren Gewerbegebiete bleiben ohne Plakette erreichbar: Kaufpark Wehrda, nördliche Afföllerstraße (Messeplatz), Siemensstraße, Am Krekel, Industriegebiet Süd (Temmlerstraße) und das Gewerbegebiet Cappel.  

Wie viele sind betroffen?

Laut der Stadt Marburg hatten zum Stichtag 1. Januar 2016 92 Prozent aller Pkw, aber nur 64 Prozent aller Nutzfahrzeuge, ­eine grüne Plakette.

Generelle Ausnahmen

Ohne Ausnahmegenehmigung dürfen folgende Fahrzeug ohne grüne Plakette in die Umweltzone Marburg einfahren: Motorräder, Oldtimer, Fahrzeuge für die Beförderung von Schwerbehinderten, Krankenwagen, Arztwagen, Fahrzeuge mit Sonderrechten (Feuerwehr, Polizei, Zoll), land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen.

Sondergenehmigungen

Vor allem für betrieblich genutzte Fahrzeuge können Ausnahmen bewilligt werden, wenn dem Antragssteller für den beantragten Fahrtzweck kein anderes auf ihn zugelassenes Fahrzeug mit Plakette zur Verfügung steht, eine Nachrüstung technisch unmöglich oder zu teuer ist und eine Ersatzbeschaffung wirtschaftlich nicht machbar ist.

Stadtwerke-Busse

Laut Geschäftsführer Norbert Schüren betreiben die Stadtwerke Marburg neben ihren Erdgasbussen und modernen Dieselbussen noch 24 alte Dieselfahrzeuge, die durch die Umweltzone fahren müssen. Ausnahmegenehmigungen für diese Fahrzeuge sind laut Schüren beantragt. Acht dieser Busse sollen noch 2016 ausgetauscht werden.

von Till Conrad

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