Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Die Zeit der Bettler und Musikanten

Offene Herzen Die Zeit der Bettler und Musikanten

Die Vorweihnachtszeit ist die Hochzeit der Spenden - deshalb häufen sich jetzt freundliche Briefe mit entsprechenden Bitten. Zugleich nimmt in der Zeit der offenen Herzen auch das Betteln und Musizieren auf der Straße zu.

Voriger Artikel
Die FDP will in die Akten schauen
Nächster Artikel
„Eine gewisse Anspannung war zu spüren“

Straßenmusiker sind in der Vorweihnachtszeit auch in Marburg in größerer Zahl zu beobachten, wie diese Gruppe, die am Samstag auf dem Marburger Adventsmarkt zu sehen und zu hören war.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ganz so schlimm wie in Frankfurt ist es in Marburg noch nicht. Während sich in der Mainmetropole die Beschwerden über aggressives Betteln häufen, hat man im Ordnungsamt an der Lahn bislang nur eine Zunahme der Bettler feststellen können, wie Tina Eppler von der Stadt erklärt. Das friedliche Betteln, bei dem Passanten nicht bedrängt würden, sei nicht verboten, betont Tina Eppler, entsprechend werde dies auch von der Stadt geduldet. Anders verhält es sich mit einem aggressiven Auftreten der Bettler, dies stelle eine Straftat dar.

In Clans organisiert, geht der Gewinn an die Hintermänner

Mehr Polizei auf den Straßen, auch in Zivil, soll in Frankfurt Abhilfe schaffen. In der Vorweihnachtszeit seien neben verkleideten Künstlern und Versehrten, die Besucher in der Stadt um Geld anbetteln, auch vermehrt Taschendiebe unterwegs, erklärt Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) und rät Besuchern der Innenstadt davon ab, Bettlern Geld zu geben.

Sie seien oftmals in Clans organisiert, müssten einen Großteil der Beträge abgeben. Ihnen selbst bleibe kaum etwas von dem Geld. Am Frankfurter Hauptbahnhof sind derzeit vermehrt organisierte Bettlergruppen anzutreffen. Reisende und Geschäftsinhaber beschwerten sich in letzter Zeit häufiger wegen aggressiver Geldforderungen, erklärte die Bundespolizei. Die Polizisten ahndeten Verstöße mit Platzverweisen.

Das Phänomen der organisierten Bettler-Banden ist auch in Marburg und dem Landkreis bekannt. „Das kommt immer wieder mal vor und ist häufig mit einem aggressiven Verhalten verbunden“, erklärt Martin Ahlich, Pressesprecher der Polizei.

Von einem gehäuften Auftreten könne aber nicht gesprochen werden. Die Banden zögen immer wieder für einige Tage durch den Landkreis und träten dann nicht nur in Marburg, sondern auch in den kleineren Städten wie Biedenkopf, Wetter oder Stadtallendorf in Erscheinung. Auch andere Städte in Hessen haben eine Zunahme von Bettlern festgestellt. In Fulda sei die Zahl der Bettler in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen, sagt ein Sprecher der Stadt. Anzeichen, dass organisierte Banden dahinter stecken, gebe es aber nicht. Ähnlich schildert es Peter Weigand, Leiter des Offenbacher Ordnungsamts.

Fünf Straßenmusiker dürfen in Marburg spielen

Ingo Happel-Emrich zeichnet für das vorweihnachtliche Kassel ein ganz anderes Bild: „Im Stadtgebiet sind derzeit weniger Bettler anzutreffen als im Laufe des gesamten Jahres“, sagt der Sprecher der Stadt. Bürgerbeschwerden gebe es nicht. Die Stadt Frankfurt geht künftig auch verstärkt gegen Straßenmusiker vor.

Wie Ordnungsdezernent Frank sagt, werde die Stadt häufiger kontrollieren und messen, ob die Musikanten die Lärmgrenzen einhalten. Wiesbaden hat Auftrittsorte und -dauer auf den Straßen der Stadt reglementiert. Die Stadt will die Anordnungen im nächsten Jahr verschärfen. Michael Zollmann, Leiter der Straßenverkehrsbehörde, sagt: „Die Zahl der Darsteller nimmt zu, die Qualität ab.“

Zurzeit dürften Künstler höchstens eine halbe Stunde am gleichen Platz spielen, danach müssten sie sich einen neuen Ort außer Hörweite suchen. Gänzlich verboten ist der Einsatz von elektronischen Verstärkern. Die Stadt denke derzeit darüber nach, amtliche Tagesgenehmigungen einzuführen und das öffentliche Musizieren nur zu bestimmten Tageszeiten zu gestatten, so Zollmann.

In Darmstadt gelten bereits seit diesem Jahr strikte Regeln für Straßenmusiker. Täglich dürfen danach höchstens fünf Künstler in der Innenstadt spielen. Die Genehmigung kostet fünf Euro. „Das kommt sehr gut an“, sagt Ordnungsdezernent Reißer.

Auch Marburg regelt den Auftritt der Straßenmusikanten. Wer in Marburg Straßenmusik darbieten möchte, benötigt hierfür eine Sondernutzungserlaubnis. Diese ist örtlich und zeitlich beschränkt und pro Tag werden maximal fünf kostenlose Erlaubnisse erteilt. Anzahl und Spieldauer der Straßenmusikanten soll so mit dem Ruhebedürfnis der Anwohner in Einklang gebracht werden, erklärt Tina Eppler.

von Frank Rademacher und unserer Agentur

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr