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„Die finanzielle Lage ist ausgesprochen unerfreulich“

Kirchenkreis Marburg „Die finanzielle Lage ist ausgesprochen unerfreulich“

Der Landeskirche brechen die Einnahmen weg. Auch der Kirchenkreis Marburg ist stark betroffen. Die Kreissynode beschloss kurzfristig 20 Prozentweniger Ausgaben.

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Hans-Joachim Wölk, Präses der Synode, begrüßte 140 Teilnehmer im Gemeindezentrum Niederweimar.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Niederweimar. Drei der vier Stunden dauernden Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Marburg widmeten die 140 Teilnehmer, davon 98 Synodalen, im Gemeindezentrum der ausführlichen Diskussion des zur Abstimmung stehenden Sparkonzepts. In allen Bereichen sollen kurzfristig die vom Kirchenkreis selbst gestaltbaren Ausgaben, im Wesentlichen Sach- und Personalkosten, um 20 Prozent reduziert werden.

Dass die Lage schmerzhafte Kürzungen erfordert, zog niemand grundsätzlich in Zweifel. Heftige Kritik äußerten etliche Teilnehmer vor allem an Einsparungen bei der Jugendarbeit. Am Ende stimmten 68 Synodalen für das Sparkonzept, 19 dagegen und 11 enthielten sich.

Dekan Burkhard zur Nieden (Foto: Schubert) hatte in seinem Bericht die finanzielle Lage als „ausgesprochen unerfreulich“ umschrieben: die Mehrzahl der Kirchengemeinden und der Gesamtverband Marburg sind strukturell defizitär, die Mittel des Diakonischen Werkes Oberhessen reichen künftig nicht mehr für eine Arbeit im bisherigen Umfang. Ursache seien die aufgrund sinkender Kirchensteuereinnahmen zurückgehenden Zuweisungen an alle Arbeitsfelder, bei steigenden Personal- und Bewirtschaftungskosten.

Der voriges Jahr von der Kreissynode beschlossene Doppelhaushalt konnte nur noch durch Entnahmen aus den Rücklagen finanziert werden, würde man so weitermachen, wären diese im Juni 2014 restlos aufgebraucht. „Insgesamt geben wir als Kirche in der Region eine halbe Million Euro mehr aus als wir einnehmen. Nun müssen wir handeln“, unterstrich der Dekan. Für den Kirchenkreis Marburg wird das jährliche Defizit bis 2017 im Sparkonzept mit je 214000 Euro angesetzt.

Für dauerhafte Einnahmenerhöhungen sehe er nur theoretische, nicht praktisch umsetzbare Möglichkeiten, 500000 Euro seien nicht zuverlässig jährlich durch Spenden, Kirchgeld und Fundraising zu beschaffen. Daher müssten die Ausgaben auf allen Ebenen deutlich gesenkt werden, kurzfristig um etwa 20 Prozent. Das solle auf pragmatische Weise geschehen, teils zufällig, weil Stellen frei sind und nicht besetzt werden, anderes, um die Last möglichst gerecht zu verteilen. Alle Arbeitsbereiche seien schmerzhaft betroffen, aber alle blieben erhalten.

Auch langfristig müsse der Sparkurs fortgesetzt werden, dafür solle unter breiter Beteiligung ab dem kommenden Jahr ein Konzept vorbereitet werden. Er erwarte, dass nach und nach Kooperationen entstehen, um weiter gute Angebote bei Jugendarbeit und Kirchenmusik machen zu können. Konkret sollen bei der Jugendarbeit von bisher 530000 Euro 85500, also 16 Prozent, eingespart werden, bei der Kirchenmusik von 100000 Euro jährlich 20000 Euro.

Bei Kindergärten strebe die Kirche in künftigen Verhandlungen ein 90/10-Modell an, erklärte zur Nieden auf Nachfrage aus der Versammlung - die Kommunen sollten 90 Prozent der Kosten übernehmen. „Man muss betonen, dass kein Träger mehr für Kindergärten ausgibt als die Kirche“, fügte er an. Künftig wolle man nur noch ausgeben, was man von der Landeskirche erhalte.

Zur Jugendarbeit meldeten sich viele Teilnehmer zu Wort, der Jugendausschuss und die Mitarbeitervertretung hatten zwei schriftliche Stellungnahmen verteilt. Hauptkritikpunkte waren die geplanten Streichungen von je einer halben Stelle in Marburg Stadt und im ehemaligen Marburg-Land-Bereich. Die zwei Vollzeitstellen besetzenden drei Jugendreferentinnen in Marburg Land koordinierten bis zu 90 ehrenamtlich Tätige. Wenn hauptamtlich Beschäftigte gingen, würden erfahrungsgemäß wegen fehlender Begleitung auch Ehrenamtliche gehen. Damit werde die Zukunft der Kirche gefährdet.

Über die auf der Landessynode gemachten Sparpläne der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck berichtete Pfarrer Ralf Hartmann. Man gehe davon aus, dass bis 2026 ein Viertel der jetzigen kirchlichen Arbeit nicht mehr bezahlbar sei. Ein „Zukunftsausschuss“ habe vor allem Personal, Gebäude, Einrichtungen, Sonderhaushalte, Pfarrstellen und Verwaltungen in den Blick genommen.

Die Gebäude müssen auch auf der nächsten Kreissynode am 7. Oktober betrachtet werden, kündigte Dr. Egbert Schlarb vom Bauausschuss an. Anhand der von der Landeskirche vorgegebenen Zahlen müsse eine Reduzierung der in Pfarr- und Gemeindehäusern vorhandenen Flächen von etwa 8000 auf 6000 Quadratmeter erfolgen.

von Manfred Schubert

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