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Die dunklen Seiten der Oberstadt

Müll, Lärm, Gestank Die dunklen Seiten der Oberstadt

Sie hat viele Probleme, die Oberstadt jenseits der Haupt-Flaniermeilen: Müll, Lärm, Gestank. Die Politik ist auf dem Weg, sich für nicht zuständig zu erklären.

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Ungelöste Probleme: Mülltonnen und Autos in der Kugelgasse.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss jedenfalls empfahl dem Parlament einen Antrag zur Ablehnung, in dem die „Bürger für Marburg“ fordern, „dringendst greifende Maßnahmen“ zu entwickeln, um der sich weiterhin verschlechternden Wohnqualität zu begegnen.

Dabei hatte Christopher Moss, Vertreter der „Bürgerinitiative Oberstadt“, in einer Rede an die Ausschussmitglieder mit eindringlichen Worten erläutert, mit welchen Problemen die Bewohner zu kämpfen haben.

  • Sauberkeit: In den engen Gassen oberhalb der Barfüßerstraße stehen an manchen Tagen hunderte von Mülltonnen, die gelegentlich auch einmal brennen, die von den Anwohnern aber nicht in ihren Grundstücken untergebracht werden können oder wollen: Kleine Grundstücke ohne Abstellmöglichkeiten, steile Treppen und ähnliches sprechen dagegen. „Magistrat und DBM haben ihre Zusagen nicht eingehalten“, sagt Moss.
  • Sicherheit und Ordnung: Die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt in der Oberstadt sei entgegen der Zusagen der Stadt nicht verstärkt, sondern reduziert worden. Vor allem zu Semesterbeginn leiden Anwohner unter Lärmbelästigungen aus den umliegenden Kneipen, aber auch von der Straße, in der so manche lustige Feier fortgesetzt wird. Anwohner berichten von mehreren Vorfällen, in denen Betrunkene in Hauseingänge uriniert oder sich erbrochen haben.
  • Strukturwandel: Die Bevölkerungsstruktur in der Oberstadt ändert sich. Familien, die seit Generationen hier gewohnt haben, ziehen weg. „Vor einem Jahr“, so berichtet Moss, „lebten noch 10 Kinder im Bereich der Kugelkirche - heute sind es nur noch die Hälfte.“ Nach dem Auslaufen der Sanierung vor zehn Jahren sei es nicht gelungen, das Quartier für Familien und Studenten gleichermaßen attraktiv zu halten. Wohnungen und Häuser werden in zunehmendem Maße in studentischen Wohnraum umgewandelt - kleine Einheiten, das heißt höhere Bevölkerungsdichte, mehr Wohneinheiten pro Gebäude bedeuten mehr Autos, die Parkplätze suchen und so weiter.

Was tun? FDP-Mann Stefan Schartner regt mehr Kontrollen durch Ordnungskräfte an. Ruhestörungen könnten am ehesten unterbunden werden, indem die Urheber „zeitnah“ auf ihr Verhalten hingewiesen werden. Eine „Kultur der Rücksichtnahme“ müsse etabliert werden, sagte „Bürgerin für Marburg“ Andrea Suntheim-Pichler. Der DBM und die Stadt müssten die Müllsatzung, die das Abstellen von Mülltonnen am Straßenrand nicht zulässt, durchsetzen.

Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) verweist darauf, dass die Stadt tätig geworden sei. Die Oberstadtwache etwa sei durchgängig besetzt. In Gesprächen mit Kneipenbesitzern seien Verbesserungen erreicht worden. So habe das Problem von nächtlichen Ansammlungen rauchender Menschen vor den Gaststätten reduziert werden können. Die Hausbesitzer in die Verantwortung für die Mülltonnen zu nehmen, sei nur sehr schwer umsetzbar.

So bleiben vielleicht, wie es CDU-Mann Joachim Brunnet vorschlug, nur Appelle. Die Anwohner jedenfalls, die die Diskussion im Ausschuss teils ungläubig staunend verfolgten, waren nach der Ablehnung des Antrags bedient: „Aber ehrlich gesagt, haben wir nichts anderes erwartet“, sagt Josefa Zimmermann, eine der Anwohnerinnen und Mitglied in der Bürgerinitiative. Das Thema wird in der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Freitag erneut zur Sprache kommen. Wie ernst die Situation gesehen wird, macht eine Bemerkung von Andrea Suntheim-Pichler deutlich: „Schenken Sie den Menschen reinen Wein ein, sagen Sie Ihnen, ob sie hier wohnen bleiben können oder nicht!“

von Till Conrad

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