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„Die Umweltzone verhindert Arbeitsplätze“

Protest „Die Umweltzone verhindert Arbeitsplätze“

Benjamin und Tobias Noll sind für ihren Hausmeisterservice auf ihren alten VW-Transporter angewiesen. Den haben sie teuer reparieren lassen - dann kam die Nachricht von der Umweltzone.

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Benjamin (links) und Tobias Noll mit ihrem 24 Jahre alten VW-Transporter: Den haben die Jungunternehmer erst kürzlich teuer reparieren lassen – und dann kamen die Informationen zur ­geplanten Umweltzone in Marburg.

Quelle: Andreas Schmidt

Wehrda. Benjamin und Tobias Noll haben vor vier Jahren nebenberuflich einen Hausmeisterservice in Wehrda gegründet. Das Geschäft lief von Beginn an recht gut, mittlerweile haben die Brüder vier Mini-Jobber beschäftigt und suchen derzeit zwei festangestellte Mitarbeiter. „Es läuft eigentlich ganz gut“, sagt Benjamin Noll. Eigentlich. Doch die neue Umweltzone in Marburg stellt sie vor Probleme.

„Draußen steht das Sorgenkind“, sagt Benjamin Noll. Das „Sorgenkind“ ist ein VW-Transporter, 24 Jahre alt, als Pritschenwagen. Technisch ist der Oldie eigentlich ganz gut in Schuss. Zumindest wieder. Denn Benjamin und sein Bruder Tobias haben den Wagen vor einem Vierteljahr reparieren lassen.

„Wir brauchen den Transporter, damit wir Bauabfälle oder Grünschnitt wegbringen können“, sagt Benjamin Noll. Es gebe noch zwei Renault Kangoos, „aber mit denen können wir nichts Größeres transportieren“.

Im Winter war das „Sorgenkind“ kaputt - der Anlasser, die Glühstäbe und eine Achsmannschette mussten ausgetauscht werden. „Kleinigkeiten eigentlich, die Werkstatt hat gesagt, der Motor sei noch topfit, die Reparatur würde noch Sinn machen“, sagt Tobias Noll. Die Kleinigkeiten summierten sich dennoch auf gut 800 Euro - „damit stand das Auto aber für die nächsten zwei Jahre wieder gut da“, so Noll.

Doch zwei Wochen später kam der Schock: Die Brüder wurden von ihrer Werkstatt darauf aufmerksam gemacht, dass in Marburg zum 1. April die Umweltzone eingeführt würde. Eine Umrüstung kam nicht infrage, „viel zu teuer, da hat auch die Werkstatt direkt abgewunken“, sagt Tobias Noll.

Heißt im Umkehrschluss: Der Transporter bekommt keine grüne Plakette - und darf somit die Umweltzone Marburg nicht mehr befahren. Und damit würden auch zahlreiche Aufträge wegbrechen.

Hoffnung setzen die Nolls noch auf eine Ausnahmegenehmigung. Den Antrag haben sie zum 15. März abgeschickt, aber eine Stellungnahme haben sie noch nicht erhalten.

Die Brüder kritisieren vor allem die Informationspolitik der Stadt. „Hätten wir frühzeitig davon gewusst, hätten wir das Geld in die Reparatur nicht mehr investiert sondern gleich für ein anderes Fahrzeug gespart“, sagen die Jungunternehmer. Sollte die Ausnahmegenehmigung abgelehnt werden, dann wird es wohl nichts mit den Neueinstellungen. „So verhindert die Umweltzone Arbeitsplätze.“

Wegen dieser Problematik haben die Brüder auch zahlreiche Parteien und den Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies angeschrieben - „geantwortet hat aber nur die AfD, die haben uns sogar eine Beratung durch einen Anwalt angeboten. Schade, dass die etablierten Parteien und den Oberbürgermeister die Probleme der kleinen Leute nicht interessieren“, sagt Benjamin Noll. Denn eine Lesebestätigung des OB hätten sie erhalten.

von Andreas Schmidt

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