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Die Überraschung war das Wichtigste

Früher gab's keinen Kaufrausch Die Überraschung war das Wichtigste

OP-Leserin Marga Stafunsky erinnert sich gerne ­daran, wie Weihnachten in Marburg früher gefeiert wurde.

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Strahlende Kinderaugen vor der Krippe im Weihnachtszimmer (großes Foto) und draußen jede Menge Schnee – das verbindet Marga Stafunsky mit Weihnachten.

Quelle: privat

Marburg. Wenn die erste Kerze am Adventskranz brannte begann neben manch besinnlicher Stunde auch schon die Vorbereitung auf das bevorstehende Weihnachtsfest.

Die Schaufenster der Geschäfte wurden mit Tannenzweigen, Lametta und besonders schönen Auslagen ausgestattet, es gab kleine Weihnachtsmärkte  mit einem Karussell und Lebkuchenständen. Trotzdem verfiel niemand dem Kaufrausch, denn vieles wurde zu Hause noch selbst gemacht.

Das ging los mit dem Backen großer Mengen Plätzchen, mit denen nicht nur die Familie, Verwandte und Nachbarn beschenkt wurden, sondern auch der Lehrer, der Pfarrer, der Arzt und Freunde. Da es noch keine Küchenmaschinen gab, war das Backen schon viel Arbeit.

Dann wurden dicke Pullover, Schals, Mützen und Handschuhe gestrickt fürs Rodeln und Schlittschuhlaufen, denn damals gab es noch keine Anoraks, dafür aber immer genug Schnee ab November bis Februar. Weiße Weihnachten waren normal.

Aber es wurde auch gehäkelt und gestrickt, gemalt, geknetet, geklebt, Laubsägearbeiten hergestellt. Es mussten Gedichte auswendig und Weihnachtslieder gelernt werden. Klavier- und Flötespielen durften am Heiligen Abend auch nicht fehlen.

Jeder wollte jedem eine Freude machen und dabei war die Überraschung das Wichtigste, und Geheimnisse zu bewahren war Ehrensache. Oft war dann so manche Tür verschlossen. Einen Wunschzettel zu schreiben war auch eine sehr wichtige Sache, denn der wurde dann abends vors Fenster gelegt und war am nächsten Morgen fort, vom Christkind nachts abgeholt worden.

Und dann konnte man auch manches Mal von irgendwo ein Glöckchen läuten hören oder durchs Schlüsselloch vom verschlossenen Weihnachtszimmer einen kleinen Zweig vom Tannenbaum sehen.

Zur Christvesper in die Kirche

Spannung und Aufregung steigerten sich, ob alles an Heiligabend mit den Überraschungen klappen und sich alle freuen würden.

Doch ehe es so weit war, zogen sich alle festlich an und es ging zur Christvesper in die Kirche, wo schon riesengroße Tannenbäume erstrahlten, gesungen und gebetet wurde, hörten wir die Weihnachtsgeschichte und dann wünschte jeder seinem Sitznachbarn fröhliche Weihnachten.

Zu Hause war dann unter großer Spannung die Bescherung und es herrschte nur noch Freude und Überraschung. Es wurde gesungen, musiziert, Päckchen wurden ausgepackt, Weihnachtspost wurde vorgelesen, gestaunt und auch festlich gegessen.

Dann wurde fast bis zum Einschlafen vor dem Tannenbaum gespielt. Es waren ja Ferien und mit den Gedichten und Liedern hatte alles gut geklappt und so hatten wir wieder mehr Zeit.

Am nächsten Tag, während die Weihnachtsgans im Ofen brutzelte, wurde in den neuen Büchern geschmökert, die auch die Erwachsenen bekommen hatten, und alle zusammen probierten die neuen Gesellschaftsspiele aus. Am zweiten Weihnachtstag ging‘s, angezogen mit den neuen warmen Sachen, zum Winterspaziergang, Rodeln und Schlittschuhlaufen.

von Marga Stafunsky

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